22. Dez.
Rating:1

Verstörend.

"Helene bewunderte ihren Vater für seine Liebe. Wer ihre Mutter liebte, dem konnte kein Krieg etwas anhaben." (S. 44) Was ein grauenhaftes Buch. Sorry für die deutlichen Worte, aber ich musste mich wirklich da durch quälen. Der Schreibstil ist super anstrengend zu lesen: Ellenlange Sätze, an deren Ende man den Anfang wieder vergessen hat. Zudem viele veraltete Worte, die sicher auch 2009 bereits veraltet waren. Ich verstehe, dass es authentisch rüber kommen soll, da die Handlung im 20. Jahrhundert spielt, aber es ist wirklich einfach nur anstrengend zu lesen. Dazu kommen ellenlange Kapitel (teilweise weit über 20 Seiten), die einem den Willen das Buch zu lesen rauben. Inhaltlich fand ich das Buch auch nicht besonders gut. Klar, irgendwie wollte ich schon wissen, wieso der kleine Peter von seiner Mutter zurückgelassen wird (wenn man nach den ersten beiden Kapiteln nochmal den Klappentext liest wird man übrigens übel gespoilert), aber die Handlung bis dahin fand ich so langweilig irgendwie. Klar, es geb viele schlimme (und verstörende!) Schicksalsschläge, aber ich hatte dennoch das Gefühl es passiert einfach nichts. Man wird immer wieder in einzelne Abschnitte aus Helenes Leben hineingeworfen und muss dann ellenlange Beschreibungen ertragen und versuchen dazwischen das wirklich relevante herauszulesen. Schwierig am Schreibstil fand ich auch, dass die wörtliche Rede nicht durch entsprechende Satzzeichen gekennzeichnet ist, dadurch weiß man nie genau, was jetzt gesagt oder nur gedacht wurde. Zudem möchte ich hier eine Triggerwarnung aussprechen: Das Buch behandelt wirklich fast jedes Thema, für das es eine solche Warnung braucht, also falls ihr mit irgendwas sensibel seid lest es besser nicht. Insgesamt hatte ich absolut keinen Spaß am Lesen und auch das Ende hat mich nicht vom Hocker gehauen. Leider keine Empfehlung.

Die Mittagsfrau
Die Mittagsfrauby Julia FranckFISCHER Taschenbuch
5. Okt.
Rating:3

Durchwachsen

Hmmm...ein schwieriges Buch. Der Inhalt: grundsätzlich interessant, schwer, grausam, ohne Höhepunkt. Es plätschert dahin, aber auf eine Art, die gerade noch in Ordnung ist. Das Ende: hat mich etwas traurig gemacht. Man wünscht sich halt immer ein Happy End. Gab's aber nicht. Der Schreibstil: schwierig. Wirklich schwierig. Die Aussagesätze alle ohne Satzzeichen. Das macht die Erzählweise sehr nüchtern, beinahe emotionslos. Das Buch hat ja wichtige Preise abgeräumt und manchmal denk ich mir: Je umständlicher, abgehobener und spezieller ein Buch geschrieben wurde, desto mehr Chancen hat es auf Auszeichnungen und Preise. Als möchte man sich vom gemeinen Volk abheben, das durch die Schreibweise dem Inhalt nicht mehr folgen kann (oder will). Als möchte die Autorin nur für Intellektuelle schreiben, die anerkennend nicken und den außergewöhnlichen Schreibstil loben. Ich sag es deshalb ehrlich: mich nervt eine solche Art des Erzählens. In der Volksschule würde man Kinder, die so schreiben, ermahnen. Tut es eine Schriftstellerin, ist es plötzlich Kunst und Literatur. Ich wollte das Buch einfach nur abschließen, weil ich mir mit Abbrechen schwer tue und außerdem wissen wollte, wie es denn nun ausgeht. Es gibt schlimmere Bücher, aber auch sehr viele bessere.

Die Mittagsfrau
Die Mittagsfrauby Julia FranckFISCHER Taschenbuch
16. Juni
Rating:5

Tief berührend

Eine tief berührende Geschichte über die Wirkung von äusseren Umständen und was diese mit den Menschen machen können. Eine ausgezeichnete Beschreibung wie fragil die Seele ist und woran wie wir erneut Halt suchen, wenn wir die gewohnten Umstände verlieren.

Die Mittagsfrau
Die Mittagsfrauby Julia FranckFISCHER Taschenbuch
6. Dez.
Rating:5

Literarisch und inhaltlich für mich ein Meisterwerk

Indem verstörenden Anfang als Helene ihren Sohn am Bahnhof zurück ließ, kam zunächst die Geschichte ihrer Familie, die ich Anfangs sehr lang, aber sehr gut beschrieben empfunden habe. Im Nachhinein und auch schon während des 2. Teils musste ich feststellen, dass es diese gebraucht hat, um das Leben, besonders der Frauen und der jüdischen Familien in dieser Zeit in Deutschland verstehen zu können. Ab der Mitte hat mich das Buch sehr ergriffen und auch bedrückt und ich hoffe, dass es so eine Zeit des Kieges und Hasses bei uns nicht mehr gibt.

