Als wir träumten startet stark: roh, direkt und unglaublich authentisch. Clemens Meyer zeichnet ein schonungsloses Bild einer Jugend im Umbruch, geprägt von Perspektivlosigkeit, Gewalt, Alkohol und Drogen. Gerade diese Ungefiltertheit macht den Einstieg so eindrücklich und real. Mit der Zeit verliert die Geschichte für mich jedoch an Wirkung. Eine Episode reiht sich an die nächste, doch inhaltlich dreht sich vieles immer wieder um dieselben Themen und Muster. Dadurch entsteht zwar ein konsequentes, aber auch recht eintöniges Gesamtbild, das mich emotional nicht wirklich packen konnte. Unbestritten ist der Roman stilistisch stark in seiner Direktheit und schonungslosen Ehrlichkeit – nichts wird beschönigt, vieles wirkt bewusst hart und teilweise auch ziemlich derb. Dennoch bleibt am Ende das Gefühl, dass das Buch mehr Eindruck hinterlassen hätte, wenn es etwas mehr Variation oder Entwicklung geboten hätte.
Mir hat der Roman wirklich gut gefallen. Die Geschichten um Danie und seine Freunde schildern auf eindrückliche Weise eine Jugend in der ehemaligen DDR und die Schwierigkeit der dann jungen Erwachsenen, ihren Platz in einer Gesellschaft nach der Wende zu finden. Kein Gute-Laune-Roman, aber ein wirklich lesenswertes Buch über Freundschaft und Zusammenhalt. Klare Leseempfehlung👍
Episodenhaft, mit teils sehr langatmigen Geschichten, sehr einseitiges Bild der Zeit, anstrengende Dialoge.
„Ich kam einfach nicht weg aus meinem Viertel, nur ins Gericht oder in den Jugendarrest oder in den Knast […]“ Der Schreibstil von Meyer ist authentisch und ungefiltert. Beim lesen hatte ich das Gefühl, gemeinsam mit Danie und den anderen in Leipzig unterwegs zu sein. Ich konnte die Trauer, die Tragik und die Hoffnungslosigkeit die sie erlebten, als stille Zuschauerin beobachten. Und Sie träumen trotzdem von einem besseren Leben.
Geschichte über 4 Jungs in der Nachtwendezeit in Leipzig, ohne roten Faden.
Ein eher deprimierendes Buch über vier Jungs die immer mehr in der Kriminalität versinken. Das Buch springt zwischen den Kapiteln immer sehr in den Zeitebenen und hat keinen roten Faden. Es liest sich eher wie einzelne Kurzgeschichten.
Ein Buch über Jugendliche um die Wendezeit in Leipzig-Ost, ohne wirkliche Handlung sondern eher in Kapitel unterteile Kurzgeschichten um die immer gleichen Themen Alkohol, Drogen und Gewalt und dem Mangel an Perspektiven der Hauptfiguren. Das kommt zwar authentisch daher, die Geschichten wiederholen sich aber ohne zu überraschen genauso, wie die immer gleichen Dialoge, welche bereits nach 100 Seiten ermüdend wirken. Mag vielleicht unterhaltsam sein für alle, welche die Wendezeit in der DDR (insbesondere als Jugendliche) erlebt haben oder sich explizit dafür interessieren. Ich empfand das Buch je länger je eintöniger und langatmiger und beendete es mangels Abwechslung nach knapp 320 Seiten.

Kein Wohlfühlbuch und dennoch lesenswert!
Clemens Meyer nimmt die Lesenden mit in die 80er und 90er Jahre in Leipzig. Definitiv kein Ostalgie-Buch. Er schafft es, mit seinem Schreibstil eine bedrückende Atmosphäre zu schaffen, die der aus der Nachwendezeit ziemlich nahe kommt. Alkohol, Zigaretten, Drogen, Prügelei stehen bei den Jugendlichen nach der Wende an der Tagesordnung. Die Erwachsenen glänzen durch Abwesenheit oder sind selbst gescheiterte Existenzen, die mit den Folgen der Wende nicht zurecht kommen oder auch schon zu DDR-Zeiten Probleme hatten. Ich habe selbst die Jugend nach der Wende im Osten erlebt. Vieles habe ich wieder erkannt, manches vielleicht auch nicht mitbekommen. In jedem Fall war es eine bedrückende Zeit, die mit diesem Buch eine angemessene Schilderung erfährt.
