Preachy but interesting
In Eiserne Zeit erzählt J. M. Coetzee von Elizabeth Curren, einer todkranken Professorin im Südafrika der späten Apartheid. Während sie sich mit dem Verfall ihres eigenen Körpers auseinandersetzt, wird sie über den Sohn ihrer schwarzen Haushaltshilfe in die politische Gewalt und moralische Brutalität des Landes hineingezogen. Persönliches Sterben und gesellschaftlicher Zerfall spiegeln sich dabei unauflöslich ineinander. Handlung gibt es wenig, diese Momente sind jedoch intensiv und präzise. Besonders eindrücklich ist die Beziehung zwischen der klassischen Professorin und dem obdachlosen Mann: eine denkbar ungleiche Paarung, die zur Parabel über Liebe als Verpflichtung wird, nicht als Trost. Der Text ist sprachlich stark, aber sehr metaphorisch und stellenweise etwas zu preachy; die Logik von Mrs. Currens Monologen wirkt nicht immer realistisch. Kein Roman für alle – aber ein unbequemer, nachhaltiger Text über Verfall, Gewalt und die fragile Hoffnung auf menschliche Wärme
