dieses buch ist eine mischung aus gesprächen, autobiografischen erfahrungen und fundierten analysen, mit denen er ein bild von deutschland zeichnet, das viele lieber ignorieren wollen. es entsteht dabei aber keinesfalls nur eine einseitige perspektive, sondern ein sehr vielschichtigeres und teils auch widersprüchliches gesamtbild, was ich wirklich spannend fand. eines, das zeigt, wie verdammt tief rassismus, ausgrenzung und strukturelle ungleichheit hier immer noch verankert sind. besonders eindrücklich hat er beschrieben, dass zugehörigkeit für viele menschen nicht selbstverstandlich ist, sondern andauernd in frage gestellt wird und das zieht sich so auch durch das ganze buch. die auseinandersetzung mit politischen gruppierungen wie „links“ und „rechts“ fand ich auch gut,
weil sie zeigt, wie verkürzt viele debatten eben geführt werden. man muss sich wirklich auf die themen einlassen, manchmal wurde das auch tatsächlich etwas anstrengend, aber das ist auch vollkommen okay – immerhin soll dieses buch ja auch keine leichte streichellektüre sein, sondern eines, das deutschland wachrüttelt und fordert und dabei manchmal auch überfordert. canberk köktürk legt den finger in die wunde.
ich finde den aufbau hierbei übrigens sehr spannend, weil es sich um eine akte handelt. damit bekommt es richtig die form einer klageschrift.
angeklagt: deutschland. fascholand.
große empfehlung!
Wow. Das ist das beste Buch, was ich seit Ewigkeiten gelesen habe. Die aktuelle Lage des Landes (und der Welt) dargestellt, erklärt und nachvollziehbar zusammengefasst. Wirklich. Ich werde es bestimmt noch einmal lesen.
Und ich möchte die Worte des Autors unterstreichen: "es ist und bleibt scheißegal, wie das System heißt, dass uns unterdrückt. Es ist die Kultur, die Wirtschaft, das Volk und die Bereitschaft, andere Menschen zu opfern, um eine Illusion von Freiheit aufrechtzuerhalten, eine Freiheit, die zugleich die Freiheit von anderen einschränkt."
Leider sehr wichtig, auch wenn die Lektüre bei mir nicht so einen Begeisterungstaumel ausgelöst hat.
Relativ düster, ein Armutszeugnis für die Nation.
Ein wichtiges Buch, aber sehr unbequem zu lesen.
Der humorvolle Teil ist bitterböse und recht düster, die Abbildungen der Realität tut weh.
Die Offenlegung der Systeme auf denen der Rechtsruck fußt und wie es sich manifestiert ist schwer zu ertragen. Auch die Folgen werden beleuchtet.
Relativ oft erinnert das Buch auch an psychischen Auswirkungen.
Spannend fand ich den Abschnitt mit den Gastarbeitern in Deutschland.
Alles in allem ziemlich deprimierend, aber wichtig zu wissen.
Canberk hat in "FASCHOLAND" eine sehr interessante Methode gewählt, um dem Faschismus in Deutschland auf den Grund zu gehen: Eine Ermittlungsakte.
In mehreren Abschnitten und zum großen Teil sehr persönlich und autobiografisch nimmt er die aktuelle Lage im Land auseinander ("Der Faschismus ist nicht "zurück", er hat Deutschland nie verlassen."). Und obwohl das Fazit eher keine Antworten bzw. Lösungen bietet - bleibt der Autor und das Gefühl, das in einem zurückbleibt eher hoffnungsvoll.
Ich habe das Ganze als Hörbuch gehört und fand die Art, das Geschriebene vorzutragen, als auch den Humor sehr erfrischend, vor allem bei der Schwere des Themas. Definitive Lese-/Hörempfehlung.
Ein wirklich wichtiges Buch sehr humorvoll, modern erzählt. Denn auch „Wir sind immernoch in Deutschland“ kann Teil von Alltagsrassismus und Diskriminierung sein. Denn was bedeutet es „immernoch“ in Deutschland zu sein? Und wer ist wir? Ich finde Canberk Köktürk erzählt sein Denken wahnsinnig gut und interessant und die Prise Humor, machen es umso sympathischer
Musste das ein ums andere Mal den Kopf schütteln, weil ich so sprachlos oder enttäuscht war - geschockt würde auch passen. Flott und salopp geschrieben schickt uns der Autor auf eine Reise, die einem wieder aufzeigt wie weit wir hinterher hängen. Es ist unglaublich. Und alleine der Alltagsrassismus…könnte kotzen.
