Ich wollte dieses Buch so sehr mögen
"Dschungel" von Friedemann Karig lässt mich etwas ratlos zurück. Die Grundidee hatte durchaus Potenzial: Ein namenloser Ich-Erzähler, der nach Kambodscha reist, um seinen besten Freund Felix zu finden, von dem seit vier Wochen jedes Lebenszeichen fehlt. In den meist eher kurzen Kapiteln wechseln sich Gegenwart und Retrospektive, in der einzelne Episoden aus der Kindheit und Jugend der beiden Protagonisten beleuchtet werden, ab. Insbesondere die Rückblenden habe ich oft als wenig interessant empfunden, die Geschichte insgesamt als eher zäh und die Charaktere größtenteils als unsympathisch, weshalb ich mich über weite Teile des Buchs zum Weiterlesen zwingen musste. Gerade mit den zu Beginn des Romans immer wieder kurz aufeinander folgenden Zeitsprüngen hatte ich meine Schwierigkeiten (man hat teils erst nach ein paar Sätzen verstanden, an welchem Punkt in der zeitlichen Abfolge wir uns gerade befinden) - ja, der Autor darf ruhig etwas Mitdenken von der lesenden Person fordern, aber nicht, wenn die Erzählung dann an anderer Stelle eher platt und vorhersehbar daherkommt. Hier hat mich gerade die teils stereotypisierte Darstellung einzelner Personen und Personengruppen gestört. Auch die Beziehung des Erzählers zu seiner Partnerin war für mich nicht wirklich nachvollziehbar: An einer Stelle spricht er davon, dass sie das Beste sei, was ihm je passiert ist, an anderer Stelle wirkt er völlig desinteressiert bis hin zu genervt von ihr. Genauso fand ich die Konversationen mit anderen Reisenden nicht sehr gelungen: Beginn auf Englisch, dann plötzlich der Switch ins Deutsche - warum nicht für eine Variante entscheiden? Auch wenn ich das Ende sowie manch andere kurze Passagen sehr stark fand, konnten diese nicht mehr wettmachen, was ich über weite Teile des Romans vermisst habe, weshalb ich von "Dschungel" insgesamt eher enttäuscht bin. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das (ausgesprochen ansprechende!) Cover sowie der Klappentext in mir die Erwartungshaltung hervorgerufen haben, hier ganz viel Kambodscha zu bekommen, was schlussendlich in dem Maße nicht der Fall war.
















