Spannender Krimi in dem man sich als Leipziger aufgrund der Ortskenntnis der Ereignisorte besonders hineinversetzen kann. Von mir eine klare Leseempfehlung.
Ein gutes Buch, ein wirklich gutes Buch. Das wird schon dadurch deutlich, das ich es in für mich „Leserekordzeit“ geradezu verschlungen habe. Sicher, als gebürtiger Leipziger und bekennender Lokalpatriot gibt es einen ganz besonderen Bezug zu den Tat- und Ermittlungsorten die den von Spannung gefesselten Leser in den Auerbachs Keller und in den geheimen Stasibunker nach Machern führen. Die Geschehnisse spielen sich im Umbruch befindlichen Leipzig als neues Städtemitglied der noch frischen Neuen Bundesländer ab. Einer Zeit die, wenn man sie wie ich selbst erlebt hat, ganz besondere Eigenheiten aufzuweisen hat. Das Buch erzählt auch von Hoffnung, Enttäuschung, alter und neuer Wunden, Wut und „Dämonen“ der Vergangenheit. Nicht überspitzt und nicht reißerisch , eher nüchtern einschätzend und mit hohem Wahrheitsgehalt. So sind mir als „Nebenschauplatz“ des packenden eigentlichen Themas diesbezüglich einige Passagen als erwähnenswert im Gedächtnis geblieben: „Die Stadt veränderte sich seit der Wiedervereinigung jeden Tag ein bisschen mehr. Manches beschädigte Haus verwandelte sich wie durch Zauberhand. Aus aschgrauen bröckelnden Fassaden wurden nach der Sanierung plötzlich Prachtbauten. Waren das noch dieselben Gebäude? War das noch dieselbe Stadt?“ Wer mich ein wenig näher kennt, weiß das ich/wir (mein Freund Bert) damals einige Nachmittage mit der Kamera durch die Straßen Leipzigs gezogen sind, um genau diesen Aufbruch aber auch den Abbruch festzuhalten. Zugegeben mit gemischten Gefühlen, den einerseits gab es für eine Vielzahl historischer Bauten eine Rettung, andererseits verschwand auch manches auf nimmer Wiedersehen. Keine Kenntnis hatten wir damals über die Probleme der einstigen Mieter, wir waren jung und interessierten uns mehr für die Gebäude, für das Gesicht unserer Heimatstadt welches sich mehr und mehr veränderte. Einige Narben verschwanden, anderes sah aus wie zu kräftig geschminkt. „Bananen waren wirklich etwas Besonderes. Zu DDR-Zeiten wusste man des, weil es so gut wie keine zu kaufen gab. Sie kamen aus Ländern, die der gewöhnliche Ostdeutsche nie sah. Jetzt wurden sie in jedem Supermarkt und jedem Tante-Emma-Laden von der Ostsee: bis zum Erzgebirge angeboten. Und niemand beachtete sie mehr groß. Niemand wusste dieses Geschenk der Natur noch zu schätzen. Obwohl diese exotischen Früchte perfekt aussahen, perfekt schmeckten. Wie vergesslich die Menschen doch waren, wie undankbar.“ Wer kennt die nicht, die Witze über den Ossi und seine erste Banane. Aber auch hier zeigt sich schnell, alles, was man dauerhaft hat, verliert seinen Reiz und seinen Zauber. Hatte die Mangelwirtschaft diesbezüglich vielleicht sogar Vorteile 🙃 Der Neustart der Neuen Bundesländer war schwer, sehr schwer. Für Viele voller unerwarteter Enttäuschungen, Entbehrungen und Wut. Für manche gab es zwar einen Blitzstart aber dann fuhren sie mit ihrem Leben quasi gegen die Wand, oder besser das Leben fuhr mit ihnen gegen die Wand. Viele kamen zumindest ins Schlingern. »Wissen Sie, das wirkliche Problem ist, dass wir hier am Ende sind. Am Ende mit dem System. Am Ende mit der Planwirtschaft. Am Ende mit dem gesamten Land. Am Ende mit dem sogenannten Volkseigenen Betrieb.» „Streichen Sie mal beim Wort Wende den ersten Buchstaben. Oder versuchen Sie, in einer Sackgasse die Kurve zu kriegen.“ Also nicht nur wegen des spannenden Krimigeschehens eine lesenswerte Lektüre. Die Haupthandlung ist rund oder besser gesagt auch einige Zufälle machen sie letztendlich rund. Gut zu lesen. Ob diese Einschätzung auch ein „Literaturpapst“ teilt, der das Buch „zerreißt“ kann ich nicht einschätzen, mir hat es jedenfalls gefallen und mich beim Lesen geradezu gefesselt. 👍🏻 Nachtrag: Eine Passage ist mir irgendwie unklar, zumindest erscheint sie mir unrealistisch. „Jemand hatte ihm direkt in die Stirn geschossen“….“wie es aussah war auf…..geschossen worden, dann hatte er sich vermutlich noch bis hierher geschleppt und in den Sessel fallen lassen. Der Täter musste ihm gefolgt sein und schließlich den Schwerverletzten erstochen haben“ Mit einem Kopfschuss🤔Also ich hätte den Tathergang andersherum aufgebaut, erst mit Messerstichen schwer verletzt und dann den finalen Schuss in die Stirn.
