Ich denke wirklich, dass Buch funktioniert nur, wenn man "Die Mitte der Welt" von Andreas Steinhöfel kennt...
Ich muss meine ursprünglich schon im Kopf entworfene Rezensionen überdenken... Ich gebe zu, ich hatte zu Beginn etwas Schwierigkeiten, mich in das Buch bzw. die einzelnen Texte einzufinden, was nicht an dem unglaublich bildhaften Schreibstil von Herrn Steinhöfel lag, sondern an der Tatsache, dass es sich im Buch um 8 Kurzgeschichten handelt und ich mit einer falschen Erwartung an das Buch herangegangen bin. Ich war in der Annahme, die Geschichte von Phil, Dianne und Glass aus "Die Mitte der Welt" würde irgendwie weiter erzählt werden, aber so ist es nicht. Tatsächlich begleiten wir in "Defender" Charaktere aus "Die Mitte der Welt" und lernen sie und ihre familiären Umstände, ihre Sorgen, Ängste, Gedanken und Gefühle besser kennen, was vielleicht einiges zu deren Handlungsweisen in "Die Mitte der Welt" erklärt. Zum Beispiel Dennis,...welcher Dianne das Messer in die Schulter rammte. Kat, Phils beste Freundin, und deren Beziehung zu ihrem Freund Thomas, ihr gemeinsames erstes Mal und vor allem Kats Gefühl dabei und ihre Gedanken zu Phil... Kora...Diannes stille Freundin... Merle, welche mit Boris in einer Klasse ist, und plötzlich beginnt, sich über viele Dinge ernsthaft Gedanken zu machen... Ich dachte auch, das die Kurzgeschichten keinen Bezug zueinander haben, doch beim genaueren Lesen stellte ich fest, der kleine Junge in der erste Geschichte "Der Sandmann", träumt von all den Ergebnissen, welche in den folgenden Kapiteln beschrieben werden. Und auch im letzten Kapitel "Defender" wird auf Dinge der vorangegangenen Storys zurückgegriffen und letztlich erfährt man auch, wer der kleine Junge aus der Anfangsstory ist... Ein wirklich großartiges Buch mit einem so bildhafen und wortgewandtem Schreibstil. Richtig gepackt hatte es mich ab der Story "Interview". Hier fällt der komplette andere Schreibstil im Vergleich zum restlichen Buch auf. Ich-Perspektive, eigentlich fast schon Verhör-Perspektive und recht aggressiv. Ein unbeschreiblich beklemmendes Gefühl hat sich während des Lesens in mir ausgebreitet. Ein wirklich ergreifend es Buch, aus der Sichtweise von Jugendlichen bezüglich ihren Gefühlen und Gedanken auf dem Weg zum erwachsen werden... Sehr bedrückend und ganz oft von tiefer Einsamkeit begleitet. "Die Welt sollte einfach besser auf uns aufpassen, dass ist alles. Und die Welt ist mehr, als nur unsere Eltern." - Irgendwas hat diese Aussage im Buch in mir ausgelöst... Und wieder bleibe ich nachdenklich zurück.



