9. Jan.
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30 Tage lang lässt uns die 15-jährige Isabel de Olivera an ihrem Leben teilhaben, 30 Tage, die ihre Welt, ihr Denken über den Haufen werfen und nachhaltig verändern. Wir steigen am 11. Februar 1888 in die Geschichte ein, Karnevalssamstag in Rio de Janeiro. Doch Isabel ist nicht zum Lachen und Feiern zu Mute. Sie versteckt sich in einer dunklen und stickigen Kammer und bangt um ihr Leben. Danach schwenkt die Kamera 29 Tage zurück und wir erfahren nach und nach, wie Isabel in diese heikle Lage kam. Dieser geschickte Aufhänger macht sofort neugierig und man möchte unbedingt wissen, wie es dazu kam, denn sie kennt sich eigentlich besser mit Mode und tadellosem Benehmen aus als mit dem wahren Leben. Nach ihrer Flucht von der elterlichen Kaffeeplantage landet sie auf dem harten Boden der Realität und macht eine enorme Entwicklung durch. Das weltfremde, wohlbehütete Mädchen macht die Bekanntschaft mit dem anderen Ende der Gesellschaft, erlebt hautnah, was Sklaverei bedeutet und lernt, sich zu behaupten. In Rio de Janerio trifft sie auf den geheimnisvollen Lu, der ihr zwar immer mal wieder aus der Klemme hilft, aber genau so häufig wieder spurlos untertaucht. Ana Veloso schreibt angenehm flüssig und authentisch. Durch die ich-Perspektive bekommt man das Gefühl, das Tagebuch von Isabel zu lesen. Sie stellt die Personen vor, plaudert von Schwärmereien, stellt jedoch immer mehr auch tiefgreifendere Überlegungen an. Wem kann sie vertrauen? Was erwartet sie vom Leben? Als Leser erlebt man dies alles hautnah mit und so kann man sich sehr gut in die Protagonistin einfühlen. Fazit: "Januarfluss" ist mehr als ein Jugendbuch. Es ist eine erfundene Geschichte vor dem brutalen Hintergrund der Sklaverei, eine Liebesgeschichte, die ohne Kitsch auskommt, Spannung, die unter die Haut geht. Ein Buch, das man nicht mehr so schnell aus der Hand legt.

Januarfluss
Januarflussby Ana Velosocbj