https://vivaperipheria.de/2022/09/07/pro-land-ein-buch-drago-jancar/
"Früher war er jemand anderer gewesen, vor ewigen Zeiten, ein Mensch dort unten in der Stadt, ein Mensch, der in den Straßen spazierte, im Kaffeehaus saß und im Hörsaal an der Uni, nun war er so etwas wie ein Tier, das keine Erinnerung hatte, das auch keinen Schmerz mehr fühlte." Sonja erkennt bei den deutschen Offizieren, die das slowenische Maribor besetzen, Ludek wieder, einen Bekannten aus Kindheitstagen. Sie bittet ihn, ihrem Freund Valentin bei der Haftentlassung zu helfen. Den Weg der Drei verfolgen wir durch die weiteren Kriegstage, die Niederlage der Deutschen und die ersten Monate der Nachkriegszeit. Autor Drago Jancar hat keinen einfachen Schreibstil. Er schreibt ausufernd und Detailversessen. Die Sprache ist sehr bildhaft, fast lyrisch. Wir tauchen viel in die Gedankenwelt der verschiedenen Protagonisten ein, wobei jeder auch seine eigene Erzählsprache hat. Manchmal drehen sich die Gedanken auch im Kreis und so gibt es einige Wiederholungen im Verlauf der Geschichte. Und die Schachtelsätze machen es nicht einfacher. Die Story ist sehr fordernd, erzählt wenig vom großen Kriegsverlauf, sondern beschränkt sich auf Slowenien, auf die Übernahme durch die Deutschen, auf den Kampf der Partisanen. Wieder eine ganz neue Sicht auf den 2. Weltkrieg. Die Personen müssen einiges ertragen, so dass das Buch nicht leicht zu lesen ist. Ein Buch, was mich gedanklich wohl noch länger begleiten wird. Zumal das Buch einige grundsätzliche Fragen stellt über Rache, über Dankbarkeit, über Gerechtigkeit, und nicht zuletzt über die Liebe.
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