8. Jan.
Rating:4

Wo fängt Links an, wo hört rechts auf?

Frau Wagenknecht stellt in diesem Buch ihre Weltanschauung, insbesondere ihre Sicht auf die aktuelle politische Linke, dar. Auch wenn man ihre Perspektive und Ansichten nicht oder nur teilweise teilt, ist es doch sehr aufschlussreich, da sie viele Entwicklungen in ihrer (damaligen) Partei und der Gesellschaft mit klugen Argumenten aufarbeitet. Insbesondere nachvollziehbar dargelegt fand ich alles zur Entwicklung der politischen Linken hin zu den "Lifestyle-Linken". Schwächen ergeben sich aus der einseitigen Darstellung. So werden Informationen, die andere Ansichten unterstützen würden, weggelassen, um das Narrativ zu stützen. Ich kann es also allgemein sehr empfehlen, aber nicht für unkritisch Leser.

Die Selbstgerechten
Die Selbstgerechtenby Sahra WagenknechtCampus
15. Jan.
Rating:3

„Die Selbstgerechten“, nach dem Vorwort dachte ich mir Frau Wagenknecht könnte so auch ihre Autobiographie nennen, denn wie sie dort gegen den Linksliberalismus hetzt, wirkt sehr verbittert unreflektiert und eindimensional. Dies hat mich erstaunt. Sobald es aber um Fakten und sachliche Analyse geht, glänzt sie wieder mit klaren Worten und Strukturen und liefert gute und durchdachte Gründe für ihre Aussagen, die ihr ja beim Thema Migration zB manchmal auch als ausländerfeindlich / rechts angekreidet werden. Nach diesem Buch kann ich ihre Aussagen nachvollziehen, was mir aber leider fehlt ist das „wie“. Denn der Untertitel ist schließlich „Mein Gegenprogramm...“ und ein Programm hat sie zwar, aber keine Vorschläge wie man diese umsetzen könnte. Es ist leicht zu sagen man müsste dies und jenes, das regt auch durchaus zum denken und diskutieren an, aber helfen tut es nicht. Sahra Wagenknecht nimmt sich die aktuellen Themen der Politik an und analysiert woher die Abwanderung der linken Wählerstimmen kommt, woher der Unmut der Bevölkerung kommt und wozu er führt, in Deutschland und Europa. Ich stimme nicht mit allen ihrer Aussagen überein und bei manchen finde ich ihre Vorwürfe auch etwas (wie schon das Vorwort) eindimensional. Denn ich kann zwar verstehen, dass Menschen auf eine gewisse Art handeln, weil die Rechte von Minderheiten mehr in den Fokus gestellt werden, als die Probleme der Mehrheit, aber das rechtfertigt halt nicht diesen Minderheiten die Schuld zu geben oder sie weiter zu ignorieren. Man muss beides können: die Probleme der Mehrheit angehen und die Gleichstellung und Förderung der Minderheiten voranbringen. Ein Beispiel: Sahra Wagenknecht kritisiert den aktuellen Fokus auf Gendern, weil die fehlende Gleichberechtigung von Frauen im Niedriglohnsektor immer noch ein großes Problem ist und ihrer Meinung nach die paar Leute denen Gendern wichtig ist, da hinten anstehen sollten. Warum? Richtig wäre es doch alle abzuholen und beide Themen anzugehen. Klar muss man schauen wie viel Aufmerksamkeit welches Thema bekommt, aber dass Medien sich auf Dinge stürzen die polarisieren ist ja nun auch nichts neues. Ich könnte noch weitere Beispiele bringen, sowohl welche, die mich haben umdenken lassen, als auch welche, mit denen ich nicht übereinstimme. Aber egal, ob man mit der Autorin übereinstimmt oder nicht, was sie gut macht, ist dass sie neue Perspektiven gibt und zum denken anregt. Ich habe nach der Lektüre bestimmt eine Stunde mit meinem Freund über das Buch und die Themen darin diskutiert und das ist doch wichtig: dass wir über diese Themen sprechen und verschiedene Perspektiven verstehen lernen und somit unsere Sicht auf Dinge erweitern.

Die Selbstgerechten
Die Selbstgerechtenby Sahra WagenknechtCampus
20. Dez.
Rating:5

Geballte Kompetenz und Fachwissen leicht verständlich erklärt

Es ist der Wahnsinn wieviel Fachwissen diese Frau hat. Historische Entwicklungen und politische und volkswirtschaftliche Zusammenhänge werden hier verständlich erklärt, sodass man ein gutes Gesamtverständnis bekommt. Auch werden Lösungsanmöglichkeiten für aktuelle Misslagen aufgezeigt.

Die Selbstgerechten
Die Selbstgerechtenby Sahra WagenknechtCampus
1. Dez.
Rating:5

Lesenswert, erkenntnisreich und zum eigenen Nachdenken anregend.

