22. Nov.
Rating:4

Ein sachliches, eindringliches und emotional schweres Buch, das versucht, das Unerklärliche annähernd zu verstehen. Sue Klebold zeigt die unauflösbaren Widersprüche einer Mutter, die ihren Sohn liebte und gleichzeitig mit der Realität seiner Taten leben muss.

Für mich war der Amoklauf von Columbine 1999 (damals noch als Kind) ein prägendes, verstörendes Ereignis. Die Medienberichte, die Videos (Standbilder und Videoausschnitte), die detaillierte Dokumentation durch veröffentliche Videoaufnahmen: All das hat sich schon früh eingebrannt. Das Buch nun aus der Perspektive der Mutter eines der Täter zu lesen, öffnet eine völlig neue, schwierige, aber hoch relevante Ebene. Sue Klebold schreibt ernst, reflektiert und sehr mitfühlend. Sie versucht nicht, die Morde zu entschuldigen. Sie sucht nach Erklärungen, nach Mustern, nach Verbindungen zwischen Depression, Suizidgedanken, erweitertem Suizid, Mobbing, laschen Waffengesetzen und gesellschaftlichen Faktoren, die in den USA intensiv erforscht wurden. Die Stellen, in denen sie die Brutalität der letzten Handlungen des Täters bzw. der Täter anerkennt, treffen hart, weil sie die Liebe zu ihrem Kind nicht ausblendet, sondern in den Konflikt mit der Realität stellt. Ebenso erschütternd sind die Passagen, in denen sie die Videos ihres Sohnes sieht und zum ersten Mal diesen völlig anderen, verborgenen Teil seines Wesens erkennt. Auch der gesellschaftliche Kontext ist stark vertreten: die Anfeindungen gegenüber der Klebold-Familie, die teilweise brutalen Reaktionen der Opferangehörigen und die Unmöglichkeit, jemals eine „genügende“ Erklärung anzubieten. Sue Klebold bewegt sich ständig zwischen dem Wunsch, die Angehörigen nicht zu belasten, und dem tiefen Bedürfnis, ihnen nahe zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Dieser Zwiespalt ist eines der zentralen emotionalen Spannungsfelder des Buches. Das Buch ist sehr sachlich gehalten. Literarisch ist es kein Hochglanzwerk, aber das wäre hier auch nicht angemessen: Es ist eine autobiografische, offene, schmerzhafte und gleichzeitig analytische Auseinandersetzung einer Mutter, die aus ihrem persönlichen Abgrund heraus versucht, etwas zu bewirken und andere vor ähnlichen Situationen zu bewahren.

Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers
Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufersby Sue KleboldFISCHER Taschenbuch
17. Nov.
Rating:5

Ein Muss!

Dieses Buch hat mich wirklich tief berührt. Ich habe schon Jahre davor mich mit der Columbine Thematik befasst, aber erst vor ein paar Jahren das Buch gelesen. Und was soll ich sagen: ich habe so mitgefühlt, mitgefiebert und getrauert. Man kann sich nicht vorstellen, wie viel Hass diese Eltern abbekommen mussten, obwohl auch sie ihr Kind verloren haben und mit dem Gewissen leben müssen, dass ihr eigenes Kind auch andere Kinder mit in den Tod gerissen hat. Unfassbares Buch. Alles Liebe an alle Eltern, die bei dieser Tragödie ihr Kind verloren haben.

Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers
Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufersby Sue KleboldFISCHER Taschenbuch
29. Okt.
Rating:5

Wirklich beeindruckend

Wow, das hat mich wirklich beeindruckt. Wie man unschwer erkennen kann, zieht sich das Thema School-Shooting durch meine Bücher wie ein roter Faden. Hier geht es allerdings dieses Mal um ein wahres Ereignis. Und zwar um das School-Shooting das Ende der 90er die ganze Welt erschüttert hat und weite Kreise gezogen hat. Es war danach eine Blaupause für viele weitere Attentate sogar hier in Deutschland. Und eine Frau wurde jahrelang dafür verantwortlich gemacht, bis sie sich entschieden hat ihre Geschichte zu erzählen. Und die hat es in sich. Sie reflektiert die Kindheit eines der Täter, die Tat und die nachfolgende Zeit so geklärt und sachlich ohne jegliches Selbstmitleid oder Schuldzuweisungen. Ich hatte zuvor schon zwei Biografien aus diesem Spektrum gelesen und die sind ganz schnell in ein religiöses Muster mit sehr einseitigen Schuldzuweisungen abgedriftet. Daher war das Buch von Sue Klebold wirklich sehr aufschlussreich. Wenn man sich für dieses Thema interessiert, ist das hier eine klare Leseempfehlung. Es enthält allerdings keine Triggerwarnungen. Aber vielleicht kann man sich vorstellen, dass es u. a. um Depressionen, Suizid u.ä geht.

Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers
Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufersby Sue KleboldFISCHER Taschenbuch
18. Aug.
Rating:4.5

Das Leben von Sue Klebold, Mutter eines Amokläufers

Aufmerksam auf den Fall wurde ich schon vor vielen Jahren durch Michael Moores Dokumentation Bowling for Columbine, die wir damals in der Schule anschauen mussten. Seitdem beschäftigt mich diese Tat, da es eine Art Grundstein für viele weitere Amokläufe an amerikanischen Schulen gelegt hat. Auch ich habe mich gefragt, ob es nicht Anzeichen für diese Tat gab und was die Eltern möglicherweise übersehen haben. Beim Lesen wurde mir jedoch schnell klar, dass die Wirklichkeit weitaus komplexer ist. Sue schildert nicht nur den Tag der Tat und die unmittelbaren Folgen, sondern auch, wie sie als Mutter mit Schuld, Trauer und öffentlicher Verurteilung umging. Man erfährt in diesem Buch viel neues , dass das Internet oder die klassischen Medien nie gezeigt haben. Neben vielen Details zum Leben ihres Sohnes berichtet sie auch von ihren eigenen Gefühlen und Gedanken und macht deutlich, was es heißt, mit einer Tat dieser Tragweite leben zu müssen. Ein Schwerpunkt des Buches liegt auf dem Thema Suizid. Es wird beschrieben, wie verdeckt suizidale Gedanken und Depressionen sein können und wie schwer sie selbst für nahe Angehörige zu erkennen sind. Gleichzeitig reflektiert sie offen, was sie bei ihrem Sohn übersehen hat und was sie im Nachhinein anders gemacht hätte. Trotzdem vermittelt sie klar, dass Eltern nicht automatisch „schuld“ an einer solchen Tat sind. Kinder zeigen oft nur das, was sie zeigen wollen, und manches bleibt selbst den engsten Bezugspersonen verborgen. Kritisch sehe ich, dass sie immer wieder die Rolle von Eric Harris, dem zweiten Täter, stark hervorhebt. Zwar macht sie deutlich, dass ihr Sohn Verantwortung trägt und sie die Tat nicht relativiert, dennoch legt sie nahe, dass er ohne Eric die Tat vielleicht nicht begangen hätte. Eric wird dabei oft als der dominante Aggressor dargestellt. Das bleibt natürlich eine Mutmaßung und dürfte für die Familie des zweiten Täters schwer zu lesen sein. Dennoch ist das Thema relevanter denn je, denn die USA haben mit ihren Waffengesetzen einen großen Teil zu solchen Tragödien beigetragen. Das Buch zeigt, dass ein Schulmassaker nicht allein auf das Handeln eines Einzelnen reduziert werden kann, sondern das Ergebnis vieler verschiedener Faktoren ist.

Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers
Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufersby Sue KleboldFISCHER Taschenbuch
30. März
Rating:4

Ich kann mich nicht erinnern, wo ich war, als ich von dieser Tragödie an der Columbine Highschool erfahren habe. Allerdings kann ich mich an die Bilder erinnern, die über unseren Bildschirm flimmerten und das beklemmende Gefühl. Ich kann und will mir nicht vorstellen, was Familie Klebold nach dieser Tat alles durchmachen und ertragen musste. Damit will ich das Leid der Opfer nicht schmälern!! Die Zerrissenheit zwischen völligem Entsetzen über die Tat, unerträglichen Schuldgefühlen gegenüber der Opfer und der Liebe zu ihrem Sohn. Man kann Menschen nur bis vor die Stirn schauen und sieht nicht was dahinter vorgeht. Für mich war es interessant diese Perspektive zu sehen. Wobei man schon merkt, dass sie versucht ihren Sohn irgendwie in ein besseres Licht zu rücken, ohne seine Taten zu verharmlosen oder gar zu entschuldigen. Kann man ihr das verübeln? Ich hoffe Sue Klebold findet ihren Frieden. Vielen Dank an Nanuwasgeht, bei der ich dieses Buch entdeckt habe.

Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers
Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufersby Sue KleboldFISCHER Taschenbuch
3. Nov.
Rating:5

Eine Tragödie aus einer anderen Perspektive

Dieses Buch hat mich fasziniert und gleichzeitig unfassbar traurig gemacht. Zurecht betrauern wir die Opfer von solchen Attentaten, aber was ist mit den Familien der Täter? Sollte man diese immer anders behandeln? Die Geschichte von Dylans Mutter ist ehrlich und tragisch zugleich. Diese Frau verdient meinen höchsten Respekt. Tolles Buch

Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers
Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufersby Sue KleboldFISCHER Taschenbuch
30. Aug.
Rating:5

Einfach mal die Perspektive wechseln

Ich habe unzählige Dokumentationen zu der Columbine Tragödie in meinem Leben gesehen; gehört; gelesen. Aber die Perspektive darauf war mehr als überfällig. Wie oft hat man die Eltern von AttentäterInnen als Teil des Problems angesehen? Ganz selbstverständlich habe ich bisher die Eltern als Teil des Problems gesehen und sie damit zu MittäterInnen gemacht. In vielen Fällen ist das auch ganz bestimmt der Fall, aber nicht zwangsläufig, was S. Klebold sehr klar deutlich macht. Das Buch liefert wirklich spannende und erschütternde Einblicke in das Leben von Hinterbliebenen eines Täters. Allerdings muss ich sagen, dass trotz der ganzen Weitsicht, die S. Klebold in ihrer Sicht vermittelt, schnell klar wird, dass ihr Sohn mehr Opfer als Eric ist. Eric ist in ihrer Ansicht derjenige, der Dylans missliche Lage ausgenutzt hat für seine Zwecke. Eric wird somit als gewissenloses Monster dargestellt, welcher einfach nur beabsichtigte so viele Menschen, wie möglich zu töten. Wenn es ihr aber doch ein Anliegen ist auf psychische Erkrankungen hinzuweisen, sollte sie berücksichtigen, dass es eben auch noch andere Erkrankungen gibt, die eine Tat hervorbringen kann. Dies trifft sowohl auf Eric, wie auch auf Dylan zu. Wobei es natürlich nachvollziehbar ist, dass Sue ihren eigenen Sohn ins „rechtere Licht rücken“ möchte. Ob letztendlich eine psychische Erkrankung „Schuld“ an der Tragödie war oder nicht, wird man abschließend wohl nicht mehr erfahren, aber ja es ist natürlich eine Möglichkeit, für die Awareness geschaffen werden MUSS. Trotz des Beigeschmacks empfand ich das Buch als große Bereicherung.

Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers
Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufersby Sue KleboldFISCHER Taschenbuch
22. Sept.
Rating:4

Ich finde es bewunderswert und mutig von Sue Klebold, dass sie uns einen anderen Einblick in das Leben ihres Sohnes und Amokläufers Dylan gibt. Man merkt, dass sie sich ausgiebig mit möglichen Hintergründen eines solchen Massakers auseinander gesetzt hat und selbst nach fast 20 Jahren die Frage nach dem "Warum" nicht beantworten kann. Ich fand es erschütternd zu lesen, mit was sie nach dem Amoklauf zu kämpfen hatte. Sie musste nicht nur den Verlust ihres Sohnes verarbeiten, sondern hat auch wöchentlich hunderte Hassbriefe gekriegt und wurde für die Tat ihres Sohnes verantwortlich gemacht. Und typisch Amerika: Es gab tatsächlich Leute, die die Familie verklagt hat. Ich habe Sue Klebold sehr offen und ehrlich im Buch erlebt. Sie versucht die Tat ihres Sohnes nicht schön zu reden. Und trotzdem merkt man, wie sie immer wieder ins Rechtfertigen gerät. Auch das tat mir leid zu lesen, denn dabei handelt es sich wahrscheinlich um die Folge von jahrelangen Vorwürfen aus aller Welt. Insgesamt war das Buch sehr interessant, es hätte aber ruhig etwas kürzer ausfallen können. Gegen Ende wirkt es ein wenig zu sehr in die Länge gezogen und irgendwann erfährt man kaum mehr Neues. 4 Sterne gibt es deshalb von mir.

Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufers
Liebe ist nicht genug - Ich bin die Mutter eines Amokläufersby Sue KleboldFISCHER Taschenbuch