
Originell und ein bisschen verrückt. Das Buch liegt bei mir schon eine Weile zurück und da mir die Bewertung hier ohnehin schwerfällt, halte ich mich kurz: Die Idee hinter der Geschichte ist originell und war mir in dieser Form zuvor auch noch nicht untergekommen, was mich auf Anhieb hellauf begeistert hat. Wenn man schon seit fast 20 Jahren Fantasygeschichten liest und das Meiste irgendwie schon einmal gelesen hat (oder zumindest so ähnlich), freut man sich über alles Neue und Ungewöhnliche gleich nochmal mehr, und ungewöhnlich ist hier definitiv so einiges. Das grundlegende Konzept der Geschichte trägt unheimlich viel Potenzial in sich und die Autorin kann in ihrer Umsetzung auch mit ein paar kreativen Ansätzen aufwarten, aber im Gesamten konnten mich ihre Ausführungen leider nicht überzeugen, denn dieses Buch ist eindeutig auf eine eher junge Leserschaft ausgelegt, was natürlich per se überhaupt nichts Schlechtes ist (!) - Aber es war schlecht für mich, da die Geschichte infolgedessen recht einfach und unkompliziert gehalten wurde. Die Autorin kratzte nur an der Oberfläche und ging bei der Ausarbeitung des Worldbuildings definitiv nicht aufs Ganze, was Komplexität und Tiefe anbelangt, und das war für mich unendlich schade, da ich eben so viel Potenzial in diesem Konzept gesehen habe. Die Grundidee war so, so vielversprechend! Nichtsdestotrotz war das Ganze nicht schlecht gelöst: Bettina Belitz kann mit einer abenteuerlichen und spannenden Storyline glänzen, die einige Überraschungen und unerwartete Wendungen für uns Leser:innen bereithält (wobei manches davon leider auch komplett aus dem Nichts zu kommen scheint). Die fantastischen Elemente bleiben mysteriös, uneindeutig und rätselhaft, was den Spannungsbogen aufrechterhält und stets zum Weiterlesen anhält. Vieles an dieser Geschichte ist unkonventionell, seltsam und ein bisschen verrückt, was zusätzlich fesselt. Daneben gibt es witzige Szenen und typische Teenager-Momente, die für einen guten Ausgleich zu all dem Unerklärlichen sorgen - Obgleich die eigenwilligen, um nicht zu sagen schrulligen Charakteren mit ihren ganzen Macken und Marotten auch nicht gerade Normalität und Langeweile ausstrahlen, aber im Kontext der Storyline macht das definitiv auch Sinn. Allerdings hätte ich mir mehr emotionale Tiefe gewünscht, da diese Ebene selbst für das Genre und die angestrebte Zielgruppe recht spärlich ausfällt. Ich konnte nur schwer einen Zugang zu der Protagonistin finden und habe mich ihr bis zum Ende nicht so richtig verbunden gefühlt, geschweige denn mit ihr mitgefühlt und mitgefiebert. Generell hat der Schreibstil der Autorin für mich hier sehr wenig transportiert, war eher schlicht und einfach gehalten, was sich zwar leicht und flüssig lesen ließ und definitiv auch der Zielgruppe entsprochen hat, auf der anderen Seite aber eben nur wenig in mir ausgelöst hat. Die Geschichte wurde mir insgesamt zu schnell erzählt, zu plötzlich aufgebaut und zu leicht wieder gelöst - Bei allem. Die Autorin hat sich schlicht und ergreifend zu wenig Zeit gelassen, um der Geschichte den Raum zu geben, den sie in meinen Augen zu der vollen Entfaltung ihres Potenzials gebraucht hätte. Das Buch ist ziemlich dünn (nur knapp 300 Seiten) und noch dazu groß geschrieben, und klar, es gibt noch einen zweiten Band, aber ich wage zu bezweifeln, dass dieser alle offenen Fragen zu meiner vollen Zufriedenheit beantworten wird. Dieses Buch wurde seiner Idee meiner Meinung nach leider einfach nicht gerecht und das lässt mich missmutig zurück, aber ich weiß auch, dass ich eben nicht mehr zur Zielgruppe gehöre und mich mit sagen wir zehn Jahren womöglich an nichts davon gestört hätte, was eine faire Bewertung schwierig macht. Also macht euch am besten ein eigenes Bild von dieser Geschichte! 💛 3/ 5 Sterne ⭐️









