Irgendwann werden wir uns alles erzählen beeindruckt vor allem durch seine klare, raue und zugleich sinnliche Sprache. Die Natur, der graue Alltag der Bauernhöfe und die Stimmung der Wendezeit sind so bildstark beschrieben, dass man Hitze, Enge und Aufbruch fast körperlich spürt. Ein Roman, der vor allem durch Atmosphäre und sprachliche Kraft nachwirkt.
Intensiv, unbequem und eindringlich – eine Liebe im Schatten des Umbruchs
In "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien taucht man in den Sommer 1990 in der ehemaligen DDR ein. Eine Zeit, in der plötzlich alles möglich scheint und sich doch vieles noch fremd anfühlt. Die 17-jährige Maria lebt mit ihrem Freund auf einem Bauernhof, eingebettet in den Alltag einer Familie, die von festen Strukturen, harter Arbeit und einem Leben unter einem Dach geprägt ist. Zwischen Stallgeruch, Ernte und gemeinschaftlichen Abläufen beginnt Maria, sich selbst neu zu entdecken. Als sie dem deutlich älteren Nachbarn Henner begegnet, gerät sie in eine intensive, körperliche und zugleich verstörende Beziehung, die sie emotional überfordert und nicht mehr loslässt.
Was dieses Buch so besonders macht, ist nicht nur die Geschichte selbst, sondern das Gefühl dieser einzigartigen Zeit. Die neu gewonnene Freiheit ist allgegenwärtig: plötzlich nicht mehr „eingesperrt“ zu sein, reisen zu dürfen, wohin und wann man möchte, dass schwingt leise, aber eindringlich mit. Gleichzeitig wird deutlich, wie fremd sich diese neue Welt anfühlen kann. Der Westen wirkt verheißungsvoll und zugleich distanziert, fast unwirklich. Diese Zerrissenheit zwischen Aufbruch und Unsicherheit überträgt sich auch auf Maria, die ihren eigenen Weg erst noch finden muss.
Ebenso eindrucksvoll ist das Leben auf dem Bauernhof geschildert. Man spürt die Routinen, die körperliche Arbeit, das Funktionieren im Familienverbund. Jeder hat seine Aufgabe, jeder trägt seinen Teil bei und genau darin liegt auch eine gewisse Enge, aus der Maria auszubrechen versucht. Dieses dichte, authentische Setting verleiht der Geschichte eine besondere Bodenständigkeit und macht sie greifbar.
Die Beziehung zwischen Maria und Henner ist dabei der emotionale Kern und gleichzeitig das Unangenehmste an diesem Buch. Als junges, unerfahrenes Mädchen gerät sie in eine Dynamik, die man beim Lesen kaum aushält. Es ist intensiv, verstörend und stellenweise wirklich mit Bauchschmerzen verbunden. Doch genau diese schonungslose Ehrlichkeit macht den Roman so kraftvoll.
Trotz seiner Kürze enthält das Buch alles, was eine gute Geschichte braucht: starke Atmosphäre, komplexe Figuren und Emotionen. Es ist ein gelungenes Erstlingswerk, das sich unglaublich flüssig lesen lässt. Ich habe es an einem Tag regelrecht inhaliert, auch wenn es alles andere als leichte Kost ist.
Ein eindringlicher, vielschichtiger Roman über Freiheit, Orientierung und eine Liebe, die mehr zerstört als erfüllt. Atmosphärisch dicht, emotional fordernd und absolut lesenswert und macht definitiv Lust auf mehr Bücher von der Autorin.
Ich hab mich am Anfang schwergetan reinzukommen und durch die vielen Leute durchzublicken. Auch die sex. Gewalt war hart zu hören zu Beginn. Später hab ich dann akzeptiert, dass ich auf dem Brendelhof einfach nicht durchblicke und konnte mich auf die Handlung einlassen.
In "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien geht es um die 17-jährige Maria, die bei ihrem Freund Johannes und dessen Familie auf einem Bauernhof lebt. Die Handlung spielt kurz nach der deutschen Wiedervereinigung. Maria schwänzt häufig die Schule, hilft nur selten auf dem Hof mit und verliert sich stattdessen oft in ihren Tagträumen.
Schon bald lernt sie den eigenbrötlerischen 40-jährigen Henner kennen, mit dem sie eine Affäre beginnt.
Der Schreibstil von Krien ist für mich der einzige wirklich positive Aspekt des Buches. Er ist sehr flüssig und leicht zu lesen, sodass man schnell durch die Seiten kommt.
Inhaltlich hat mich das Buch jedoch ziemlich schockiert. Für mich reihte sich eine Szene sexualisierter Gewalt, Brutalität und Erniedrigung an die nächste – und das Ganze wird dabei teilweise fast romantisch dargestellt. Das empfand ich als sehr problematisch.
Auch die übrige Handlung blieb für mich oberflächlich. Viele Fragen werden kaum oder gar nicht beantwortet: Warum ist Maria so früh von zu Hause ausgezogen? Weshalb schwänzt sie ständig die Schule? Und wie sieht eigentlich das Leben auf einem Hof in der Nachwendezeit wirklich aus?
