17. Mai
Rating:2.5

Telegramm von Szalay

Eigentlich hegte ich nach „Was ein Mann ist“ und „Turbulenzen“ gewisse Sympathien für David Szalay. Die beiden Bücher waren auf ihre Art besonders, innovativ und unterhaltsam. In beiden reihte der Autor Kurzgeschichten aneinander, die nur lose Verbindungen hatten. In „Was nicht gesagt werden kann“ ist es nun eine durchgehende Geschichte rund um den Hauptprotagonisten Istvan geworden. Szalays Stil war auch in den beiden erstgenannten Werken so minimalistisch und emotionsreduziert, dass man dachte (und für ihn hoffte), weniger geht nicht. Die grausame Erkenntnis: Doch es geht. Szalay hat es schon wieder getan und noch extensiver. Als der 15-jährige Istvan zu Beginn des Romans in eine sexuelle Beziehung zu seiner viel älteren Nachbarin gerät und nebenbei deren Mann tötet, weht ein Hauch von Ian McEwans „Lektionen“ und Bernhard Schlincks „Der Vorleser“ durch die Seiten. Wie wird er wohl diese frühreifen Eskapaden verkraften und welche Auswirkungen wird es auf sein Leben haben? Die Antwort: keine. Kein Bezug im weiteren Leben bzw. im weiteren Verlauf des Buches. Nicht einmal in einer skelettierten Version. Für Szalay abgehakt. Chance auf Tiefe mal wieder vergeben. Und so plätschert der Roman in seinem existentialistischen, phasenweise fast kafkaesken Stil weiter dahin. Sorry, Franz Kafka, für diesen Vergleich. Das Buch erscheint wie ein trostloser Schwarzweißfilm, in dem ein lethargischer, phlegmatischer Hauptdarsteller völlig passiv durchs Leben stolpert und inflationär sein Lieblingswort einsetzt, indem er willenlos zu ziemlich allem „Okay“ sagt. Schon in früheren Büchern hat Szalay maskuline Schablonen verwendet, die auch für lesende Männer eher Abschreckungs- als Identifikationsfiguren waren. Aber mit „Was nicht gesagt werden kann“ hat Szalay den Bogen so weit überspannt, dass man jeder Frau zurufen möchte: „Den kenne ich nicht!“ Oder „So sind wir nicht!“ Zumindest hoffe ich das. Phasenweise wirkt Szalays Schreibstil hilflos ob seiner verbalen Reduktion, anfängerhaft wie in einem Schreibseminar, aufreizend in seiner literarischen Zumutung. Dialoge beschränken sich oft auf Ein- bis Dreiwortsätze, und das seitenlang. Ein weiteres absolut nervendes Schreibprinzip sind seine Doppelungen. Eine Aussage wird in der Antwort des Gegenübers grundsätzlich erst einmal wiederholt und in eine Frage umgewandelt. Und das wieder und wieder. Dialoge zwischen zwei Papageien sind mit Sicherheit spannender und erheben zum Glück keinen Anspruch auf einen Booker-Preis. Ist die Leserschaft frustresistent und liest wider besseren Wissens weiter, muss allmählich das Gefühl aufkommen, dass Szalay irgendwie voll neben sich gestanden haben muss, als er diesen neuen Roman schrieb. Vielleicht hat er krampfhaft unter dem Vertragsdruck des Verlages versucht, seine Schreibblockade zu durchbrechen? Ein zugegebenermaßen schwacher Rettungsversuch für sein Image von einem Leser, der ihn in Teilen zu schätzen wusste. Früher hat man als Schriftsteller eine Geschichte erzählt. Szalay hat mit diesem Buch eher ein Telegramm geschickt. Letztendlich wird der Dialog-Stil des Buches vielleicht am deutlichsten, wenn man diesen in die abschließende Bewertung des Romans überträgt und kurz einmal David Szalay imitiert: Ist es ein gutes Buch? Nein. Nein? Nein. Warum nicht? Weiß nicht. Was denkst du denn darüber? Ist nicht okay. Nicht okay? Nein. Okay. „Was nicht gesagt werden kann“ hat man das Buch genannt. Aber man fragt sich zwangsläufig, warum der Autor es nicht wenigstens versucht hat.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
28. Apr.
Rating:4.5