Der Autor lässt uns teilhaben an seiner Zerrissenheit, an der Welt wie sie ihn wahrnimmt und mit was für Problemen er sich auseinandersetzten muss, von denen wir nicht mal im Ansatz eine Ahnung haben.
Klare Empfehlung.
"Fascholand" von Canberk Köktürk, gesprochen von Raschid Daniel Sidgi, zeigt in knappen, scharfen Zügen auf, wie sehr Deutschland noch immer mit Rassismus, Rechtsruck und strukturellen Ausschlüssen ringt. Köktürk, 1990 im Ruhrgebiet als Kind einer türkischen Gastarbeiter:innenfamilie geboren, bringt aus eigener Erfahrung und mit journalistisch-investigativem Ansatz seine Analyse aufs Papier. Sidgi als Sprecher gibt der Mischung aus Ernst, Wut und Ironie eine beeindruckende Stimme.
Worum geht’s genau?
Köktürk begibt sich in Fascholand auf eine autobiographisch-investigative Spurensuche durch ein Deutschland, das Menschen mit Migrationsgeschichte zunehmend als Zwangsheimat erleben. Er verknüpft persönliche Erlebnisse mit Gesprächen mit Betroffenen, Expert:innen, mit Fakten und Zahlen, um aufzuzeigen, wie Hass und Hetze, Rechtsruck und Rassismus das Land vergiften. Ein Leitsatz zieht sich durch: „Wir sind hier immer noch in Deutschland.“ – basierend auf einem Erlebnis des Autors, ein Hinweis darauf, dass trotz aller Zugehörigkeit die Erfahrung von Ausgrenzung und Nicht-Ganzdaheimsein bestehen bleibt. Er macht deutlich: „Wo Träume wahr werden, werden auch die Albträume vieler, der ausgegrenzten, der Unterprivilegierten wahr.“ (Zitat aus dem Buch) Neben der Analyse von politischen und gesellschaftlichen Strukturen beleuchtet Köktürk die Rolle marginalisierter Gruppen, wie ökonomische Krisen als Bühne für Sündenbock-Narrative dienen, wie Sprache und Normalisierung diskriminierender Strukturen wirken, und warum der Diskurs links/mitte/rechts komplexer ist, als er oft dargestellt wird. Die Hörbuchfassung dauert ca. 7 Std 40 Min. (ungekürzte Ausgabe) und wird von Sidgi mit entsprechender Würde und Energie vorgetragen.
Meine Meinung
Ich wollte das Buch eigentlich nicht lesen (bzw. hören) – der Klappentext sprach mich iwie nicht ganz so an. Aber ich habe mich dann doch nicht zuletzt aufgrund der Empfehlung durch Julia (@chuliakaya) dazu hinreißen lassen … und zum Glück! Das Buch ist es nämlich echt wert. Es besticht vor allem durch die Herangehensweise, in der der Autor sowohl persönliche Erlebnisse aus der Vergangenheit und Gegenwart, Gespräche mit Freundinnen und Expert:innen, aber auch Fakten und Zahlen miteinander in Verbindung bringt und so eben ein sehr versiertes und differenziertes Bild von Fascholand zeichnet.
Ich bin zwar aus Österreich, aber gerade in geschichtlicher Hinsicht unterscheiden sich D und AT nicht sehr oft; im Gegenteil: Österreich ist ja oft noch konservativer unterwegs, von daher kann man vieles auch hier übertragen. Besonders spannend war für mich die Diskussion rund um Links, Mitte, Rechts – die es so nicht gibt – und warum die AfD aktuell trotz allem immer noch als demokratische Partei angesehen werden kann.
Der Sprecher des Hörbuchs ist perfekt gewählt: Er transportiert die Mischung aus Ernst, Wut und Ironie so überzeugend, dass die Inhalte noch stärker wirken.
"Fascholand" ist unbequem, anstrengend, wichtig. Es fordert volle Aufmerksamkeit und genau das macht es meiner Meinung nach so stark. Köktürk legt den Finger in die Wunde einer Gesellschaft, die sich für modern hält, aber noch immer weiße, christliche, heteronormative Normen als Maßstab setzt. Besonders freue ich mich über die gendergerechte Sprache, ein Aspekt, der für mich heutzutage nicht mehr verzichtbar ist. Und: die Form als Klageschrift ist super gewählt. Vor Gericht steht? Deutschland als Land. "Ein Meister darin zu sein, sich selbst zu verlieren und dafür Komplimente bekommen?", lautet ein provokantes Zitat, das zeigt, wie Selbstaufgabe und Anpassung von marginalisierten Gruppen häufig als Leistung gefeiert werden und wie problematisch das ist. Köktürk erinnert uns daran: „4 Jahre nach Gründung des Bundesinnenministeriums waren 40 % der Mitarbeiter:innen Nazis.“ Ein Satz, der erschüttert und zugleich nicht einfach als historische Anekdote abgetan werden darf. Und er mahnt: „Wo Träume wahr werden, werden auch die Albträume vieler, der ausgegrenzten, der Unterprivilegierten wahr.“ Das trifft ins Mark. Allerdings und das ist mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist das Buch in der Sprache nicht immer niederschwellig. Wer sich nicht einigermaßen mit politischen Begriffen, Strukturen oder Diskursen auskennt, könnte sich stellenweise überfordert fühlen. Die Kombination aus lange Zeit erklärungsbedürftigen Begriffen, Divergenzen und persönlichen Erfahrungsberichten fordert.
