23. Feb.
Rating:3.5

Schwieriger Mutter-Tochter-Konflikt

Vor Jahren hat Nora Bridge ihre Familie verlassen um Karriere zu machen. Als jetzt ein Fehltritt aus der Vergangenheit sie einholt und sie beim Publikum in Ungnade fällt, soll ihre Tochter Ruby, eine erfolglose Comedienne, einen Enthüllungsartikel schreiben … Von Hannahs ‚The Four Winds‘ war ich ja letztes Jahr restlos begeistert und man muss ehrlich sagen, an dieses Buch kommt ‚The Summer Island‘ bei weitem nicht heran. Würde ich beide Bücher direkt vergleichen, müsste sich dieses hier sogar mit drei Sternen begnügen. Die Idee an sich gefällt mir nach wie vor ganz gut; Ruby, die sich mehr oder weniger bei ihrer Mutter einschleicht um einen Sensationsartikel zu schreiben und sie dabei erst so richtig kennenlernt. Zudem begegnet sie auf der Insel, wo das Sommerhaus steht, auch noch ihrer Jugendliebe, der die letzten Tage mit seinem sterbenden Bruder verbringt. Das klingt nach viel Drama und ganz großen Gefühlen und ist es zum Teil auch. Um Eric habe ich viel geweint, seine Geschichte geht einem von der ersten Seite an unglaublich nah. Auch die anderen Teile haben gute Aspekte, ich mochte vor allem die ersten Tage von Ruby und ihrer Mutter auf der Insel, wo die Tochter widerwillig hilft und am liebsten irgendwo anders wäre, nur nicht da, wo sie ist. Dagegen Nora, die es gewohnt ist das Sagen zu haben und sich zusammenzureißen muss, die Tochter nicht noch mehr gegen sich aufzubringen und zugleich vor den Trümmern ihrer Karriere steht. Allerdings wird mir dann ab der ersten Annäherung der beiden das Buch an vielen Stellen zu schwülstig und zu ‚amerikanisch‘ und man merkt streckenweise schon sehr, dass der Roman fast ein Vierteljahrhundert alt ist. Die Ansichten zu Ehe und Beziehungen sind manchmal schon etwas … naja. Sehr deutlich wird das, als Caroline auftaucht, völlig fertig, abgemagert, kurz vor dem Burnout, komplett allein gelassen von ihrem Mann (der sie vielleicht betrügt) und Noras Ratschlag ist, dass sie um ihren Mann kämpfen muss, wenn sie ihn wirklich liebt, sonst ist sie irgendwann unglücklich und ihre Kinder auch. Ein paar Stunden später taucht Jere dann auf und Caroline fährt auch direkt wieder mit ihm nach Hause. Äh, ja … finde ich ehrlich gesagt schwierig, so wie Noras ganze Einstellung zu Ehe und Familie - aushalten, kämpfen, verzeihen um jeden Preis. Und ein Leben ist nur lebenswert, wenn man als Frau immer seine Mama als beste Freundin um sich hat … Ich hake ‚The Summer Island‘ aber jetzt einfach mal ab, denn ich will die Autorin einfach so gerne weiter mögen weil ich ‚The Four Winds‘ so sehr geliebt habe.

Insel des Lichts
Insel des Lichtsby Kristin HannahUllstein Buchverlage