3.5 ⭐️; guter Schreibstil und eigenwillige, interessante Charaktere der Protagonisten. Ich für mich habe etwas zu wenig aus dem Buch „mitnehmen“ können, fand die Geschichte ein kleines bisschen inszeniert. Trotzdem ein solide gutes Buch! Und mal etwas anderes :-)

Mein Lieblingsbuch
Eine umfassende Rezension über dieses Buch zu schreiben ist unmöglich, da es bei so vielen Themen Halt macht. Dennoch streift es diese Themen nicht nur, sondern kriegt es hin, diese auf berührende Weise zu durchdringen. Ein Buch wie ein Spiegel, das vermutlich die Ängste, Sehnsüchte, Hoffnungen und Selbstzweifel vieler seiner Leserinnen und Leser reflektiert. Man kommt nicht drumherum, sich mit J.R. zu identifizieren. Was ist Männlichkeit und wie lässt sie sich herstellen? J.R. hat eine starke, liebevolle, aufopferungsvolle Mutter und die Männer aus der Bar, dem Publicans, die sich seiner annehmen und ihn prägen. J.R. erlebt eine abgefuckte Form der großen Liebe. Seine Liebe zu Sidney fordert ihm immer wieder ab, sie loszulassen oder wieder in sein Leben reinzulassen. Der Roman verweist in diesem Zusammenhang sogar explizit auf die Figur Daisy Buchanan aus The Great Gatsby. Auch Sidney leuchtet trotz all dieser Enttäuschungen auf J.R. wie ein Scheinwerferlicht aus der Ferne, dem er sich immer wieder annähert. Ich empfehle dieses Buch auch jedem, der Ängste vor seiner beruflichen Zukunft hat. J.R.'s Zukunftsängste und Zweifel in Bezug auf seine eigenen Fähigkeiten sind in einer Gesellschaft, die immer wieder Bewertungen durch Vergleiche herstellt, universell und regen dazu an, die eigenen Unsicherheiten zu reflektieren und relativieren. Tender Bar ist das lustigste und zugleich tiefgründigste Buch, das ich je gelesen habe. Es ist nochmal besser als die gelungene Verfilmung mit Ben Affleck in der Hauptrolle - der des Onkels Charlie. Man möchte sich auf jeder Seite Stellen markieren. Eine Liebeserklärung an eine Bar, an die Macht von Wörtern und Erzählungen, an die eigene Mutter, den Onkel und die Beharrlichkeit.

