Guter Thriller mit solider Handlung
Anders als bei vielen anderen Thriller-Reihen würde ich bei dieser dazu raten, auch wirklich die Reihenfolge einzuhalten, denn der zweite Teil führt die Ereignisse aus dem ersten Teil fort. Startet man mit dem zweiten Teil, würde man viele Spoiler zum ersten Band erhalten, was sich auch auf das Leseerlebnis auswirken würde. Außerdem weiß ich nicht, ob alles wirklich so schlüssig ist, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt. Erzählt wird wieder im Wechsel aus Emilias und Avrams Sicht, was für Abwechslung sorgt. Außerdem erhalten wir auch Einblicke aus Sicht des Täters, die im Vergleich zu den anderen Kapiteln allerdings sehr kurz sind. Die Sprache in dem Buch ist gut verständlich und sorgt für einen leichten Lesefluss. Beschreibungen sind anschaulich, insbesondere, wenn es um Gewalt geht. Wer also nicht so auf brutale und grausame Bücher steht, sollte dieses Buch vielleicht lieber nicht lesen, weil viele Szenen sehr explizit und bildlich beschrieben werden und dementsprechend nichts für schwache Nerven sind. Dennoch ist das Buch eher ein Thriller im klassischen Sinne, also nicht zu verwechseln mit einem Psychothriller. Zwischendurch gab es leider ein paar Längen, weil einige Szenen in den Gedanken der Figuren noch mal wiederholt wurden, was den Lesefluss etwas gestört hat. Allzu dramatisch ist das zwar nicht, und ich hatte auch zu keinem Zeitpunkt das Bedürfnis, das Buch aus Langeweile zur Seite zu legen, aber erwähnen will ich es trotzdem. Emilia und Avram sind sehr gegensätzliche Charaktere, was die dann doch mal auftauchenden Gemeinsamkeiten beziehungsweise die unterschiedlichen Herangehensweisen sehr interessant gemacht hat. Was die Sympathie angeht, muss ich allerdings sagen, dass ich kein wirklicher Fan von Emilia bin. Sie ist sehr festgefahren, achtet wenig auf ihre Mitmenschen, und auch wie sie über ihre Tochter und deren Freund denkt, hat mich zwischendurch fast zur Weißglut gebracht. Da war mir Avram, obwohl er Profikiller ist, sehr viel sympathischer. Etwas schade war, dass die beiden nicht wie im ersten Teil mehr miteinander zu tun hatten. Erst am Ende haben sich die beiden Handlungsstränge dann getroffen. Im Grunde waren es zwei Geschichten in einem Buch, die bis zum Ende wenig miteinander zu tun hatten. Das Ende selbst hat mich persönlich jetzt nicht ganz vom Hocker gehauen, es war aber auch nicht schlecht. Vielleicht bin ich zu sehr verwöhnt, weil ich gerne Bücher von Sebastian Fitzek lese, der ja bekannt ist für seine mind-blowing Plottwists.