3.5 Sterne aufgerundet :-) Die wunderbare Crew des Papierstau Podcasts beschäftigt sich seit einiger Zeit mit Nachwenderomanen, die von den "Baseballschlägerjahren" in den 90ern erzählen. Für mich war das bisher ein blinder Fleck, den ich nun mit dem letzten Buchclub-Buch "Als wir träumten" von Clemens Meyer ein bisschen erleuchten konnte. Darin geht es um Daniel, der noch als Jungpionier die Wende miterlebt und beschreibt, wie seine Heimat Leipzig-Ost in Chaos, Gewalt und Anarchie versinkt. Meyer springt dabei vignettenhaft in den Zeiten und zeichnet, untermauert von eigenen Erfahrungen, eine Jugend nach, die keinen Halt mehr findet - weder an System und Behörden, noch an den eigenen überforderten und desillusionierten Eltern. Meyers Erzählkunst ist nicht von der Hand zu weisen. Die Charaktere springen förmlich aus dem Buch und führen der Leserin ihre Erfahrungen vor Augen. Wir sind mit Daniel in den Kneipen unterwegs, mit Rico im Boxring, mit Fred im geklauten Auto und in Pitbulls Partykeller. Wir sind im Eastside, dem von den Freunden gegründeten Club in einer alten Fabrikhalle, wir sind im dunklen, verrammelten Kino und sprechen im Feuerzeugschein mit einem heroinsüchtigen Jugendlichen. Zig Szenen haben sich in mein Hirn gebrannt und brachten mir die Stimmung und die Gefühle dieser Jugend und die Dynamiken in der damaligen Gesellschaft unglaublich nahe. Dabei spielt der Autor insbesondere damit, dass das Erzählte aus der Erinnerung des Protagonisten stammt und er dabei das Geschehene nicht zuverlässig wiedergeben kann. Zwar erzählt Danie sehr akribisch, was in den einzelnen Situationen vorfiel, manche Gedächtnislücken gibt er aber direkt zu, manche Versionen werden sogar offensichtlich als falsch bezeichnet. Die Dialoge wirken eher kindlich ("Du, Danie...", "Mensch, Rico...", "Du bist so gemein...") und sind auffällig schimpfwortfrei. Was sich mir beim Lesen nicht erschloss, leuchtet mir durch die Buchclub-Diskussion ein - ein träumerisches (siehe Titel), verklärtes Bild aus der Erinnerung an die eigene Kindheit und Jugend könnte hier seinen Niederschlag finden. Obwohl ich all das erkenne, muss ich doch zugeben, dass es mir mitunter schwerfiel, zum Buch zu greifen. Für mich hatte diese Art des Erzählens einige Längen und führte dazu, dass ich den Spaß am Lesen verlor und das Interesse an der weiteren Handlung abhandenkam. Letzten Endes bin ich jedoch froh, dass ich es beendet habe und der Austausch mit unserer tollen Buchclub-Runde war für mich total bereichernd, um noch eine andere, bessere Perspektive auf das Gelesene zu bekommen. Dabei bin ich mir sicher, dass Leute mit etwas mehr Bezug zu Leipzig oder überhaupt der DDR und dieser Zeit in den 90er Jahren, noch mehr aus der Geschichte ziehen können, weil sie Dinge erkennen und zuordnen können. Ich sehe es als interessantes Zeitzeugnis und hebe meinen Hut vor dieser Meisterleistung, eine solche Epoche in Worte zu fassen und den Menschen von damals eine Stimme zu geben.
11. Buch im Jahr 2023 Das war leider gar kein Buch für mich. Ich bin einerseits überhaupt nicht mit den Zeitsprüngen klar gekommen, andererseits habe ich die Charaktere auch viel zu oft verwechselt und was am schlimmsten für mich war: Ich hatte das Gefühl überhaupt keine Story zu bekommen, sondern nur eine Aneinanderreihung von Gewalt-Momenten und generell viel Kriminalität. Das Buch ist auf jeden Fall auch ziemlich düster und nicht immer leicht zu verdauen. Wobei es mich eben nicht so berührt hat wie es hätte sein sollen und mich leider wirklich oft gelangweilt hat. Von mir gibt es daher nur 2⭐