Für mich war dieses Buch daher leider ein Reinfall.
*Ein intensiver Roman über Verlangen, Freiheit und die schwierigen Entscheidungen des Erwachsenwerdens.
Daniela Krien erzählt leise – und gerade deshalb so eindringlich.*
Sommer 1990 in Thüringen. Die junge Maria lebt auf dem Hof ihres Freundes und versucht, ihren Platz zwischen Familie, Zukunft und der neuen Zeit nach der Wende zu finden.
Als sie dem älteren Nachbarn Henner begegnet, beginnt eine Beziehung, die alles verändert – intensiv, widersprüchlich und kaum kontrollierbar.
Daniela Krien erzählt eine Geschichte über Begehren, Schuld und Erwachsenwerden. Der Roman zeigt, wie stark Gefühle sein können, wenn man jung ist und die Welt gerade dabei ist, sich neu zu ordnen. Die politische Zeit des Umbruchs bildet dabei den Hintergrund für eine sehr persönliche Geschichte über Sehnsucht, Freiheit und Verantwortung.
Mich hat der ruhige, klare Ton des Romans sehr beeindruckt. Daniela Krien schreibt präzise, unaufgeregt und doch sehr intensiv. Maria ist eine Figur, die man nicht immer versteht, aber gerade deshalb ernst nimmt. Ihre Entscheidungen wirken manchmal impulsiv, manchmal unvernünftig – und genau das macht sie glaubwürdig. Der Roman zeigt, wie kompliziert Liebe sein kann, wenn sie nicht in die Erwartungen der anderen passt.
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
Weil Irgendwann werden wir uns alles erzählen eine Geschichte über Begehren und Verantwortung erzählt, ohne zu urteilen. Und weil Daniela Krien mit großer Ruhe eine Beziehung beschreibt, die gleichzeitig schön und zerstörerisch sein kann.
#IrgendwannWerdenWirUnsAllesErzählen #DanielaKrien #ComingOfAge #LiebeUndBegehren
Ich weiß nicht was ich erwartet habe?! Möglicherweise einen leichten Roman über die Zeit der Wiedervereinigung, die Veränderung die die Menschen durchmachen mit dem kleinen Sidekick das ein junges Mädchen eine Affäre mit einem mehr als doppelt so alten Mann beginnt. Eigentlich lese ich sowas nicht, wollte aber mal was Neues wagen, weil es ein relativ kurzes Hörbuch war.
Tja, here I am, heulend wie ein Schlosshund sitze ich da und verstehe die Welt nicht mehr.
Ich möchte gar nix dazu sagen außer: Lest es! Hört es! Was auch immer. Aber wenn ihr Bock auf Herzschmerz habt dann gönnt euch.
Ich denke seid gestern ununterbrochen an dieses Buch und mir kommen immer wieder die Tränen. Ich habe schon lange nicht mehr so mitgefühlt. Es gibt auch eine Verfilmung. Die kann ich mir im Moment noch nicht anschauen 🥺
Schon allein dieser Titel...ich möchte schon wieder weinen. 💔
Bitte lest dieses Buch 💯
"In Liebesdingen, das habe ich festgestellt, sind die Älteren oft ebenso dumm wie die Jungen."
Zu Beginn bin ich nicht recht in die Geschichte gekommen, habe sogar kurz mit mir gehadert, ob ich das Buch nicht wieder weglege.
Dann hatte es mich aber doch und jetzt am Ende fehlen mir die Worte. Ich glaube, ich stehe selbst noch unter Schock nach dem Ende.
Intensiv, fesselnd, tragisch…für mich ein kleines Meisterwerk!
Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages verschlungen.
Es ist tragisch, spannend, bildhaft und historisch präzise im Wendejahr angesiedelt. Der Schreibstil ist sensationell und hat mich wirklich sehr begeistert.
Es ist eine dieser Geschichten die einen mit voller Wucht erfasst und nicht mehr so schnell loslässt.
Für mich ein Highlight und ganz sicher nicht das letzte Buch der Autorin!
Obwohl ich mir etwas anderes unter dem Buch vorgestellt hab, nachdem ich den Buchrücken gelesen hatte, hat mich die Geschichte doch gefesselt und nicht mehr losgelassen. Der Schreibstil der Autorin ist super angenehm und führt einen sehr bildlich durch die Geschichte. Während die Protagonistin einen mit in ihr Leben nimmt und die komplizierte Beziehung zu Henner immer mehr Gestalt annimmt, schwankt man zwischen Ekel, Abscheu und mitfiebern sowie der Frage, wie das alles wohl ausgehen wird. Es ist ein Buch, welches zum nachdenken anregt, sowohl in Bezug auf die DDR und die Wiedervereinigung, aber auch auf die Frage was Liebe eigentlich ist, was Heranwachsende unter Liebe verstehen, das Bedürfnis gesehen zu werden und eine Bedeutung im Leben anderer zu haben.
Auch wenn es schon einige Wochen her ist, seit ich das Buch gelesen habe, denke ich doch noch recht häufig an Maria und Henner und wie die Geschichte der beiden ein Ende nahm, welche man nicht hat kommen sehen.
