2,5 / 5 Sterne Auch wenn die behandelten Themen dieses Buches (z. B. häusliche und sexuelle Gewalt oder Homosexualität) zur Zeit seiner Erscheinung eher fortschrittlich wirken, was positiv angemerkt werden kann, bin ich nicht ganz einverstanden mit der Behandlung dieser Themen. Es lässt sich ein eindeutig männlicher Blick auf die Frauenfiguren erkennen sowie eine stark heteronormative Einstellung - es ist beispielsweise häufig von der "männlichen Aktivität" Ellis die Rede, was mir nicht so gut gefallen hat. Obwohl der Text zudem die Schuldfrage eher vermeidet bzw. den Blick öffnet, habe ich dennoch den Eindruck gewonnen, dass die Schuld vor allem der als stärker "weiblich" angesehenen Frauenfigur zugeschoben und das Verhalten des gewalttätigen Ehemanns zum Teil sogar gerechtfertigt wird. Dennoch weist der Text auch sehr viele gesellschaftskritische und psychoanalytische Ansätze auf und rekonstruiert auf literarische Weise ein reales Verbrechen, was ganz interessant ist - daher vergebe ich noch 2,5 Sterne.
18. MaiMay 18, 2024
Die beiden Freundinnen und ihr Giftmordby Alfred DöblinFISCHER Taschenbuch