Fazit
"Fascholand" ist eine kraftvolle und brennend relevante Hörbuch-Erfahrung, die wirksam aufrüttelt und zum Denken bringt. Ich empfehle es allen. Punkt. Denn die Themen Rassismus, Identität, gesellschaftlicher Normierung und Machtstrukturen gehen uns alle an, nicht nru diejenigen, die sich tagtäglich schon unfreiwillig damit auseinandersetzen müssen.
Ich danke herzlich Netgalley Deutschland und dem Hörbuch Hamburg Verlag für das Rezensionsexemplar.
“Fascholand” von Canberk Köktürk (gelesen von Raschid Daniel Sidgi) analysiert den heute noch herrschenden und wieder erstarkenden Rassismus und Faschismus in Deutschland. Dabei geht der Autor auf verschiedenste Bereiche und Ereignisse bzw. Entwicklungen ein, z.B. Rassismus in der Medienbranche, politisch motivierte Anschläge und Straftaten, Entnazifizierung nach 1945 usw. Insgesamt fand ich den Reportagestil und die breit gefächerten Themen und Einblicke in die Sicht Betroffener interessant, einiges Neu und vieles leider nur allzu bekannt. Allerdings bin ich mit der formellen Form der “Akte” nicht so zurecht gekommen und hatte meine Probleme mit dem mir oft zu wütenden und sarkastischen Ton des Hörbuchsprechers, auch wenn mir das Ziel dessen klar war.
*Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
„Der moralische Selbstbetrug war nun einmal die beliebteste Form des Copings, denn: Wir sind hier immer noch in Deutschland. Scheiße, da war er wieder. Dieser Satz.“ (Seite 30)
Canberk Köktürk nimmt mich ganz schön mit. Nicht nur auf eine Reise in seine Gedankenwelt, sondern mit seinem Buch „Fascholand“ auch zu einer tiefen Reise in meine Gedankenwelt.
Während ich das Buch Anfang September in meinem Urlaub lese, sitze ich die meiste Zeit gerade irgendwo an einem Fluss oder in der Innenstadt in einem Café. Das Wetter ist nicht zu heiß und es lässt sich gut aushalten. Es scheint, als wäre alles einfach um mich herum und doch ist es eben nur Schein. Köktürk zeigt in „Fascholand“ sehr deutlich die aktuelle politische Situation und teilt damit auch meine Angst und meine Sorgen über die Zukunft, aber auch über die Vergangenheit und dem Umgang mit dieser.
„Die Konservativen zeigten unter der Herrschaft von Friedrich-Pascha-Merz durch rechtspopulistische Politik und Rhetorik ihr wahres Gesicht, sodass Angela Merkel im Rückblick wie eine Slay-Democratic-Communist-Queen erschien.“ (Seite 39)
„Ich musste Deutschland als eine Person begreifen. Und ich musste auf Deutschland zugehen. Deutschland war für mich eine Person, die verantwortlich war für meine Wut und das Leid vieler Menschen. Ein Verbrecher, der jahrzehnte- oder sogar jahrhundertelang flüchtig war und doch immer da, ganz subtil. An vielen Orten gleichzeitig. Ein Übeltäter, der Menschen Leid brachte und ihnen das Unrecht absprach, das er ihnen hinzugefügt hatte, und der immer wieder davonkam.“ (Seite 49f.)
In einer unfassbar klugen und bedeutsamen Weisen setzt sich der Autor mit Faschismus-Definitionen und den bedeutendsten Werke dazu auseinander und nimmt uns in einer intensiven Sprache mit auf seine Wege der Auseinandersetzung.
