10. März
Rating:5

Sternebewertung fiktiv

1990, Belgrad. Eine Wohnsiedlung. Eine Jugend, die alles andere als leicht ist. In Uppercut lernen wir eine namenlose Ich-Erzählerin kennen, die inzwischen in Wien lebt. Doch ihre Gedanken kehren immer wieder zurück in ihre Kindheit und Jugend in Belgrad, in eine Zeit, die geprägt war von Gewalt, Machtkämpfen und einer Umgebung, in der man früh lernen musste, sich zu behaupten. Der Roman erzählt diese Vergangenheit in Form von Erinnerungen und Flashbacks. Bruchstücke aus einer Jugend, die nicht nur von der Kriegszeit geprägt ist, sondern auch von familiären Spannungen. Ein strenger Vater, eine große Liebe zwischen den Eltern und immer wieder die Frage nach Gut und Böse. Maja Iskra schreibt dabei unglaublich direkt. Schnörkellos. Ohne große Ausschmückungen. Gerade diese Ehrlichkeit zieht sich durch jede Seite. Uppercut ist kein Buch, das man einfach schnell „wegliest“. Es ist ein Roman, der Raum braucht. Ruhe. Weil vieles von dem, was erzählt wird, schwer wiegt. Gewalt, Erinnerungen, innere Kämpfe, all das hinterlässt beim Lesen Spuren. Besonders berührt hat mich, dass die Protagonistin Dostojewski liest. Die Geschichte vom Bauern Marej aus einem Sammelband hat es ihr besonders angetan , vielleicht, weil sie darin etwas von sich selbst erkennt: dieses Gefühl, in einer Welt gefangen zu sein, die einen geprägt hat und aus der man doch nie ganz entkommt. Dieser innere Schmerz der Vergangenheit. Für mich ist Uppercut ein sehr intensiver Roman über Herkunft, Erinnerung und darüber, wie sehr uns unsere Vergangenheit formt. Ein Buch, das man langsam lesen sollte.

Uppercut
Uppercutby Maja IskraZsolnay, Paul
3. März
Rating:2

Die Erzählerin lebt in Wien und erzählt uns sowohl aus ihrer Gegenwart dort als auch von ihrer Kindheit und Jugend in den 1990er Jahren in Belgrad. Das Buch ist insbesondere in der ersten Hälfte unfassbar düster und hoffnungslos. Die Erinnerungen der Protagonistin an ihre jungen Jahre in Belgrad sind durchzogen von Gewalt, Mitleidlosigkeit und Härte. Mich hat das fast zum Abbruch des Buches getrieben, trotz interessanter poetischer Sprache. Später im Text gibt es Szenen mit zumindest der Idee von Solidarität und Liebe, das hat das Lesen dann etwas erleichtert. Trotzdem konnte mich das Buch bis zum Schluss nicht gänzlich überzeugen. Für mich stellt sich durchaus die Frage, was mir die Lektüre eigentlich gegeben hat. Lesevergnügen sicher nicht, aber auch kein klares Bild vom Belgrad der 90er Jahre. Waren die Bauchschmerzen, die ich zeitweise beim Lesen hatte, es also wert? Eher nicht. Das hängt wohl auch mit der Unglaubwürdigkeit der Hauptfigur zusammen. Über weite Teile des Buches fehlte ihr für mich jede Menschlichkeit in ihrer kalten Nüchternheit. Mir ist klar, dass die Figur absichtlich so gezeichnet ist, um die Härte ihres Lebens und was das mit ihr macht zu unterstreichen. Für mein Empfinden, war die Gefühllosigkeit, insbesondere für eine Teenagerin, etwas übers Ziel hinaus geschossen. Leider, bis auf wenige gute Szenen und eine interessante Sprache, alles in allem eher enttäuschend für mich.

Uppercut
Uppercutby Maja IskraZsolnay, Paul