Daniela Krien zeigt in „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ eindrucksvoll die Orientierungslosigkeit und Aufbruchstimmung der Wendezeit. Mit feiner Symbolik verknüpft sie persönliche und gesellschaftliche Neuanfänge zu einem vielschichtigen, eindringlichen Text.
Sehr interessant geschrieben.
Das Buch / der Schreibstil hat mich sofort in den Bann gezogen.
Es ist sehr lesenswert. Ich mag viele Bücher der Autorin und kann fast alles andere auch empfehlen.
Die Geschichte ist sicherlich nicht für jeden was. Auch nicht das Ende.
Der Roman spielt um die Wende in Ostdeutschland, auf einem Hof, der wirkt, wie aus einer anderen Zeit. Eine ganze Familie lebt dort, Großmutter, ein alter Knecht, die Eltern und die Nachkommen. Der Sohn, Johannes, ist der Freund von Maria - der sechzehn-, später siebzehnjährigen Ich-Erzählerin. Sie geht nicht mehr zur Schule, hilft auf dem Hof der Familie ihres Freundes bei der Arbeit. Während dort durch die Öffnung der Grenze neue Ideen und Einflüsse langsam Veränderung eintritt, so verändert sich auch Maria: Sie beginnt eine Affäre mit dem mehr als doppelt so alten Henner, einem etwas verrufenen Junggesellen, dem ein Hof im Dorf gehört. Was als verbotene, fast schon missbräuchlich anmutende Situation beginnt, wird für Maria zum Sehnsuchtsort, an dem sie sich frei, sinnlich und erwachsen fühlt. Henner wird zu ihrer ersten großen “Liebe”, für die sie bereit ist, ihre Zukunft, ihre Beziehung und nicht zuletzt ihren Ruf zu opfern.
…
Mir hat der Sprachstil sehr gut gefallen, ruhig und gewissenhaft - wie Hofmenschen, die ihren täglichen Aufgaben nachgehen. Die Sehnsucht, die Maria in ihrer Jugendlichkeit entwickelt, ist glaubhaft und einfühlsam erzählt. Was Maria als “Liebe” bezeichnet, hat jedoch einen wenig romantischen Beigeschmack- Henner kann sensibel und fürsorglich sein, aber auch brutal - mehr als einmal wird geschildert, dass er sie sexuell bedrängt und zu weit geht. Schwierig.
Man ist beim Lesen schnell drin in dem von Maria empfundenen Sog und fürchtet und weiß zugleich, dass diese heimliche Geschichte kein gutes Ende nehmen kann.
Ich habe „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ in anderthalb Tagen durchgelesen – es ließ sich also wirklich leicht und flüssig lesen. Die Geschichte an sich fand ich interessant, vor allem wegen des großen Altersunterschieds der Liebenden. Gerade dieses Thema gefällt mir, weil es zeigt, dass Liebe keine klaren Grenzen kennt. Trotzdem muss ich sagen: Spektakulär war das Buch für mich nicht. Insgesamt würde ich es eher als einen seichten Liebesroman einordnen – nett für zwischendurch, aber ohne bleibenden Eindruck.
Auf den ersten Seiten hatte ich noch Mühe und dachte mir schon, oje, was wird das. Dann hat mir Daniela Krien mit ihrer Erzählkunst aber den Ärmel reingezogen. Jede Szene sah und spürte ich. Auch wenn es in einer anderen Zeit spielt, erinnerte es mich an "Das finstere Tal" von Thomas Willmann (lesen!). Unerwartet gut, empfehlenswert!
Die 16jährige Maria, Freundin von Johannes, lebt und arbeitet auf dem Bauernhof seiner Eltern und verfällt in einen Liebestaumel mit dem 40jährigen Nachbarn, während im Hintergrund die DDR untergeht.
Grandioser Debütroman
Es gibt wohl einige Parallelen zum Leben der Autorin.
Großartiger Schreibstil einer coming of age Geschichte.
Trigger-Warnung beim Thema sexualisierte Gewalt.
Mich lässt das Buch etwas bedrückt und gespalten zurück.
Es ist sehr gut geschrieben und es ist auch spannend, aber teilweise war es thematisch für mich zu schwer weiterzulesen. Dennoch würde ich es weiterempfehlen. Ich denke, es ist Teil der Realität. Die Autorin beschreibt es einfach zu gut,
Was für eine Atmosphäre !
Welch feiner Erzählton !
Marias Geschichte hat mich direkt in ihren Bann gezogen.
Was für eine dramtische und doch auch wunderbare Geschichte.
Manchmal konnte man beinahe die zeitliche Einordnung des gerade vor der Wiedervereinigung stehenden Deutschlands vergessen - so einfach und ursprünglich kommt einem das bäuerliche Leben im damaligen Ostdeutschland vor.
Man ahnt, dass es für Maria und Henners Beziehung kein Happy End geben kann und wird ...und erschrickt dennoch zum Schluß.
Ein feines, nachdenklich stimmendes Buch.
Absolute Leseempfehlung!