Ich kannte ihre Denkweise aus anderen Büchern von ihr. Habe mich aufgrund der Medienberichterstattung "von ihr entfernt". Hier erläutert sie vieles, was Raum zu Spekulationen ließ. Ihre Vision eines guten Staates ist weder rein links noch rechts (im ursprünglichen Wortsinn). Sie entwirft einen Staat, in dem man gut leben und diesen auch mitgestalten kann. Macht Vorschläge für eine Wirtschaft, die den Menschen achtet und nicht nur profitmaximierend ist. Auch wenn sie die "Grünen" als Partei beschimpft, bringt sie fundierte Vorschläge für nachhaltigen Umweltschutz.

Die Selbstgerechten
Die Selbstgerechtenby Sahra WagenknechtCampus
31. Aug.
Rating:5

Ein Buch, dass die politischen Sichtweisen auf den Kopf stellt und zum diskutieren motiviert

Schon lange wollte ich das Buch lesen, dass eine gesamte Partei entzweit und einen Streit entfacht, dass die Partei sich nur noch darum streitet. Im Buch definiert die Autorin den Begriff "linksliberal", die sie auch "Lifestyle-linke" nennt. Sie zeigt auf, wieso solche Ansichten ihrer Meinung nach weder links noch liberal sind und Wähler eher abschreckt. Unter anderem greift sie Themen auf wie Migration, Klimaschutz und Gendersprache. Das Hauptthema des Buches ist jedoch: welches Thema ist tatsächlich links? Dabei geht es um Chancengleichheit unabhängig von Alter, herkommen, Geschlecht, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität. Die Politik dreht sich eher um Themen für die akademische und gesellschaftliche Oberschicht. Themen, Probleme und Ängste der unteren und mittleren Schicht bleiben dabei aus. Zu allen Punkten zeigt sie ihre Meinung und belegt diese mit Studien oder geschichtlichen Beispielen. Außerdem unterbreitet sie eine mögliche linksorientierte Politik, die auf aktuelle Problemen Lösungen bieten soll. Ihre Ansichten sind gewagt, dennoch haben sie auch Gewicht. Ich selbst bin oft beim lesen an einigen Stellen stehen geblieben und war mir nicht sicher, ob ich das nachvollziehen kann. Doch wahrscheinlich war das genau ihre Intention. Sie selbst schreibt, dass die heutige Gesellschaft vergessen hat, wie man diskutiert. Jeder hat eine eigene Meinung und lässt keine andere Meinung zu. Sie gibt die Schuld den "Lifestyle-linken", wobei ich eher denke, dass es das Zeitalter von social Media ist, was keine andere Meinung zulässt. Durch social Media haben wir die Möglichkeit uns mit Personengruppen zusammenzusetzen, die unserer Meinung sind. Andersdenkende sind da nicht Teil davon. Alleine deshalb wird die Notwendigkeit von Diskusionen vernachlässigt. Doch ist die Autorin nun komplett gegen Migration, Klimaschutz, Gendersprache? Komplett dagegen würde ich nicht sagen. Sie erwähnt mehrmals (leider nicht oft genug), dass die Themen auch wichtig sind und man sich darum kümmern muss. Ihr ist es ein Dorn im Auge, dass die Lifestyle-linken die Priorität falsch setzen. Die linken Parteien wurden gegründet um Arbeiter zu schützen und für sie Lebensbedingungen zu schaffen in denen sie leben können. Alle anderen Themen sind ihrer Meinung nach für linke Parteien zweiträngig, jedoch nicht unbedeutend. Die linksliberalen hingegen setzen laut der Autorin ihr Augenmerk eher auf eben diese zweiträngigen Themen, welche sie wie Dogmen verteidigen und jegliche Kritik als rechts einstufen. Für ihre Einsichten gehen sie so weit, dass sie bereit dafür wären, diese auf Kosten der unter- oder Mittelschicht durchzusetzen. Und ist dieses Buch tatsächlich ein Angriff auf die Partei "die Linke"? Auch das würde ich nicht sagen. Es ist eher eine Abrechnung an alle, die sich selbst als "links" bezeichnen, sich jedoch nicht für die rechte der kleinen einsetzen. Das können Parteien wie die linke oder die SPD sein aber auch Parteien aus anderen Ländern und einzelne nicht politische Personen. Wie auch immer, ist dieses Buch lesenswert. Es ist gut und flüssig geschrieben. Die Themen laden zum nachdenken ein. Das würde ich auch jedem empfehlen: sich selbst ein Bild davon zu machen. Ich persönlich kann nicht sagen, ob die genannten Thesen stimmen oder nicht. Das muss am Ende der Leser selbst für sich entscheiden.

Die Selbstgerechten
Die Selbstgerechtenby Sahra WagenknechtCampus