István ist ein wortkarger, anscheinend recht antriebsloser Protagonist. Vielleicht fehlt ihm aber einfach nur Anerkennung und Orientierung in der Jugend. Einen Vater scheint es nicht zu geben, mit 15 zieht er mit seiner Mutter in eine neue Stadt und muss die Schule wechseln. Freunde und Liebe sind rar gesät. Also fällt er so durchs Leben und sagt zu fast allem „okay“. Nach einer Rangelei mit Todesfolge landet er im Jugendgefängnis, später in der Armee, im Irakkrieg und daraufhin in London in einem lukrativen Security Job. Er heiratet, wird Vater und sehr reich. Doch nichts ist wirklich sein Traum und nichts ist auch wirklich von Dauer. Alles ist von einer Tristesse durchzogen, die einen aber sonderbar kraftvoll in den Bann zieht. István ist kein klassischer Sympathieträger und doch faszinierte er mich als Figur. Doch hatte ich Mitgefühl und ihn sehr gut nachvollziehen. Er ist weder ein dezidiert guter, noch ein dezidiert böser Mensch, er lässt sich einfach sehr durch die Umstände prägen. Und er scheint keinen klassischen Aufstiegswillen zu haben, wie vom westlichen Normalbürger erwartet. Er ist gewissermaßen unergründlich. Schweigend, die Dinge oft einfach hinnehmend. Ich überlege auch immer noch, was der Originaltitel („Flesh“) genau aussagt. Der Mensch ausschließlich als fleischlicher Körper, der genutzt oder auch missbraucht wird? Das Körperliche, Physische ist das, was da ist. Was man sieht. Konkret. Ohne geistige oder emotionale Tiefe und doch geheimnisvoll. David Szalay gelingen sparsame aber punktgenau bildhafte Schlaglichter auf wenige Details, die mir aber die Situation sofort vor Augen geführt haben. Der Plot und die Wendungen bleiben immer nachvollziehbar und plausibel und vielleicht erzeugen gerade die vielen Auslassungen den großen Sog und die Faszination über die Hauptfigur. In wenigen Pinselstrichen ist hier ein kleines Meisterwerk gelungen! Unbedingte Leseempfehlung!

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
3. Apr.
Rating:4.5

Flesh ist ein stummes Buch, das mich viel zum Nachdenken angeregt hat

Ich kann nachvollziehen, warum das Buch den Booker Prize gewonnen hat. Ich wollte es kaum aus der Hand legen. Interessant war, dass der Aufbau keinem logischen Spannungsbogen (wie Aufstieg, Fall, Erlösung) folgt. Man wusste nie, wie es weitergehen wird. Genau das hat mein Interesse geweckt. Der Roman begleitet den ungarischen István über Jahrzehnte und erzählt von den Umbrüchen in seinem Leben. István ist wortkarg und scheint selbst nie wirklich zu wissen, wie er sich fühlt. Doch durch die subtilen, nüchternen Beschreibungen des Autors wird unheimlich viel vermittelt, was mangels tiefgründigerer Dialoge und Reflexionen der Protagonisten nicht direkt greifbar gemacht wird. Ich habe mir einige Rezensionen vorher und nachher durchgelesen. Ich bin öfter über die Begriffe „Männlichkeit“ oder „männliches Begehren“ gestolpert. Das finde ich nach dem Lesen jedoch sehr irreführend. Für mich hat das, was István fühlt, denkt oder tut, nichts mit „Männlichkeit“ zu tun. Sein Empfinden scheint mir menschlich und natürlich. Nur wird es bei ihm sehr direkt und ungeschält beschrieben. Er ist eine einsame Figur, die sehr isoliert ist und mangels Reflexion über den eigenen Werdegang sehr instinktiv handelt. Vor allem kämpft er nicht gegen sein Schicksal an, was ich fatalistisch fand. In Bezug auf seine Männlichkeit würde ich sagen, dass es vor allem eine erduldende war. Mit Männlichkeit verbinde ich oft Macht, Dominanz oder ein patriarchales System. Aber István verkörpert genau das Gegenteil. Er ist nicht der starke Mann, sondern der Getriebene. Er hat keinen Machtanspruch, keine Souveränität. Es geht keineswegs um das „Mann-Sein“ in einer sozialen Rolle. Das Buch hat etwas mit mir gemacht. Am Ende habe ich eine gewisse Sympathie und ein Mitgefühl für den Protagonisten und seine Lebensgeschichte entwickelt, was mich selbst sehr überrascht hat.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
3. Feb.
Rating:4

