Krasznahorkai ist bekannt für seine komplexen, nahezu hypnotischen Satzstrukturen, und dieses Werk bildet hierbei keine Ausnahme. Es schildert die Reise eines Mönchs, der einer rätselhaften Spur folgt, wobei die Handlung weniger eine lineare Entwicklung als vielmehr einen Zustand darstellt: ein Schweben zwischen materieller Welt und geistiger Dimension, zwischen Wahrnehmung und Vision. Der Text entfaltet sich in langen, ununterbrochenen Satzgefügen, die den Leser in eine meditative Immersion versetzen. Die Lektüre Krasznahorkais erfordert volle Aufmerksamkeit; sie lädt dazu ein, sich einem Rhythmus hinzugeben, der eher musikalischen oder spirituellen Charakter hat als konventioneller Prosa. Krasznahorkais Stil ist charakteristisch: Er verwendet kaum Absätze, Sätze erstrecken sich über mehrere Seiten, und ein Bewusstseinsstrom dominiert, der die üblichen Konventionen der Leserfreundlichkeit transzendiert. Gerade diese formale Gestaltung verleiht dem Text seine eindringliche Wirkung. Man liest nicht distanziert über die Reise des Mönchs, sondern wird aktiv in sie hineingezogen. Die Sprache erzwingt eine Entschleunigung, eine Hingabe und mitunter auch Geduld. „Im Norden ein Berg…“ ist kein Roman, dessen primärer Reiz im Ausgang der Handlung liegt. Es ist vielmehr ein literarischer Erfahrungsraum, ein kontemplativer Fluss, der den Leser entweder mitnimmt oder, bei mangelnder Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit seinen Eigenheiten, abweist.
So speziell wie einnehmend
Ich kannte Krasznahorkai überhaupt nicht bevor er den Nobelpreis erhielt. Etwas abgeschreckt von den Aussagen vieler, dass er seitenlange, kapitellange, ja gar buchlange Sätze schreibe, suchte ich nach einem Buch, das nicht ganz so aufwändig schien. Dieser Text besteht auch aus sehr langen Sätzen, die oft kapitellang sind, aber die Kapitel sind meist nur ein paar Seiten lang. Wider erwarten hat mich das kaum gestört. Auch wenn die Gefahr besteht, dass die Leserschaft ob der langen Sätze nicht ganz mitkommt, so entsteht ein gewisser Sog, der einen vorankommen lässt. Dank der sehr gewandten Sprache liest sich das Buch sehr leicht. Sehr literarisch beschreibt der Autor anhand eines Klosters in der Nähe von Kyoto die Flora und Fauna, die Klosteranlage, den Menschen und die Natur und ihre Gegensätze. Auch wenn ich nicht alles verstanden habe, so war es dennoch ein schöner Sonntag mit einem Buch, das eine spezielle Stimmung hervorruft. Empfehlung für alle, die mal eine etwas andere Leseerfahrung machen wollen.
Ein Buch wie eine Meditation. Natur, Mensch, Realität und Phantasie werden zu einem Text, der wie ein langsamer Fluss dahinfließt. Krasznahorkai führt mit seiner Sprache, bei der ein Satz über mehrere Seiten gehen kann, den Inhalt des Textes fort, ohne sich jedoch zu verzetteln. Man kommt in einen Lesefluss, der einen in den Text zieht.
Wild.
Ich werde gar nicht erst versuchen, den Namen des Autors selbst in meine Rezension zu schreiben - auf jeden Fall hat er eine hervorragende Arbeit geleistet, mit seinem Text wirklich ausgesprochen lebhafte Bilder aus der Natur zu zeichnen, die es mir als Leser ermöglicht haben, mich gedanklich in ein buddhistisches Kloster außerhalb Kyotos zu begeben, zusammen mit dem Engel des Prinzen Genji, der Text nahezu meditativ, nachdenklich, trotzdem irgendwie spannend, man folgt dem Enkel des Prinzen Genji auf deinem Weg nach dem neunundneunzigsten der schönsten hundert Gärten und fiebert mit, ob er den Weg dorthin findet, die Suche ist geprägt von Blicken in die Natur, das Leben und die Unendlichkeit, das Ganze aber unter Verwendung von sehr langen Sätzen, die nur seltenst mit einem Punkt enden, was das Lesen schwer macht, aber auch zur Langsamkeit im Lesen zwingt und somit die Erfahrung beeinflusst; das kann man gut finden oder auch nicht, ich empfinde es als eine sehr interessante Abwechslung. Falls euch das bisschen Text oben bereits genervt hat, ist das Buch in jedem Fall nichts für euch und nicht weiterzuempfehlen 😬 Ansonsten finde ich wirklich, man sollte sich sich durchaus dazu durchringen „Im Norden ein Berg, …“ eine Chance zu geben, auch wenn es wirklich kompliziert geschrieben ist.



