26. Apr.
Rating:4

Interessante historische Einblicke rund um die Gleichberechtigung von Frauen

1920 werden die ersten Studentinnen an der Universität Oxford aufgenommen. Vier junge Frauen werden - vereint durch die Ablehnung, die ihnen von vielen Seiten entgegenschlägt - zu engen Freundinnen. Sie alle tragen Geheimnisse und Wunden der Vergangenheit mit sich. Und sie müssen entscheiden, wer sie in Zukunft sein wollen. - - - - - - - Obwohl mir klar war, dass ein Roman über die erste Studentinnen-Generation eigentlich keine locker-leichte Lektüre sein kann, war ich ein wenig überrascht. Anhand des Klappentextes hatte ich nicht vermutet, dass zwischenzeitlich persönliche Weltkriegs-Traumata der jungen Frauen eine so große Rolle spielen würden. Zwischenzeitlich kam mir da das eigentliche Thema des Studiums ein wenig zu kurz. Was ich besonders interessant fand, waren die Regeln, die für Studentinnen im damaligen Oxford galten und die die Autorin nach eigenen Angaben genau übernommen hat. Von Gleichberechtigung kann da wahrlich keine Rede sein. Auch die Erlebnisse der vier Frauen in Vorlesungen und bei anderen Veranstaltungen zeigen, welchen Stand sie bei ihren männlichen Kommilitonen hatten. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass das eigentlich noch nicht lang her ist. Was mir auch sehr gut gefallen hat, war die gesellschaftliche Vielfältigkeit der vier Frauen. Von der Pfarrerstochter mit Stipendium bis zur wohlhabenden Studentin, die sich beweisen will, ist alles dabei und so erhält man gute Einblicke in die Gesellschaft der damaligen Zeit.

Die Frauen von Oxford
Die Frauen von Oxfordby Joanna MillerFISCHER Taschenbuch
17. Apr.
Rating:4

⭐️⭐️⭐️⭐️ Go girls!

„Die Frauen von Oxford“ zeigt am Beispiel von vier jungen Frauen, wie sich nach Jahrhunderten, in denen in Oxford nur männliche Studenten zugelassen waren, die Frauen ihre Rolle an den Universitäten eroberten. Dabei setzt die Autorin nicht den erhobenen Zeigefinger an, sondern bettet ihr Thema in einen gefälligen, unterhaltsamen Roman ein. (Fun Fact: Auch Königin Camilla findet diesen Roman toll und stellt ihn in ihrem Buchclub @thequeensreadingroom auf Instagram vor!) Mit ganz unterschiedlichem Hintergrund kommen im Jahr 1920 Theodora, Beatrice, Marianne und Ottoline ans St Hughes College in Oxford. Erstmalig dürfen auch Frauen offiziell ein Studium aufnehmen – und einen richtigen Abschluss machen. Bisher war es Frauen zwar erlaubt, bestimmte Kurse zu besuchen und Prüfungen abzulegen, allerdings ohne dafür ein Abschlusszeugnis und ein Degree zu erhalten. Die vier Frauen stürzen sich ins Studium und ins Leben, erleben Neid, Hass und Missgunst, aber auch Erfolge, Unterstützung und Freundschaft. Sie werden ein sehr enges „Kleeblatt“ und trotzdem hat jede auch ihre ganz eigenes Geheimnis… Diese Geheimnisse kommen im Verlauf des Buches ans Licht und als Leser begleitet man die Vier auf ihrer Reise ins Leben. Obwohl das Buch kurz nach dem Ersten Weltkrieg spielt und damit natürlich auch von Themen wie Kriegstraumata oder dem Frauenwahlrecht geprägt ist, hat die Geschichte doch auch immer einen leichten und unbeschwerten Touch. Ganz so wie es halt in der Jugend ist – auch schwere Themen werden mit einer gewissen Leichtigkeit hingenommen und angegangen. Die vier Protagonistinnen sind alle ganz unterschiedlich, stammen aus unterschiedlichen Klassen und familiären Hintergründen, ergänzen sich aber ganz wunderbar. Ich fand jede auf ihre Art sehr sympathisch, besonders angetan hatte es mir aber die gleichzeitig burschikose und mondäne „Otto“ (Kurzform von Ottoline). Sie stammt aus einer reichen Familie und kann das im richtigen Moment auch zur Schau stellen bzw. für ihre Zwecke nutzen, hat aber das Herz am rechten Fleck und tritt bedingungslos für ihre neuen Freuninnen ein. Wenn man das Buch liest, möchte man am liebsten ebenfalls ein Teil ihres Freundeskreises sein und diese studentische Reise (und auch die Reise ins Erwachsenenleben) mit den jungen Frauen teilen. Ich habe sie sehr gern begleitet und ihre Abenteuer in Oxford mit Spannung verfolgt. Da das Buch nur das erste Studienjahr umfasst, habe ich mich gefragt, ob es vielleicht noch weitere Bände mit diesen Protagonistinnen geben wird. Das Ende des Buches lässt das offen, aber da es in sich eine geschlossene Erzählung ist, in der die geteaserten Erzählstränge alle zu Ende geführt werden, gehe ich eher nicht davon aus. Schade eigentlich!

Die Frauen von Oxford
Die Frauen von Oxfordby Joanna MillerFISCHER Taschenbuch
12. Apr.
Rating:3

Solider Roman

Dieses Buch habe ich über ein Bücher-Abo erhalten und gewiss hätte es das Potenzial für eine Buchreihe. Wer weiß, vllt. gibt es ja mal einen Nachfolger? Denn die Geschichten der vier Hauptprotagonistinnen sind nicht zu Ende erzählt, ihr Studium nicht beendet und zu viele Fragen bleiben noch offen. Auch, wenn die Geschichte selber reine Fiktion ist, der Umgang mit den Frauen damals entspricht der Wahrheit und in Anbetracht der Tatsache, dass sich vieles bis heute nicht verändert hat oder gerade dabei ist sich zurück zu entwickeln, macht es einen beim Lesen ziemlich wütend. Das Cover ist unpassend. Die Figuren werden im Roman sehr deutlich beschrieben und dass man sich entschied, diesen Beschreibungen nicht zu folgen, ist mehr als schade. Im Buch selber gibt es Fehler, wie fehlende oder doppelte Wörter. Da hat das Lektorat nicht gut aufgepasst. Es sind nur wenige, doch gewiss gibt es Lesende, deren Lesefluss dadurch gestört wird. Dieser Roman ist kein Highlight, kein „Muss-man-gelesen-haben, kein „Bestseller“. Es ist eher eine nette Lektüre für zwischendurch, im Urlaub, am Wochenende.

Die Frauen von Oxford
Die Frauen von Oxfordby Joanna MillerFISCHER Taschenbuch