1. Jan.
Post image
Rating:3

Als dieses Buch 1979 geschrieben wird, ist der Begriff "toxische Beziehung" noch nicht erfunden. Angela, 37, verheiratet, 4 Kinder, und halbtags als Grundschullehrerin tätig, reibt sich für alle auf. Als älteste Tochter (die beiden Brüder sind ausgewandert, die Schwester alleinstehend) ist sie eingezwängt in die widerstreitenden Gefühle von Dankbarkeit, Verbundenheit, Fürsorge und Liebe gegenüber den Eltern und zugleich den eigenen Interessen und denen ihres Mannes und ihrer Kinder. Es macht mich fertig, wie sie niemals aufbegehrt, nie ihre eigenen Interessen nach vorne stellt. Sie lebt unter dem Narrativ der zur Dankbarkeit verdammten Tochter, deren Mutter alles für sie getan und ihr eine glückliche Kindheit beschert hat, weswegen es die Mutter nun im Alter mehr als verdient hat, dass sich Angela um sie kümmert.   Dieses Joch hängt Angela auch ihren Kindern um, besonders ihrer Tochter Sadie. Und auch Schläge sind in den 60er Jahren  gängiger Teil der Kindererziehung, in einem Nebensatz taucht dies gelegentlich im Buch auch. Nie so werden wollend wie die eigene Mutter, setzt Angela dennoch auch in der Beziehung zu ihrer Tochter die Standards an, unter denen sie selbst litt. Um gleichzeitig unter der dadurch verursachten Entfremdung zu ihr zu leiden. Erst mit dem Tod der Mutter kann Veränderung möglich werden. Am Ende des Romans zeichnet sich eine zarte Annäherung zwischen Angela und Sadie ab.   Zwischendurch konnte ich Angelas Gefangenschaft und die Schilderungen der unselbstständigen, stets jammernden Mutter kaum ertragen; das Buch verharrte mir zu oft und ich wusste nicht, wohin die Autorin mit der Geschichte möchte. Für mich hat es 💜💜💜.

Es sind die Töchter, die gefressen werden
Es sind die Töchter, die gefressen werdenby Margaret ForsterUllstein Taschenbuch Verlag