Ein geniales, ruhiges Buch über erschütternde Verbrechen. Ein Buch über die Banalität des Bösen oder vielmehr wie selbst die schlimmsten Verbrechen geleugnet oder einfach verdrängt werden.
Hm... in gewisser weise lässt mich das Buch etwas unbefriedigt zurück. Denn ehrlich gesagt führt nicht nur der gewählte Buchtitel in die Irre. Es geht meiner Meinung nach kaum um eben besagte Rattenlinie. Und eigentlich auch im Kern nicht um die Flucht von Otto Wächter. Meiner Meinung nach liegt der Schwerpunkt eigentlich auf der Tatsache, wie seine Nachkommen mit Wächter als NS-Verbrecher umgehen- sie leugnen seine Beteiligung. Horst Wächter, der als Ansprechpartner von Philippe Sands, eng mit ihm zu tun hatte, windet sich und schafft auch aus wirklich eindeutigen Beweisen noch eine Ausrede für seinen Vater... Ich fand es bezeichnend wie diese Leugnungen sich durch die Familiengeschichte ziehen, auch dadurch unterstrichen, das die Briefe der Eltern nicht kritisch gelesen wurden. Und vor allem auch nicht hinterfragt wurde, ob bestimmte Themen auch deshalb nicht im Tagebuch der Mutter auftauchen, nicht weil sie keine Rolle spielten sondern weil sie nicht als erwähnenswert galten z.B. weil sie einfach absolute Normalität darstellten und auch mit der ideologischen Einstellung der Eltern vereinbar waren. Anstrengend fand ich an manchen Stellen die Abschweifungen des Autors... Ehrlichweise hat es mich einfach nicht interessiert, wer wessen illegitimer Sohn war. Das hatte für mich einfach nichts mit dem zu tun, was der Autor meiner Meinung nach eigentlich erzählt hat. Manches wirkte auf mich eher aus Lückenfüller um das Buch künstlich auf zu plustern... Insgesamt fand ich es schon interessant zu lesen, gebe aber auch zu, das ich persönlich einfach etwas anderes erwartet hatte. Die Schwerpunkte die der Autor gesetzt hat, waren einfach nicht das, was mich persönlich an dem Buch interessiert hat. Gut fand ich, das der Autor schon immer wieder klar gemacht hat, das er eine andere Meinung als Horst über dessen Vater hat. Und es wird schon deutlich, das er ihn definitiv als NS-Verbrecher sieht und vielleicht auch etwas resigniert ist, das Horst nicht vom Gegenteil zu überzeugen ist. Aber irgendwie hätte ich mir hier auch mehr Distanz gewünscht. Ich fand das er ihn manches Mal zu sehr entschuldigt und das nicht stärker problematisiert. Ich denke der Autor hat sich hier teilweise zu stark persönlich eingebunden.