Wunderschön geschrieben!

So richtig bin ich leider aus dem Buch nicht schlau geworden. Die Geschichte von Istvan ist sehr bewegend und leider auch manchmal traurig. Das Thema des Verlangens nimmt eine zentrale Rolle ein. Oft geht es um körperliches Verlangen aber auch materielles Verlangen wird zum Thema. Das Buch ist wunderschön geschrieben. Es wird viel über die Atmosphäre geschrieben. Regen, Luft, Licht und Natur verfolgen einen durch die ganze Erzählung. So ganz kann ich noch alles nicht einordnen, aber weiterlesen wollte ich trotzdem.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
23. Jan.
Rating:2

Die Kunst der Auslassung - ist nicht meine Kunst

Szalay schreibt gut, treibt die Handlung gut voran, hat seinen eigenen Stil & dennoch war ich froh, als ich das Buch zuklappen konnte. Ich musste es kurz auf mich wirken lassen. Es hinterließ mich beklommen. Der Roman begleitet den 15-jährigen István, der im Ungarn der 80er Jahre in einer Plattenbausiedlung aufwächst, in Zeitsprüngen und Lebensepisoden, die durchaus dramatisch und nicht unspannend sind. Themen sind der soziale Aufstieg, Verführung und Verlust. Die Erzählweise ist minimalistisch, karg, sein Innenleben wird kaum ausgeleuchtet. Letztlich spiegelt das den Protagonisten wieder mit einer Form von Männlichkeit, die zur Zeit "out" ist (gut, wie ich finde). Und ja, es strengt an, wie er immer wieder einsilbig antwortet, Frauenkörper abwertend beurteilt und Männerklischees verkörpert... Insgesamt kann man nicht sagen, dass es ein schlechtes Buch ist, doch es transportiert für mich die graue Stimmung kahler Bäume im Novembernebel ...nichts, worauf ich Lust habe.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
15. Jan.
Rating:4

Die minimalistisch-monotone Sprache spiegelt den Titel passend wider, wodurch die episodenhaften Lebensabschnitte des passiv geführten Protagonisten sehr authentisch aber dementsprechend emotionslos transportiert werden. Es entsteht ein Sog, hinterlässt jedoch insgesamt wenig haftende Spuren.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
9. Jan.
Rating:4

"Die ganze aufblühende Körperlichkeit birgt man im Inneren wie ein Geheimnis, obwohl sie zugleich die Oberfläche bildet, die man nach außen präsentiert, sodass man sonderbar entblößt dasteht und sich fragt, ob die Welt alles oder nichts über einen weiß, ob es jedem so ergeht oder ob man damit allein ist." [S 313] "Was nicht gesagt werden kann" hab ich übers alte Jahr hinaus als Ebook gelesen. War mir bis dato gänzlich unbekannt, gab es als Ebookschnäppchen und irgendwie hat mich die Leseprobe nicht losgelassen, obwohl ich es anfangs durch die Einfachheit der Sprache sehr gewöhnungsbedürftig fand. Es geht um den gesellschaftlichen Aufstieg eines (jungen) Mannes aus ärmlichen Verhältnissen in bessere soziale Kreise, geprägt durch Sex und Frauen. Das hat mir, obwohl ich genau solche Stories sonst meide, erstaunlich gut gefallen.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
3. Jan.
Rating:4

This book is an exercise in empathy and anger management… but in a good way?

