
Ein Kampf um Freiheit und Familie, der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen lässt
Ich bin komplett ohne spezielle Vorstellungen in „An Amber in the Ashes“ eingestiegen und wurde von der ersten Seite an nicht nur positiv überrascht, sondern regelrecht mitgerissen. Sabaa Tahir hat mich mit diesem Werk tief beeindruckt und eine Geschichte erschaffen, die von Anfang bis Ende durchweg fesselt. Wo ich anfangs noch mit der Erwartung einer leichten Romantasy gestartet bin, wurde ich schnell von einer düsteren, grausamen und absolut unvorhersehbaren Welt verschlungen. Es ist ein fantastisches Buch das mich vor allem auf den letzten zweihundert Seiten so fest im Griff hatte, dass ich es schlichtweg nicht mehr aus der Hand legen konnte. Das Setting ist unheimlich individuell und hebt sich sehr ab. Obwohl ich die typischen Tropes rund um erbarmungslose Akademien und tödliche Prüfungen eigentlich kaum noch sehen kann, verbindet die Autorin diese beiden Elemente auf eine völlig neue Art und Weise. Da der Protagonist Elias direkt zu Beginn seinen Abschluss macht, rückt das klassische Academy-Setting schnell in den Hintergrund, und die Deadly-Trials fühlen sich zu keinem Zeitpunkt klischeehaft oder langatmig an. Auch das Magie-System lässt zwar zunächst ein wenig auf sich warten, generiert aber eine faszinierende, geheimnisvolle Basis für die kommenden drei Bücher, die unheimlich viel Potenzial verspricht. Getragen wird der Plot von zwei absolut vielschichtigen und authentischen Hauptcharakteren, deren Perspektiven sich abwechseln. Da ist zum einen Laia, die ihre Familie verloren hat und alles dafür tun würde, um ihren letzten lebenden Verwandten aus der Gefangenschaft zu befreien. Ihre Entwicklung von einer schüchternen, sich selbst als feige einschätzenden Persönlichkeit hin zu einer echten Überlebenskünstlerin und Kämpferin für ihre eigenen Werte ist tief beeindruckend. Auf der anderen Seite steht Elias, der eine ganz ähnliche, innere Wandlung durchmacht und erkennt, dass sein Leben nicht lebenswert ist, wenn er die Grausamkeiten des Imperiums weiterhin über seine eigenen Moralvorstellungen stellt. Während die Nebencharaktere um Laia herum mir schnell ans Herz gewachsen sind, rücken Elias' Wegbegleiter leider etwas zu schnell in den Hintergrund, was hoffentlich in den Folgebänden durch spannende Einschübe noch ausgeglichen wird. Als einziges echtes Manko lässt sich die deutsche Übersetzung anführen. Das konsequente Weglassen von Artikeln und einige holprige Formulierungen stören den Lesefluss teilweise. Und wer die Bücherbüchsen-Ausgabe hat, vermisst sicherlich wie ich die Map. Letztendlich war dieses Buch für mich aber ein absolutes Jahreshighlight, das trotz der sprachlichen Schwächen der Übersetzung die vollen fünf Sterne verdient. Die Geschichte ist eine uneingeschränkte Empfehlung für alle, die nach einer komplexen, düsteren und emotional packenden High-Fantasy-Story suchen. Ich verlasse diesen Auftakt mit extremer Vorfreude und werde definitiv ohne Pause direkt mit dem zweiten Teil weitermachen.


























