Wahnsinnig toll gelesen von Anna Thalbach. Die Hauptfigur Maria, aus deren Sicht alles erzählt ist, hat sie toll getroffen- in ihrer kindlichen Naivität, jedoch dem Erwachsensein so hingebungsvoll entgegenblickend. Fand ich stark, wobei der Inhalt teilweise echt hart ist und man immer wieder hin und her schwankt.. zwischen der Liebe, die viel zu ungleich und grob ist und gleichzeitig so echt und blind seitens Maria.. ich war da echt angewidert und mitgerissen zugleich..
Ich weiß nicht genau warum, aber das Buch hat mich total gepackt und ich konnte es kaum weglegen. Ich mochte die Atmosphäre sehr, es hat sich fast so angefühlt, als wäre man selbst auf einem ostdeutschen Hof in einem sehr heißen Sommer
Eine Geschichte, in die hineingefunden werden muss. Stellenweise hat es mich an belletristisches Dark Romance erinnert.
Es ist eine Coming-of-age-Geschichte, eine Geschichte über Verlangen, Gewalt und eine Auseinandersetzung mit der Wiedervereinigung.
Der Text bietet viel Interpretationsspielraum. Aber ich bin nicht warm mit ihm geworden. Sprachlich hat er mich überzeugt, aber inhaltlich finde ich einiges problematisch: Der Age-Gap, bestimmte "spice" Szenen, das Frauenbild und die Gleichgültigkeit der anderen Figuren in Sachen Mädchenbildung.
Provokant aber ziemlich gut aus dem Leben gegriffen. Im Alter der Protagonistin ist es gewiss ein rotes Tuch einen wesentlich älteren Mann anziehend zu finden aber absolut keine Seltenheit. Aufreibend und emotional geschrieben und ich persönlich finde das Ende überraschend.
Pragmatisch geschrieben und dennoch emotional. Ich hab mir ein kleines bisschen was anderes unter dem Buch vorgestellt, fand es aber dennoch ansprechend. Der Schreibstil hat mir total zugesagt und Daniela Krien hat mehrfach sehr kluge Sätze formuliert, die das ganze komplett abgerundet haben. Nebenbei gab’s ein bisschen Umbruchsstimmung von DDR zu BRD und vor allem eine krachende Liebesgeschichte.
Worum geht's?
1990 in Thüringen. Maria ist 16 und lebt bei der Familie ihres Freundes Johannes auf dem Bauernhof. Auf dem Nachbarhof lebt der 40jährige Henner. Und Maria verliebt sich in ihn.
Daniela Krien hat nun offiziell einen Fan mehr. Sie hat einen tollen Schreibstil, klar und direkt. Damit erzeugt sie eine dichte Atmosphäre. Ich konnte den Roman fühlen, riechen, hören und sehen. Es war ein unglaublich tolles Leseerlebnis.
Vor allem Maria war so grandios beschrieben, aus ihrer Sicht ist das komplette Buch erzählt. Sie ist ein absolut authentischer Teenager, ich habe mich in vielen ihrer Gedanken wiedererkannt, wie ich zu dieser Zeit war.
Warum dann nur 4 Sterne? Ich hadere sehr mit dem Thema des Buches, junges Mädchen liebt älteren Mann. Henners Verhalten fand ich in vielem übergriffig, was Maria aber romantisiert. Da wir aber die Geschichte rein aus ihrer Perspektive kennenlernen, fehlte mir hier eine Einordnung.
Die Story war spannend und das Ende für mich sehr gut gelungen. Und ich vermute stark, dass mich das Buch noch länger gedanklich beschäftigen wird.
Ganz große Leseempfehlung!!
Die Geschichte der Maria, die immer mehr in ein Doppelleben rutscht.
Schockierend und Fesselnd zugleich. Das Dorf in der ehemaligen DDR kann man sich gut vorstellen. So eindringlich schildert die Autorin die Protagonisten, das man nicht viel Phantasie braucht, um sich einzufühlen. Absolute Leseempfehlung.
3.75 Sterne.
Begeistert hat mich die Sprache, so zart und sachlich und doch ein wenig poetisch. Das schwere Thema wird so beiläufig behandelt. Die Geschichte an sich hätte jedoch noch Potenzial. Abgesehen von Maria und teilweise dem Henner bleiben alle Figuren sehr flach. Für meinen persönlichen Geschmack waren manche Szenen unnötig grafisch dargestellt. Und das Ende bleibt irgendwie in der Luft hängen.
I really understand, why people might like and appreciate this, but I think, what others would call "poetic" I would call rather tame and cowardly written. The story gets washed out by her attempts to set the scene.
- DDR, 1990
- Grooming
- SA
- Forbidden „love“
- Age gap
- Movie title: „At some point we will tell ourselves everything“
Auch mein zweites Buch von Daniela Krien konnte mich überzeugen:
Die junge Maria verfällt dem älteren Henner. Er betreibt den Nachbars Bauernhof, während Maria bei der Familie ihres Freundes Johannes lebt…
🩵Zitat🩵
„Ich weiß nicht, wie oft ich einen solchen Moment noch schaffen werde, wie weit eine Lüge getrieben werden kann, doch ich vermute weiter als ich je geglaubt habe.“
Ich habe an einigen Stellen gelesen, dass die Autorin mit diesem Buch Missbrauch romantisiert, das finde ich persönlich überhaupt nicht. Allein schon das Ende zeigt, dass die Autorin genau wusste, worum dieses Buch geht und auch die Personen im Buch wussten, dass es falsch und krankhaft ist, was hier passiert ist. Mehr möchte ich Euch nicht spoilern, die Trigger sind denke ich klar.
