Schöner Erzählstil, dennoch abgebrochen
Ich habe das Buch ungefähr bis zur Hälfte gelesen und dann abgebrochen. Sprachlich ist es durchaus solide und Henisch versteht es, Szenen und Figuren lebendig zu zeichnen. Leider überwiegt für mich ein anderer Eindruck: Statt mich in die Geschichte eintauchen zu lassen, fühlte ich mich zunehmend von einer politisch-moralischen Belehrung bedrängt. Ständig werden historische und aktuelle Themen mit einer klaren, einseitigen Haltung kommentiert – Waldheim als Paradebeispiel dafür, dass „alle Österreicher Nazis“ seien, Trump als Inbegriff des Bösen und die unausgesprochene Frage, wie man so jemanden nur wählen könne. Ich lese Romane, um unterhalten zu werden, nicht um mich politisch indoktrinieren zu lassen. Schade, denn die Grundidee des Buches hätte Potenzial gehabt, wenn die Erzählung nicht immer wieder vom moralischen Zeigefinger unterbrochen worden wäre
