Sternebewertung fiktiv
1990, Belgrad. Eine Wohnsiedlung. Eine Jugend, die alles andere als leicht ist. In Uppercut lernen wir eine namenlose Ich-Erzählerin kennen, die inzwischen in Wien lebt. Doch ihre Gedanken kehren immer wieder zurück in ihre Kindheit und Jugend in Belgrad, in eine Zeit, die geprägt war von Gewalt, Machtkämpfen und einer Umgebung, in der man früh lernen musste, sich zu behaupten. Der Roman erzählt diese Vergangenheit in Form von Erinnerungen und Flashbacks. Bruchstücke aus einer Jugend, die nicht nur von der Kriegszeit geprägt ist, sondern auch von familiären Spannungen. Ein strenger Vater, eine große Liebe zwischen den Eltern und immer wieder die Frage nach Gut und Böse. Maja Iskra schreibt dabei unglaublich direkt. Schnörkellos. Ohne große Ausschmückungen. Gerade diese Ehrlichkeit zieht sich durch jede Seite. Uppercut ist kein Buch, das man einfach schnell „wegliest“. Es ist ein Roman, der Raum braucht. Ruhe. Weil vieles von dem, was erzählt wird, schwer wiegt. Gewalt, Erinnerungen, innere Kämpfe, all das hinterlässt beim Lesen Spuren. Besonders berührt hat mich, dass die Protagonistin Dostojewski liest. Die Geschichte vom Bauern Marej aus einem Sammelband hat es ihr besonders angetan , vielleicht, weil sie darin etwas von sich selbst erkennt: dieses Gefühl, in einer Welt gefangen zu sein, die einen geprägt hat und aus der man doch nie ganz entkommt. Dieser innere Schmerz der Vergangenheit. Für mich ist Uppercut ein sehr intensiver Roman über Herkunft, Erinnerung und darüber, wie sehr uns unsere Vergangenheit formt. Ein Buch, das man langsam lesen sollte.