Für mich, die vor sehr vielen Jahren etwas Ähnliches erlebt hat (Altersunterschied und ich habe erst später verstanden, dass es keine Liebe gewesen sein kann), wurde die ganze Sache sehr realistisch dargestellt. Getriggert hat es mich überhaupt nicht. Es ist sehr wichtig, offen über solche Themen zu sprechen.
Ich finde das Buch sehr empfehlenswert, es ist keine Liebesgeschichte, das Setting in der ehemaligen DDR gibt dem Ganzen noch so einen etwas bitteren Anstrich, ich habe die Lektüre doch sehr genossen und finde, dass vor allem junge Frauen sich das Buch holen sollten.
Macht Euch gern ein eigenes Bild!
5/5⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
„Ich bin nicht mehr die, die ich einmal war. Aber wer bin ich jetzt?“
„Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ spielt im Sommer 1990 in einem ostdeutschen Dorf. Die 16-jährige Maria lebt mit ihrem Freund auf dem Hof seiner Eltern, doch sie fühlt sich fremd und verloren. Als sie dem deutlich älteren Nachbarn Henner näherkommt, beginnt eine intensive, aber gefährliche Beziehung.
Ich war sofort von Daniela Kriens Schreibstil gefesselt. Er ist irgendwie total besonders und hat mich überhaupt nicht mehr losgelassen. Ab und an haben mich verschiedene Ereignisse, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet hätte, teils erschüttert, teils geschockt. Hatte das Buch innerhalb ein paar Tagen durch und nun direkt ein neues Buch von Daniela Krien begonnen.
"Vier ganze Tage bleibe ich bei ihm. Anfangs muss ich immer wieder weinen. Der Umschwung vom Sterbenwollen hin zum Glücklichsein erschöpft mich unsagbar."
„Essen, schlafen, lieben, lesen, arbeiten. Mehr ist es nicht. Und es ist doch alles.“
"[D]ie Schande wird an mir kleben wie Pech. Das ist in unserem Dorf auch 1990 noch so, wie es schon immer war." (S. 76)
Sommer 1990 in einem thüringischen Dorf. Die innerdeutsche Grenze ist gefallen, doch die Menschen sind skeptisch. Was bedeutet das für sie, ihre Arbeit und die Zukunft?
Es ist ein kärgliches, bäuerliches Leben, das die Familie auf dem Brendel-Hof führt. Jede Hilfe wird gebraucht. Bei ihnen wohnt die 16-jährige Maria. Sie ist mit Johannes, dem Sohn der Familie, zusammen. Hier und da hilft sie auf dem Hof, doch für die harte Arbeit ist sie nicht gemacht; die Schule schwänzt sie meist. Ihre Leidenschaft ist das Lesen - doch da ist noch etwas ... Jemand: der Nachbar auf dem Henner-Hof. Maria und er fühlen sich auf überwältigende Weise voneinander angezogen. Und obwohl Henner doppelt so alt ist wie Maria, stürzen sie sich in eine gefährliche und leidenschaftliche Beziehung.
Daniela Krien zeigt auf subtile Weise, wie Welten aufeinanderprallen: die eines geteilten Landes, das plötzlich vereint werden soll, und die einer jungen Frau, die sich in eine riskante, ungleiche Beziehung stürzt.
Während das Land seine politischen Grenzen verliert und der Duft der Freiheit durch die Luft weht, sucht Maria nach einer anderen Art von Befreiung. In der stürmischen Beziehung zu Henner reißt sie ihre persönlichen inneren Grenzen ein.
Es ist ein intensiver und atmosphärisch dichter Roman, dessen Setting wie aus einer fernen Zeit scheint. Mit klarer und doch emotional aufgeladener Sprache fängt Krien die Ambivalenz ihrer Charaktere ein. Mittels weniger Worte bringt sie ihre inneren Konflikte und die unterdrückten Sehnsüchte ans Licht. "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" - wirklich?! Ist nicht jedes Herz eine verschlossene Mördergrube, voller unerzählter Geheimnisse und ungestillter Sehnsüchte ...
Puh, harte Kost, die Psychopathologie der 16jährigen Maria, die sich in eine missbräuchliche Beziehung zu dem 40jährigen Henner begibt, nachdem er sie vergewaltigt hat, danach aber auch zärtliche und fürsorgliche Momente beinhaltet. Was Maria antreibt, sich so in dieser Beziehung zu verlieren, mit der sie die Grenze zur Selbstverletzung überschreitet, ist für mich die Frage dieses Romans. Eine einfache Antwort gibt es selbstverständlich nicht. Zudem bedarf es einer gewissen Distanz der Leser:innen, da die Geschehnisse ungebrochen aus der Sicht von Maria geschildert werden. Eine wirklich schmerzhafte Lektüre.
