31. Aug.
Rating:4.5

Das Buch ist gar nicht so einfach zu beschreiben bzw. zu bewerten. Wir begleiten eine ältere, namenlose Schriftstellerin, bei der man davon ausgehen kann, dass es Grete Weil selbst ist. Sie lebt alleine, ihr Mann ist schon gestorben und schreibt an ihrem letzten Buch. Das Buch handelt von Antigone, der Tochter des Ödipus. Die Ich- Erzählerin ist Jüdin und hat den 2. Weltkrieg in den Niederlanden, durch sehr viel Glück mit ihrer Mutter überlebt, weil sie noch rechtzeitig untertauchen konnte. Nun quält sie in der Gegenwart die Erinnerungen und die "Schuld der Überlebenden" und diese versucht sie in ihrem Roman zu verarbeiten. Das Buch ist auf drei Ebenen geschrieben. Die Gegenwart, die Vergangenheit und der fiktive Roman über Antigone. Im letzten Drittel kommt auch noch eine 4. Perspektive hinzu. Die ersten drei Erzählstränge wechseln innerhalb der Kapitel ständig ab, dass war am Anfang etwas verwirrend. In einem Abschnitt ist man noch in der Gegenwart und begleitet die Ich Erzählerin in ihrem Alltag, im nächsten Abschnitt ist man in den Niederlanden und dann ist man wieder bei Antigone. Und so verweben sich diese Erzählstränge immer mehr und mehr, so dass es immer mehr Überschneidungen gibt. Auch wenn ich am Anfang etwas gebraucht habe in das Buch reinzukommen, hat es mir richtig gut gefallen, besonders die Textstellen die in der Vergangenheit spielen waren intensiv, brutal, aufwühlend und unglaublich traurig. Dazu hat vor allem die 4. Perspektive beigetragen. Grete Weil übernimmt hier einen leicht gekürzten Augenzeugenbericht von Friedrich Hellmund, einen deutschen Unteroffizier, der bei der Räumung des Ghetto Petrikau in Polen dabei war. Wer so etwas nicht lesen kann, sollte die Finger von dem Buch lassen, denn es wird nichts beschönigt oder verharmlost, sondern die damalige Wirklichkeit schonungslos erzählt.

Meine Schwester Antigone
Meine Schwester Antigoneby Grete WeilFISCHER Taschenbuch