grundsätzlich gut, aber der Roman scheint mir dann doch irgendwann zu wenig konsistent und packend. Zudem gibt es einige grobe Schreibfehler..
Es ist so sick! So so so sick. Leude was für ein Hell of Ride! Ich hab im Studium viel Sprachphilosophie gemacht und ich hab mich dennoch so oft gefragt, ob das wahr ist oder ob ich gerade verarscht werde. Und es war oft sicher beides. Es ist echt was für ambitionierte Leser. Aber man wird wirklich belohnt. Im dritten Viertel hing ich etwas durch, aber es nimmt nochmal super Fahrt auf. Für diese Kreativität und auch so ein Thema zu trauen gibt es den extra halben Punkt.
Was habe ich da gelesen?
Nach ein paar Kapiteln wusste ich: Dieses Buch zu reviewen wird eine Herausforderung. Und jetzt sitze ich hier und es ist genau so gekommen und ich versuche, mein Gedankenwirrwarr zu ordnen. Fest steht: „Schleifen“ ist absolut nicht für jeden was. Aber wer mutig ist, sich auf unkonventionelle Erzählweisen und irrwitzige, fast schon philosophische Gedankenexperimente einlassen kann, und ein gehöriges Interesse für Sprachwissenschaften mitbringt, bitte lest es! Ihr werdet es nicht bereuen. Mein größter Kritikpunkt vorweg: Der Aufhänger mit den Krankheiten vom bloßen Hören wird nach ein paar Seiten essenziell irrelevant. Schade, da ich dieses Konzept total faszinierend fand. Aber keine Sorge, mit originellen Ideen bleibt man nicht auf der Strecke. Der erste Teil spielt viel mit Sprache und ihren Möglichkeiten und Grenzen und ist dabei unerwartet humorvoll. Ich sag nur Tofuverkäufer, der Hamster und Estland. Für mich als Sprachnerd ein Genuss und mein Highlight des Romans. Im ersten Teil könnte noch der Eindruck erweckt werden, dass man es hier mit einer willkürlichen Aneinanderreihung von Kapiteln zu tun hat, aber ich finde, ab der zweiten Hälfte kommt mehr Plot im klassischeren Sinne rein. Allerdings wird man ab da auch ins komplette Chaos gestürzt. Man könnte sagen, das nobverbalistische Manifest nimmt Form an… oder wohl eher: verliert jegliche Form ;) Mein kleines Hirn hat bei diesen gefühlt 45 Meta-Ebenen ein neues Bewusstseinslevel freigeschaltet, glaube ich. Es ist für mich völlig unfassbar, dass sich ein einzelner Mensch so eine Geschichte ausdenken kann. Ich sag’s, wie’s ist: Elias Hirschl ist für mich ein Genie. Ich verstehe alle, die „Schleifen“ so gar nichts abgewinnen können, aber für mich war es ein Volltreffer! Das wird nicht mein letzter Roman von Hirschl bleiben.

Dieses Buch hat mir sehr gefallen, aber auch gar nicht.
Hab selten ein Buch gelesen, das ich gleichzeitig so wenig und so viel mochte, vollkommen zusammenhanglos. Das einzige Muster, das ich erkennen konnte: Abends und müde, hasse ich das Buch. Morgens und munter ist es eines der besten und vor allem herausragendsten Bücher der letzte Jahre. Die ständigen abstrusen kleinen Geschichten, die einander jagen, machen manchmal Kopfweh und unterhalten dann wieder sehr. Ich hab mich ungefähr 150 x gefragt, ob ich einfach zu dumm bin (vor allem beim mathematischen Aspekt. Die ganzen sprachwissenschaftlichen Spiele haben mir halb nostalgische, halb panische Flashbacks an mein Germanistikstudium beschert). So im Nachhinein betrachtet, finde ich es schon lustig, dass Elias Hirschl von einem Buch schreibt, das bei jedem Lesvorgang wieder die Bedeutung ändert und ich mich beim Lesen von „Schleifen“ konstant gefragt habe, wie sich das Buch wohl für jemanden liest, der ein kleines bisschen Ahnung und Interesse von Mathematik hat. Bestimmt grundlegend anders. Also kurz auf den Punkt: liest man es mehr wie einen Band an Kurzgeschichten, frümorgens und munter, dann hat es sehr lustige und kluge / geniale Kapitel. Liest man es wie einen Roman und nach einem Arbeitstag, dann ist es ein extrem mühsames Buch, das einem einfach am Sack geht, weil es so prätentiös unsinnig verwinkelte Theorien aufstellt, die einen beim Lesen einfach grantig machen. LG, Jim Blum
Zwischen Wahnsinn und Genialität