1990, Wendezeit, Deutschland ist im Umbruch – ich kann mich noch genau an diese Zeit erinnern, an dieses Versprechen und auch die Sorge, wie die Zukunft wird, wenn sich die beiden Hälften Deutschlands wieder vereinen. „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ ist Daniela Kriens Debütroman und spielt in dieser Zeit in einem Dorf in der Nähe der deutsch-deutschen Grenze. Es geht um Zukunft, Zweifel und Liebe.
Es hat mich sprachlich umgehauen, welche Ausdruckskraft Daniela Krien hat, sie schafft es, die Stimmung, die Gefühle so rüber zu bringen, dass man als Leserin auch das Unausgesprochene spürt. Hier war es die Intensität der Gefühle von Maria und Henner und der Verschlafenheit des Dorfes, des Kummers der Mutter, der Angst der Menschen vor der Veränderung, der Begeisterung der Menschen über die Veränderung, die tiefliegenden Schmerzen der Erinnerung.
Es ist eine brachiale Leidenschaft, die über Maria und Henner herein bricht. Ich finde es teilweise erschreckend und beängstigend, gewaltvoll und schmerzhaft. Es ist eine Liebe, Besessenheit vom anderen, die über ein gesundes Maß hinausgeht.
Es ist eine unglaublich schmerzhafte Geschichte und es gibt Szenen, die schwer zu ertragen sind. „Die Brüder Karamasow“ sind wie eine Klammer um die Geschichte. Ein Buch, dass unter die Haut geht und eine*n heftig schüttelt beim Lesen. Eine absolute Leseempfehlung!
Irgendwann werden wir uns alles erzählen von Daniela Krien aus dem #grafverlag
💔
Es fällt mir unheimlich schwer, meinen Leseeindruck zusammen zu fassen.
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Diese Geschichte spielt in einem Dorf im Osten Deutschlands.
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Es war für mich wirklich sehr interessant etwas über die ehemalige DDR - so ganz nebenbei - zu lesen und zu erfahren. Es stand nicht im Fokus aber gerade dadurch hat es mich weiter lesen lassen.
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Die Liebesgeschichte oder die Liebesgeschichten sind besonders und teilweise nicht wünschenswert. Für einen Roman unterhaltsam. Im echten Leben speziell aber wahrscheinlich nicht abwegig.
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Ich konnte nicht jede Handlung nachvollziehen. Muss ich aber auch gar nicht. Das ist nicht meine Geschichte, sondern die von Maria und ihrem Umfeld.
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Deutsche Geschichte, soziales Miteinander und Gefüge, erwachsen werden und Abgründe werden hier zu einem Roman, im Sommer, auf dem Land verwoben.
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Das war anders. Das hat mir gefallen. 4 von 5 Sternen.
Ein so gewaltiges Buch, die Geschichte kommt mit einer ungeahnten Intensität daher, fast schon brutal beleuchtet es viele Facetten der Liebe, nicht nur die schönen und leichten. In jeder Sekunde war es für mich absolut nachvollziehbar, bis mich das Ende zerstörte.
Ein grandioses Buch
"Doch da denke ich an mein eigenes Geheimnis und begreife, es gibt Dinge, die können gleich erzählt werden, andere haben ihre eigene Zeit, und manche sind unsagbar."
"Jetzt muss ich erwachsen werden. Gerade jetzt, wo es nach vorne so viele Möglichkeiten gibt, schließt sich die Tür zur Kindheit für immer."
Maria, fast 17 Jahre alt, wohnt bei ihrem Freund Johannes und dessen Familie auf dem elterlichen Hof nahe der Grenze in Thüringen. Die Geschichte beginnt im Sommer 1990, es ist das Jahr der Maueröffnung, doch auf dem Hof und im Dorf scheint die Zeit stillzustehen.
Sie macht sich manchmal auf dem Hof nützlich, schwänzt die Schule, und lebt in den Tag hinein. Eine heimliche Affäre mit dem 40jährigen Henner vom Nachbarhof beginnt, doch er nutzt ihre Naivität und Leidenschaft aus, benutzt sie. In Maries Augen basiert diese Beziehung auf Liebe, sie begreift das Offensichtliche nicht.
Das Buch in Ich-Form hat eine sehr dichte Atmosphäre und ist gewohnt ausdrucksstark geschrieben. Ich mag den Schreibstil von Daniela Krien sehr gerne und auch ihr Debütroman hat mich begeistert.
Eine Leseempfehlung? Aber auf jeden Fall ⭐!!
Was für ein Buch, gelesen an nur einem Tag. Und nun sitze ich hier, fühle mich ganz leer und weiß nicht, wie ich heute in den Schlaf kommen soll. Jeder sollte dieses Buch lesen!!!
>Der grandiose Wurf, Erstlingswerk und bewegende Bestseller, der sogar verfilmt wurde - unsagbar gut!<
„Unbedingt lesen.“ (Stern, Hamburg)
Nachdem ich den Roman „Mein drittes Kind“ im September las, ein Buch zu dem Zeitpunkt noch von der Longlist, war mir klar, dass es nicht dabei bleibt; ich war so gefesselt von diesem flüssigen, hochwertigen Schreibstil.
