
Ein visuell überwältigendes Erlebnis und ein spannendes Konzept – aber eines, auf das man sich bewusst einlassen muss. Wer vor allem wegen der Bildsprache liest, wird begeistert sein. Wer eine tiefere, emotional greifbare Geschichte erwartet, könnte wie ich etwas ratlos zurückbleiben.
The Electric State war damals überall im Gespräch – genau deshalb landete es auch bei mir im Regal. Gelesen habe ich es allerdings erst jetzt, und … puh. Ich bin ein bisschen zwiegespalten. Fangen wir mit dem klaren Highlight an: die Illustrationen. Stålenhags Bilder sind absolut beeindruckend und transportieren diese postapokalyptische, düster-melancholische Stimmung auf eine Art, die einen sofort reinzieht. Für mich war der Text hier eher Begleitung zu den Bildern als umgekehrt – und das funktioniert überraschend gut. Die Grundidee des Plots hat definitiv etwas: eine Reise durch eine auseinanderfallende USA, begleitet von verstörender Technologie und seltsam stillen Landschaften. Aber genau da setzt für mich das erste Problem an: Das erzählerische Potenzial wird nicht ganz ausgeschöpft. Die Protagonistin blieb für mich merkwürdig fern. Ihre Gedanken, Emotionen, Motive – all das wirkte distanziert, fast schon leer. Vielleicht genau so gewollt, aber es machte es mir schwer, mich wirklich auf sie einzulassen. Am Ende blieben für meinen Geschmack zu viele Fragen offen. Nicht im atmosphärisch-gewollten Sinne, sondern eher so, als hätte etwas gefehlt.

















