Harter Tobak. Manchmal musste ich das Buch zur Seite legen und darüber nachdenken. Es war stellenweise heftig. Aber andererseits ist genau das auch irgendwie das richtige.
Achtung, enthält Spoiler!!! „Es hat sich unglaublich viel verändert bei mir und in meiner Wahrnehmung und in meinen Empfindungen. Es ist unbeschreiblich. […] Anfangs ist es echt überfordernd, aber ich hab Bock drauf. Ich hab Bock aufs Leben, mit allen Höhen und Tiefen, ich habe meine Sinne zurückgewonnen. Ich rieche den Regen. Frisch geschnittenes Gras, Blumen, spüre die Atmosphäre, es ist nicht mehr alles Grau in Grau.“ Das Buch ist kein Roman, sondern eine biografische Geschichte, die auf Tatsachen beruht und inhaltlich sehr viele Szenen über Drogenkonsum berichtet. Es ist die Geschichte von Josh und Layla, aber gleichzeitig auch über viele andere Betroffene, die in diese Szene abgerutscht sind. Das Buch verschönt keineswegs den täglichen Konsum vieler verschiedener Drogen und andere Substanzen, sondern dient - meiner Meinung nach - der Aufklärung darüber, was all das mit einem macht. Und ich finde es als Außenstehende sehr gut, dass von den Betroffenen nicht nur gute Recherche ausging, sondern dass man darüber hinaus auch Freunde und Familie miteinbezogen hat, die die Möglichkeit hatten, aus ihrer Sicht auch vieles dazu sagen zu können. Aber ich muss sagen, ich finde es erschreckend, wie leicht es tatsächlich ist, über das Internet da reinzugeraten. Nicht nur hinsichtlich des Austauschs über Drogen, sondern letztendlich auch wie einfach es ist, an all das Zeugs ranzukommen. Und wie leichtsinnig der Umgang vieler damit ist. Das zeigt hier vor allem Josh‘s Wege durch diese Szene, die er letztlich mit seinem Leben zahlen musste. Es macht einen traurig und wütend zugleich. Traurig, dass Menschen sich dem einfach hingeben, willenlos werden und darin ihr ganzes Sein sehen und nicht mehr wahrnehmen, dass da trotz allem noch Menschen sind, die einen lieben. Und wütend, dass man vor den Augen der ganzen Welt dasitzen kann, sich immer mehr reinzieht und keiner was wirklich unternimmt/unternehmen will, stattdessen sogar noch ermutigt wird, diese und jenen Stoffe zu kombinieren oder lieber dies oder das ausprobieren sollte. Was mich bis zum Schluss immer noch beschäftigt, ist auch die Frage darüber, ob man Drogen allgemein verbieten soll oder nicht. Auch das sind Bestandteile des Buches, worüber sich stellenweise gefragt und auch ausgetauscht wurde. Jeder würde jetzt sagen: „Verbieten. Ganz klar.“ und auch da stehe ich eigentlich voll dahinter. Aber gerade Leylas Geschichte in diesem Buch hat auch gezeigt, diese Probleme müssen anders angegangen werden. Verbieten führt zu mehr Frust unter Betroffenen und den krampfhaften Verlangen, erst recht alles mögliche konsumieren zu wollen. Auch hier fand ich sehr gut, dass man verschiedene Aspekte durchgegangen ist und wie die Konsequenz daraus wäre. Schlussendlich muss ich sagen, auch wenn das Buch harter Tobak ist und es einen mit einigen Fragen zurücklässt, auf die man vermutlich nie Antworten erhalten wird, war das Buch trotzdem insgesamt gut und bot einen erschreckend realistischen Einblick in diese Szene. Es regt zum nachdenken an. Ich wünsche mir mehr Aufklärung rund um dieses Thema und dass das auch familienbezogen kein Tabu mehr ist. Sowas darf nicht totgeschwiegen oder verharmlost werden. Und gerade wenn es auch um echte Tatsachenberichte geht, ist es wichtig, dass man offen darüber spricht und nicht abblockt. Es gab eine Stelle in dem Buch, wo Christiane F. erwähnt wurde. Diese Gedanken, die da geäußert wurden, fand ich erschreckend. Ich hoffe, dass das Buch viele erreichen wird. Es ist ein wichtiges Thema, über das diskutiert werden muss.