Kurz noch ein paar Fakten zu Autorin:
Daniela Krien, geborgen 1975 in Neu-Kaliß, studierte Kulturwissenschaften und Kommuniations- und Medienwissenschaften in Leipzig. Seit 210 ist sie freie Autorin. Ihre Romane „Die Liebe im Ernstfall“ und „Der Brand“ standen monatelang auf der Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Daniela Krien hat zwei Töchter und lebt in Leipzig.
-Habt ihr das Buch schon gelesen?
-Welche Romane von der Autorin sollte ich noch lesen?
Nichts für Schwache Nerven aber absolut lesenswert!
Ich habe dieses Buch soeben beendet und nun das Gefühl, irgendetwas in mir ist gestorben.
Zuerst zum Thema:
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht der anfänglichen sechszehn- später siebzehnjährigen Maria. Diese lebt zur Zeit der Wende auf dem kleinen Brendel-Hof in einem Dorf in Thüringen. Mit dem Sohn der Brendels ist sie liiert.
Im Laufe des Sommers fällt sie dem vierzigjährigen Nachbarn Henner ins Auge.
Wir begleiten Maria durch den Beginn und die Festigung einer toxischen Beziehung, in der die junge Frau immer mehr den Halt zu verlieren scheint.
Meine Meinung:
Für das Buch wird hiermit eine deutliche Triggerwarnung ausgesprochen. Es ist definitiv nichts für schwache Nerven.
Ich habe die knapp 230 Seiten förmlich verschlungen und konnte dieses Werk kaum aus der Hand legen.
Durch die Erzählung aus der Ich-Perspektive der jungen Maria taucht man tief in die Geschichte und das Geschehen ein.
Für mich definitiv ein 5/5 Sterne Buch, trotz, oder gerade wegen der schwierigen Thematik.
Da wir die Geschichte aus den Augen einer naiven jungen Frau betrachten, wird die Beziehung oft sehr romantisiert, obwohl dem Leser bewusst ist, dass hier keine typische Liebesgeschichte stattfindet.
Sprachlich schön und absolut lesenswert, wenn auch mit vorsicht zu genießen.
Ich bin an das Buch rangegangen mit der Erwartung eine entspannte Liebesgeschichte für zwischendurch zu Lesen. Es ist irreführend, dass es als Liebesgeschichte betitelt wird, es ist eine Geschichte von Missbrauch und emotionaler Abhängigkeit und selten hat mich ein Buch so aufgeregt.
Der Schreibstil war sehr simpel und ich bin flüssig durchgekommen, fand es aufgrund der Thematik und sehr spannend. (Immer mit der Hoffnung, dass sie endlich kapiert was ihr passiert)
Aber auf keinen Fall würde ich es nochmal lesen. Es ist hart, schmerzt und macht wütend.
Der Schreibstil der Autorin hat mir unglaublich gut gefallen. Die Geschichte der minderjährigen Maria, die ihren eigenen Missbrauch nicht begreift und diesen sogar noch romantisiert, fand ich jedoch verstörend.
Von einer "Liebe, die alles hinwegfegt" habe ich einfach etwas anderes erwartet. In diesem Buch geht es einfach um Missbrauch Minderjähriger, da ist nichts romantisch dran (auch wenn dies einige Leser wohl anders sehen).
Nichtsdestotrotz hat mich die Geschichte wirklich fesseln können.
Es erzählt die Geschichte eines Mädchens ,das Ende der 80er in der DDR zur Zeit der Wende lebt. Sie beschreibt aus ihrer Sicht, für mich , realistisch naiven Art einer 15bis 17jährigen.Auf eine verspielte, melancholische Art erfährt man von ihrem Leben , ihrem dasein, ihr kennen und "lieben" lernen eines 40jährigen Mannes und das bittere Opfer das damit verbunden ist.
Ich hatte einige Mühe mich mit dem Schreibstil anzufreunden. Die Geschichte ist aber wirklich gut umgesetzt. Da ich die Zeit der Wende ,aus Sicht eines WessiMädchens , mitverfolgen konnte ,war der geschichtliche Rahmen im Leben einfacher Bauern sehr interessant.
Auch die Toxische Beziehung und das aggressive Sexualverhalten des Mannes war so gut umgesetzt, dass man nicht gleich mit Übelkeit kämpfen musste wie in vielen anderen Romanen.
Das Ende war düster und traurig, aber man hatte den Eindruck , beide Charaktere des Paares im Gedankengang nachvollziehen zu können.
Es stimmt einen trotzdem nachdenklich.
Als Hörbuch ist sehr zu empfehlen. Die Stimme von Anna Thalbach passt perfekt ins melancholische der Geschichte.
Ein merkwürdiges Buch: Die Akteure bleiben mir durchgängig fremd (Maria), blass (Johannes) oder unsympathisch (fast der ganze Rest). Die ganze Zeit frage ich mich: Warum? Warum zieht Maria so sang- und klanglos bei ihrer Mutter aus? Warum erledigt sich das Thema Schulbesuch so ohne weiteres? Warum lässt sie sich mit dem Ekelpaket von Nachbarn ein? Neben vielen weiteren Fragen bleibt dann als letzte Frage: Warum tue ich mir dieses Buch weiter an? Weil es so kurz ist, halte ich dann doch durch.