Die Bewertung des Buches fällt mir sehr schwer. Es war auf jeden Fall mal was anderes, es war aber auch verwirrend und abstrakt. Aber beginnen wir mal von vorne: Franziska Denk wächst in einer intellektuellen Umgebung auf und interessiert sich schon früh für Sprache. Das liegt wohl auch daran, dass sie schon als Kind die Macht der Worte am eigenen Leib erfährt: Jede Krankheit, von der sie hört oder liest, bekommt sie daraufhin selbst. Erst nach Jahren schafft sie es, sich dagegen zu immunisieren. Otto Mandl ist Mathematiker und zusammen widmen sich die beiden viele Jahre lang der Erforschung einer perfekten Sprache. Das ist aber nur einer von vielen Handlungssträngen. Das Buch folgt über einer Spanne von ca. 90 Jahren dem Leben der beiden, aber es gibt sehr viele Nebenfiguren und -geschichten, die sich um sprachliche oder mathematische Begebenheiten drehen. Dabei werden die Handlungen so geschickt zwischen wahre Geschichten und Persönlichkeiten gestrickt, dass ich mich des Öfteren gefragt habe, was davon wahr und was Fiktion ist. Der Autor nimmt viele sprachwissenschaftliche oder mathematische Ansätze, die von den Figuren dann im Streben nach Perfektion oder nach Wissen ins Abstruse gezogen werden. Der Ausgang wird stets sehr überspitzt dargestellt. Der Stil ist sehr nüchtern und sachlich, oft gehoben und wirkt so, als ob Franziskas Leben und ihr Werk hier beschrieben werden. Franziska ist schwer greifbar, da Emotionen kaum vorkommen. Zudem ist sie auch keine Sympathieträgerin. Mit ihren sprachlichen Experimenten löst sie ganze Krisen in anderen Ländern aus. Somit widmet sich der Roman auch der Frage der Moral beim Streben nach neuen Erkenntnissen. Franziska geht dafür wortwörtlich über Leichen. Otto Mandl ist fast noch schwerer greifbar, weil wir nicht viel über seine Persönlichkeit erfahren, nur über sein Wirken. Die Geschichte zeigt mit einer gewissen Ironie und anhand der Überspitzung, wie sich die Menschheit in ihrem Bemühen nach Wissen selber ad absurdum führt. Nicht alle wissenschaftlichen Gedankengänge habe ich bis ins Kleinste verstanden, aber ich glaube, das ist auch nicht notwendig, denn es ging oft sehr ins Detail. Die Distanz zu den Figuren und die intellektuellen, hochtheoretischen Ausführungen führen dazu, dass sich die Geschichte nicht mal eben weglesen lässt, sondern viel Konzentration erfordert. Dadurch ist das Buch eher schwer zugänglich. Es fehlt auch an Spannung; die Kapitel lesen sich oft wie eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten. Ich feier die vielen absurden Gedankengänge des Autors, die manchmal gar nicht so weit hergeholt wirken. Ich muss aber auch sagen, dass mir das Lesen durch die vielen komplexen Ansätze schwer fiel. Mir fehlte die Spannung sowie die Verbindung zu den Charakteren. Es war stellenweise sehr mühsam, am Ball zu bleiben. Somit vergebe ich insgesamt 3,5 Sterne.
Wenn Sprache weh tut
Elias Hirschls Schleifen ist eines dieser Bücher, bei denen man sich ziemlich schnell fragt, ob man selbst das eigentliche Problem ist. Der Roman ist hochintelligent, theoretisch aufgeladen und so ambitioniert, dass man sich beim Lesen fühlt, als würde man geistig barfuß durch ein CERN-Labor laufen – beeindruckend, aber schmerzhaft und maximal überfordernd. Dabei ist die Grundidee eigentlich großartig: Franziska leidet an einer seltenen Erkrankung, durch die sie jede Krankheit körperlich spürt, sobald sie davon hört oder liest. Sprache wird für sie zur Gefahr. Gemeinsam mit dem Mathematiker Otto versucht sie deshalb, eine perfekte, eindeutige Sprache zu entwickeln – ein faszinierender Ansatz zwischen Wissenschaft, Philosophie und Literatur. Leider verliert sich der Roman immer wieder in sehr verworrenen Nebenhandlungen, die das ohnehin anspruchsvolle Gedankengebäude zusätzlich vernebeln. So klug Schleifen auch ist, emotional hat es mich kaum erreicht. Schmerz, Nähe und Verzweiflung bleiben überraschend kühl, fast steril. Am Ende bleibt mein Eindruck eines extrem schlauen Buches, das viel weiß und viel denkt – und mich dabei konstant ein bisschen dumm fühlen lässt. Bewundernswert, ja. Verstanden? Leider eher nicht.





