
Großes Finale oder große Enttäuschung?
Mit „Wütender Sturm“ von Victoria Aveyard endet die Low Fantasy-Reihe Die Farben des Blutes. Da mir der dritte Band schon weniger gut gefallen hat, war ich beim vierten entsprechend zwiegespalten. Einerseits hatte ich die Befürchtung, dass die annähernd 800 Seiten ähnlich zäh sein könnten wie „Goldener Käfig“, nur noch länger. Andererseits hatte ich die Hoffnung, dass mit dem großen Finale wieder neuer Schwung aufkommt und die Saga doch packend abgeschlossen wird. Die Wahrheit liegt am Ende wohl irgendwo dazwischen, allerdings mit Tendenz in eine Richtung. Eine Sache verrate ich euch schon jetzt: Ohne das Hörbuch hätte ich für die Lektüre aus dem Jahr 2018 deutlich länger gebraucht. Die 18-jährige Mare Barrow kann immer noch nicht fassen, dass ihr Geliebter Cal sie fallen gelassen hat, weil durch die Verlobung mit Evangelina Samos der Thron des Königreichs Norta für ihn in greifbarere Nähe rückt. Mit gebrochenem Herzen setzt sie dennoch alles daran, König Maven von seinem Thron zu stoßen. Dieser ist durch seine Heirat mit Prinzessin Iris von den Lakelands mit einem neuen Verbündeten ausgestattet und damit gefährlicher als je zuvor. Die Scharlachrote Garde muss zwingend Bündnisse mit benachbarten Ländern schließen, sonst drohen sie, den Krieg zu verlieren. Doch selbst, wenn sie Maven bezwingen können, haben seine Feinde unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Welt nach ihm aussehen soll. Ursprünglich war Die Farben des Blutes als Trilogie geplant, wurde dann aber während der Veröffentlichungszeit auf vier Bände verlängert. Im Nachhinein hätte es Victoria Aveyard lieber bei drei belassen sollen. „Wütender Sturm“ hat leider erhebliche Längen, über die auch interessante Figuren wie Evangelina oder Kilorn nicht hinwegtäuschen können. Mare fand ich stellenweise nervig. Sie war überwiegend mit einem Eifersuchtsdrama beschäftigt, dessen Auflösung von Anfang an vorhersehbar war. Hätte ich nicht das Hörbuch gehabt, hätte ich das Low-Fantasy-Buch vielleicht sogar abgebrochen. Der Plot zieht sich durch zahllose Monologe sowie Dialoge unnötig in die Länge, und dann wird man mit einem eher langweiligen Finale abgespeist. Gerade nach fast 800 Seiten hätte ich mir große Konsequenzen oder zumindest einen kreativeren Abschluss gewünscht. Stattdessen bleiben viele Figuren und Konflikte erstaunlich unbedeutend zurück. Den Erzählstrang von Iris hätte man bspw. komplett streichen können, weil er kaum etwas zur Geschichte beiträgt. Ich bin echt enttäuscht, da die Jugendbuch-Reihe viel Potenzial hatte. Aber nach „Die rote Königin“ ließ die Qualität leider spürbar nach, weshalb ich hier nicht mehr als zwei von fünf Federn vergeben kann. Da mich der letzte Band so ernüchtert zurücklässt, werde ich in Zukunft wohl keine Bücher von Victoria Aveyard mehr lesen.
























