Ein sehr intensives Buch. Sprachlich ein absolutes Meisterwerk.
Die 16/17 jährige Maria beschreibt ihre Beziehung zu einem wesentlich älteren Mann. Man wird mitgerissen und kommt ganz schnell ans Gewissenskonflikt.
Es ist für mich ein Meisterwerk. Eine absolute Leseempfehlung!
Auch ich bin begeistert von diesem Roman. Maria, die eine schwierige Kindheit hatte - der Vater nie zu Hause, dessen offenes Fremdgehen und mangelndes Interesse an der Tochter und die nie enden wollende Traurigkeit der Mutter- ergreift die Gelegenheit beim Schopf, als sie zu Johannes flüchten kann, einem Jungen, den sie auf einer Demonstration näher kennenlernte und sich schließlich in ihn verliebte. Er wohnt auf einem Hof in einem Nachbardorf und Maria bleibt einfach, wird anfangs von der Familie geduldet und erarbeitet sich immer mehr Respekt, sodass sie bereits fest in die Zukunft der Familie und des Hofes eingeplant wird. Doch sieht sie für sich eine ganz andere Zukunft. Maria liebt aufopfernd, bedingungslos und zur Gänze. Als Johannes seine Liebe immer mehr in Richtung Fotografie verschiebt, stört sie das nicht weiter, denn auch sie hat etwas anderes gefunden: Henner, der den Hof nahe der Brenners besitzt und bereits ihr Vater hätte sein können. Diese Liebe ist sehr leidenschaftlich und driftet bereits ins Brutale ab. Doch Maria fühlt sich hier genau richtig. Nun befindet sie sich in einem Dilemma: die Brenners, die ihr vertrauen, Henner, der sie braucht und von dem sie genauso abhängig ist. Und nebenbei vollzieht sich die politische Wende. Maria befindet sich in einem ebensolchen persönlichen Umbruch, der das Jahr 1990 in den Hintergrund rücken lässt. Und dann verändert eine Nacht alles...
Der Roman ist sehr poetisch, klar und ohne Ausschmückungen geschrieben. Die Autorin konzentriert sich auf das Wesentliche und bringt so sowohl das Glück, als auch das große Leid der Protagonisten ohne Umstände zur Sprache. Ich war beim Lesen gefesselt, fühlte mit Maria mit, wollte sie wachrütteln, war schockiert und überrascht. Der Roman hat mir ein großes Lesevergnügen gebracht, das wohl erst ein bisschen sacken muss.
Traurig stimmender melancholischer Roman zur Zeit der Wende
Die ehemalige DDR, irgendwo in Thüringenauf dem Land, kurz vor der Wende.
Maria ist von der Mutter weggezogen und vertrödelt ihre Tage bei ihrem Freund Johannes auf dem Hof. Es ist Sommer, sie ist fast 17 und Schuleschwänzen und russische Klassiker lesen ist für sie einfacher, als ein klares Ziel vor Augen zu haben. Sie bringt sich zwar auf dem Hof als Arbeitskraft ein, trifft diese Entscheidung aber nicht aktiv.
Eines Tages begegnet sie Henner, dem der Ruf als Frauenheld vorauseilt. Er ist 40, bewohnt den Nachbarhof der Mutter, hat ein Alkoholproblem und liest ebenfalls gerne, was ihn zum Sonderling und Außenseiter der Dorfgemeinschaft macht.
Die beiden beginnen eine Affäre.
Henner nimmt sich, worauf er Lust hat und durchbricht mit seiner aggressiven Sexualität die Passivität von Maria. Interessant ist, dass seine Mutter, vor ihrem Tod selbst lesende Alkoholikerin, sich nie von der Massenvergewaltigung der russischen Besetzer erholt hat. Und nun die kleine Maria, der er in meinen Augen nicht anderes als sexuelle Gewalt antut und das Trauma der Mutter wiederholt, die sich willig beugt, ihn noch zusätzlich bekocht und das alles dann Liebe nennt. Zu gerne wüsste ich hier die Meinung der Autorin.
Die Beziehung der beiden wird als Liebesbeziehung bezeichnet und in keiner Zeile bekommt man zu lesen, dass Maria ein Opfer ist. Nein, sie selbst will diese Art der Begegnung und fordert sie sich sogar ein.
Weiß Maria überhaupt was Liebe ist, wo der Vater sich in die Versenkung begeben hat, die Mutter kreuzunglücklich und mit sich selbst beschäftigt ist und Maria stets fremdbestimmt wurde von Kollektiv und Staat? Ihre Tendenz, alles über sich ergehen zu lassen ist fast unerträglich und trotzdem ein vielleicht gewollter Spiegel der damaligen DDR- Bevölkerung.
Maria lässt andere über sich bestimmen, bleibt in der Abhängigkeit anderer, schmeißt sich Henner verzweifelt an den Hals, als ihre Mutter wegziehen will und lebt in Büchern statt in ihrer Gegenwart. Es gelingt ihr nicht, aus der Erstarrung zu erwachen.
Bringt die Wende auch bei ihr eine Wende? Am Schluss muss Maria eine Entscheidung treffen...