
Heute möchte ich euch das Buch „Doktor Faustus“ von Thomas Mann vorstellen, das 1947 erschienen ist. Da es sich um meine letzte Rezension dieses Jahres handelt, habe ich mich ganz spontan für dieses Werk entschieden. Doktor Faustus erzählt die Lebensgeschichte des genialen, zugleich jedoch innerlich zutiefst zerrissenen Komponisten Adrian Leverkühn. Rückblickend berichtet sein Freund Serenus Zeitblom von dessen Werdegang. In einem symbolischen Pakt mit dem Teufel opfert Leverkühn seine Fähigkeit zu lieben, um höchste künstlerische Genialität zu erlangen. Sein musikalischer Aufstieg geht dabei untrennbar mit geistigem Verfall und zunehmender Isolation einher. Gleichzeitig wird Leverkühns Schicksal allegorisch mit dem moralischen und geistigen Niedergang Deutschlands im 20. Jahrhundert verknüpft. Der Schreibstil des Romans ist geprägt von einer sehr gelehrten, kunstvollen Sprache, zahlreichen Anspielungen, philosophischen Exkursen und komplexen Stilmitteln. Thomas Mann setzt bewusst auf einen anspruchsvollen, häufig verschachtelten Erzählton, der zwar intellektuell fordert, dem Leser jedoch auch einiges an Geduld abverlangt. Negativ fiel für mich vor allem die ausgeprägte Schwafeligkeit des Textes ins Gewicht. Die romantisch anmutende, überaus eloquente Sprache wirkt stellenweise wie eine bloße Aneinanderreihung von Worten – fast nach dem Motto: „Schaut mal, ich bin eloquent.“ Mein Mann brachte es währenddessen treffend auf den Punkt: „Wen interessiert das?“. Inhaltlich verlor ich dadurch immer wieder den roten Faden und hatte Schwierigkeiten, mir die eigentliche Handlung und ihre Relevanz einzuprägen – nicht selten stellte sich die Frage: Worum geht es hier eigentlich gerade? Nichtsdestotrotz lässt sich nicht leugnen, dass Doktor Faustus ein wichtiges und bedeutendes Werk der Weltliteratur ist. Diese literarische Relevanz erkenne ich uneingeschränkt an – auch wenn mich das Buch persönlich leider überhaupt nicht abholen konnte und bei mir keinerlei Lesefreude ausgelöst hat. Bewertung: 2,5 von 5 Sternen – ausschließlich aufgrund der literarischen Bedeutung und historischen Wichtigkeit des Werks, nicht wegen des Leseerlebnisses selbst.





