Ein düsterer, sehr persönlicher Harry-Hole-Fall, der vertraute Muster aufgreift, stellenweise berührt, insgesamt aber wenig Neues bietet und sich stark auf Vertrautes verlässt.
Jo Nesbø - Messer Was ist schlimmer: Vergewaltigt und anschließend getötet zu werden? Oder dabei geschwängert zu werden und gezwungen zu sein, dieses Kind auszutragen? Zum Buch Ein brutaler Mord erschüttert Oslo und führt Harry Hole an einen Punkt, an dem berufliche Distanz kaum noch möglich ist. Während ein alter Feind erneut ins Blickfeld rückt, verschwimmen Erinnerung, Schuld und Wahrheit zunehmend. Die Ermittlungen zwingen Harry, sich nicht nur mit dem Täter auseinanderzusetzen, sondern auch mit den dunkelsten Teilen seiner eigenen Vergangenheit. Schreibstil Jo Nesbø scheut auch in diesem Band keine unbequemen Fragen. Wie schon zuvor bedient er sich eines Monsters, das wir als Leser längst kennen. Auch das Schicksal von Harry Hole folgt vertrauten Bahnen. Ein Schicksalsschlag oder ein besonders belastender Fall genügt, und Harry verliert erneut den Halt, verfällt dem Alkohol und setzt alles aufs Spiel. Im Finale gelingt es ihm dennoch, den Täter zu stellen, kurz bevor er sich selbst vollständig verliert – nicht ohne schwere Blessuren davonzutragen. Und ja: Wieder einmal sind ihm sämtliche Frauen verfallen, denen er begegnet. Eine Tatsache, die man irgendwann eher mit einem Seufzen als mit Verwunderung hinnimmt. Bitte nicht falsch verstehen: Ich liebe Harry Hole. Er ist eine komplexe, widersprüchliche Figur mit Tiefe und Charakter, und Jo Nesbø ist ohne Zweifel ein begnadeter Erzähler. Gerade weil ich die Harry-Hole-Romane derzeit in einem Durchgang lese, treten jedoch die wiederkehrenden Muster deutlicher hervor, als es vermutlich beim Lesen über viele Jahre hinweg der Fall wäre. Fazit Messer hat mich berührt, stellenweise erschüttert und mir zugleich vor Augen geführt, wie vertraut mir diese Reihe inzwischen geworden ist. Rückfälle, Eskalationen, Schuld und der immer gleiche Kampf gegen die eigene Zerstörungskraft – vieles fühlt sich bekannt an, ohne seine Wirkung völlig zu verlieren. Nesbø versteht es weiterhin, kleine Details zu streuen, die sich erst am Ende zu einem grausamen Gesamtbild fügen. Einzelne Szenen gehen nah und bleiben hängen. Messer ist der vorletzte Fall von Harry Hole. Ich werde mich nun dem letzten widmen – und hoffen, dass es am Ende doch nicht wirklich der letzte bleibt. Andernfalls würde Harry mir fehlen.


