Die Mittagsfrau
Die Mittagsfrauby Julia FranckFISCHER Taschenbuch
11. Okt.
Rating:4

Verstörend und nachdrücklich

"Die Mittagsfrau" beschreibt das Leben einer Frau und einer Familie vom Beginn des 20. Jh bis in die 1950er Jahre. Dabei liegt der Fokus auf den Personen in der Familie, ihren Empfindungen und Beziehungen und nur am Rande wird das Zeitgeschehen berichtet, der Krieg, die Judenverfolgung, die diese Familie zu dem macht, was sie ist. Die Personen und die Erzählweise sind hart zu sich selbst und Anderen und schweigsam - das Wesentliche bleibt ungesagt zwischen den Zeilen. Mir hat der Roman gut gefallen. Er war sehr nachdrücklich aber auch verstörend.

Die Mittagsfrau
Die Mittagsfrauby Julia FranckFISCHER Taschenbuch
23. Feb.
Rating:4

1945, es ist Kriegsende. Der achtjährige Peter flüchtet mit seiner Mutter Helene in Richtung Westen. Wie so viele, versuchen sie in den Zügen Platz zu finden. Doch immer sind diese voll. Noch geht er jeden Tag in den Milchladen, in dem die Schule abgehalten wird. Jeden Tag sind es weniger Kinder. Doch heute kam auch der Lehrer nicht mehr. Peter läuft nach Hause und findet die Wohnungstür in dem halb zerbombten Haus notdürftig verschlossen. Drinnen hört er die Mutter und die Russen. Bald darauf bekommt Helene, die Mutter einen Tipp. Es gehen mehr Züge Richtung Westen und sie finden Platz in dem überfüllten Zug. Kurz vor Pasewalk hält der Zug und die Menschen strömen auf den Bahnhof. Helene setzt ihren Sohn auf eine Bank und zwingt ihn auf sie zu warten. Und dann verschwindet sie. Diese Geschichte ist erst das Vorspiel zu dem eigentlichen Roman über Helene und ihre Familie. Helene ein zartes und intelligentes Mädchen und doch ist sie zäh und beißt sich durch. Der Roman ist fast prosaisch geschrieben, der sich in den Gedanken des Lesers festsetzt. Kein Roman, den man zwischendurch einmal zur Hand nehmen kann. Die Geschichte Helene‘s beginnt in Bautzen. Ihre Schwester Martha ist ihr die wichtigste Person. Die „verrückte“ Mutter liebt ihre Mädchen nicht, schon gar nicht die Jüngste, Helene. Wären doch noch die Jungen am Leben, die die Mutter geboren hat. Doch die Mädchen halten aneinander fest. Der Vater, besessen von der Mutter, muss in den Krieg ziehen und kommt erst Jahre später zurück, um zu sterben. Schon die Absonderlichkeiten dieser Familie scheinen einen Grundstein für das Verhalten von Helene gelegt zu haben. Helene kommt 8 Jahre vor dem ersten Weltkrieg auf die Welt. Wächst in einem Haushalt auf, der viele Fragen aufwirft. Ist die Mutter gar eine Jüdin? Wenig erklärend, reihen sich die knappen, eindringlichen Sätzen aneinander. Doch hat man bald ein sehr genaues Bild von dem, was sich in dem Leben der Mädchen entspinnt. Lange schon liegt dieses Buch in meinem Regal. Es hat auf den richtigen Zeitpunkt gewartet. Interessant, dass Bücher manchmal ein Eigenleben haben. Es ist schwierig den Einstieg zu finden. Die Sätze und Wörter fallen über den Leser her und verwirren. Aber zwischen den Zeilen finden sich die Antworten. Das Buch aus der Hand zu legen, wäre ein Fehler, denn sonst könnte man etwas verpassen. Man sollte in der richtigen Stimmung sein, um diesen gewaltigen Roman zu genießen. Julia Franck trifft mit ihrer Sprache genau die Zeit der 1920 und 1930, weshalb es mir am Anfang wohl auch etwas schwer fiel, zu begreifen. Und doch genau das scheint es zu sein, weshalb sich dieser Roman in den Gedanken festsetzt. Zu Recht hat Julia Franck mit diesem Roman den Deutschen Buchpreis 2007 bekommen.

Die Mittagsfrau
Die Mittagsfrauby Julia FranckFISCHER Taschenbuch