„Gott, wäre die Sprache in so wichtigen Texten doch einfacher, damit sie das kritische Denken jeder Person auf dieser Welt anregen könnte und nicht bei jedem verdammten Satz einen Kurzschluss zurückließe.“ (Seite 78)
Ich hoffe sehr, dass das Buch „Fascholand“ gerade in einer Zeit wie jetzt den Weg in viele Bücherregale und viele Hände findet. Den Weg findet in Freundeskreise, die über das Buch debattieren und sprechen. Die sich auseinandersetzen mit Vergangenheit, Aufarbeitung, Zukunft und falls vorhanden, ihren Privilegien.
„Rücksicht auf marginalisierte Gruppen, die durch Aktivismus und politische Arbeit in den letzten Jahren immer weiter nach oben aufgerückt sind, fühlt sich für die Privilegierten an wie Unterdrückung.“ (Seite 99)
„Die Kritik am Individuum brachte nichts. Die Veränderung des politischen und wirtschaftlichen Systems war notwendig, wenn universelle Menschenrechte nicht weiter gefährdet werden sollten. Und die Freiheit des Einzelnen ist Voraussetzung für die Freiheit aller.“ (Seite 205)
„Heute wird Prora tatsächlich als Wohn- und Ferienanlage genutzt. Frisch saniert, scheißteuer, direkt am Strand. In einem der Blöcke wurde 2011 eine der größten Jugendherbergen in Deutschland eröffnet. Sie bietet 402 Betten in 96 Zimmern. Hitlers Traum wurde einige Jahrzehnte später dann doch noch wahr. Wenn etwas verdeutlichen konnte, dass unsere deutsche Geschichte wie ein Monument unzerstörbar und bereit für eine frische Sanierung war, dann Prora.“ (Seite 238f)
„Gab es überhaupt eine Vergangenheit, wenn sie sich bis in die Gegenwart auswirkte?“ (Seite 295)
Deutschland, Deutschland hörst du mich? Heut' Nacht, da komm ich über dich.
Das aktuellste Buch zum anhaltenden, beschissenen "Deutschland einig Faser-Fascholand!", welches arg wichtig ist. Es wird wohl bedauerlicherweise dort ungelesen bleiben, wo es gelesen werden sollte.
8/10
Sensibilisiert und legt auch mal den Finger in die Wunde
Ich fand den Ansatz wirklich gut,
nur der Humor war nicht meiner. Ich hatte zwischenzeitlich eher den Eindruck einen Verrückten zu lesen und das hat schlussendlich der Glaubwürdigkeit geschadet. Ich verstehe das er das Stilmittel nutzt, aber es bietet dem Leser gerade dann einen „billigen“ Ausweg, wenn es eigentlich ans Eingemachte geht…
Grundsätzlich muss einem klar sein, dass hier komplexe Themen behandelt werden die mundgerecht serviert werden. Sicher gut für Leute die sich nicht ständig mit Politik und wissenschaftlichen Diskursen beschäftigen wollen oder können.
Das Positive: dieses Buch sensibilisiert. Gegen Fremdenfeindlichkeit, für mehr Empathie und genaues Hinschauen, für Nachdenken und Sich wehren.
Allerdings fand ich Canberk Köktürk, der Comedy u.a. im Dunstkreis Jan Böhmermanns verfasst, null gewitzt, sarkastisch oder humorvoll. Sondern eher unangenehm.
Es wird viel erklärt und aufgezählt, Lösungsansätze werden nicht angeboten. Bisschen wie Peter Hahne, nur andersrum. Beziehungsweise so, wie ich mir Peter Hahnes Schreibweise vorstelle- Empörung hier, entrüstetes Kopfschütteln da, wohlfeiles Niedermachen des gesellschaftlichen Istzustandes, ohne Idee oder Vorschlag zur Änderung. Schwierig.
Das Buch bietet eine sehr gute und zutreffende Darstellung Deutschlands. Die Perspektive des Autors hat mir sehr gut gefallen und war sehr lehrreich. Ich hätte mir allerdings ein paar Lösungsansätze gewünscht (auch wenn es die wahrscheinlich gar nicht gibt), am Ende des Buches bleibt man einfach nur ernüchtert zurück, weil alles was er schreibt so wahr, aber so dermaßen frustrierend ist (was vielleicht aber auch wiederum meine weiße Perspektive auf die Dinge ist, natürlich ist Canberk Köktürk nicht die Person, die den Faschismus und die strukturellen Probleme in Deutschland lösen soll oder könnte. Für mich ist das Buch also insgesamt ein gutes Werk, das Probleme in Deutschland benennt und greifbar macht und viele neue Perspektiven aufzeigt).
Sehr wichtiger und erschütternder Sachbuch-Krimi, Köktürks Humor hat nur nicht ganz mit meinem gematched und ich hätte mir ein paar Quellenangaben gewünscht.