In a weird way this book portrays life as it happens, but then also not #teamfreewill.  Our MC, István, experienced traumatic events as a teenager and young adult, impacting his life as it goes on over the next 40 years in different countries, different jobs and different social lives. The reduced writing style is an extreme form of „show don´t tell“ and doesn’t really let you in on István's thoughts and emotions to a point where you think there isn’t anything happening inside this character. This never really changes, but sometimes small things break through, like different people coming into his life for a long or short period of time, and we get a glimpse of possible change that is sometimes followed through. Istvàn seems mute and passive in his own life and decisions. He doesn’t even seem aware of it or care for it. This can be very frustrating and make you resent the MC to a point where you feel indifferent. For me, that was definitely the case and also the point where my exercise in empathy and anger management started, as I was infuriated at like page 30 but simultaneously intrigued to find out what the point of this book is and if the point is to confront me with my own reactions to a person going so differently through life as I would do. In a way Istvan feels very human with his want of human relationships and closeness and status and being seen as „manly“  in a Western world. Yet the character fails to communicate that, and this again is portrayed in the minimalistic writing. The writing is who István is, how he goes through life, and how he experiences it.  For me this book was easy to read and definitely a different reading experience that I enjoyed. In the end I still didn't like our MC, but that is not the point of the book. I like the book as it gave me a chance to get a glimpse into a different life that a different person may live that is so different from mine and it still makes me wonder. Summary: This book will tell you nothing, but your reaction to it can tell you something. I guess for some it works, for some it doesn't.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
1. Jan.
Rating:5

Sternebewertung fiktiv

Was nicht gesagt werden kann von David Szalay ist ein leiser, konzentrierter Roman, der seine Wirkung nicht aus Handlung, sondern aus Auslassung bezieht. Im Zentrum steht István, fünfzehn Jahre alt, aufwachsend in einer Plattenbausiedlung in Ungarn zwischen den 1980er- und 1990er-Jahren. Einsamkeit, Sprachlosigkeit und soziale Randständigkeit prägen seinen Alltag. Als er auf Wunsch seiner Mutter einer älteren Nachbarin bei Einkäufen hilft, entsteht eine körperliche Beziehung, die ihn abrupt in eine erwachsene Welt stößt. Szalay vermeidet jede Form der Romantisierung. Gefühle werden nicht erklärt, Motive nicht ausgeleuchtet. Alles bleibt nüchtern, beinahe dumpf und gerade dadurch eindringlich. Der Roman begleitet István weiter ins Erwachsenenleben, über Ortswechsel hinweg, immer beobachtend, nie kommentierend. Die Figuren erscheinen wie hinter Glas, sichtbar, greifbar, aber emotional schwer zugänglich. Die Aussage entsteht ausschließlich aus Struktur, Rhythmus und Perspektive. Was nicht gesagt werden kann ist ein kein beiläufiger Roman. Er fordert Aufmerksamkeit, Geduld und das Lesen zwischen den Zeilen. Seine Stärke liegt im Weglassen. In der Konsequenz. In der literarischen Disziplin. Ein Buch, das lange nachwirkt, gerade weil es sich jeder Erklärung entzieht.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
31. Dez.
Post image

Es gibt Romane, die laut werden müssen, um Eindruck zu hinterlassen. Und es gibt solche, die leise bleiben – und gerade deshalb eine ungeheure Wucht entfalten. „Was nicht gesagt werden kann“ von David Szalay gehört entschieden zur zweiten Kategorie. Dieses Buch spricht nicht viel, erklärt kaum, urteilt nicht. Und trifft einen genau dadurch mit voller Kraft. Szalay begleitet seinen Protagonisten István von der Jugend im ungarischen Plattenbau der 1980er-Jahre bis in die Kreise der Superreichen im heutigen London. Was wie ein klassischer Entwicklungsroman klingt, verweigert sich jedoch konsequent den vertrauten Mustern. István entwickelt sich kaum – zumindest nicht im Inneren. Sein Leben ist eine Abfolge von Begegnungen, Affären, Brüchen und sozialen Ortswechseln, die ihm widerfahren, ohne dass er sie wirklich gestaltet. Er reagiert, passt sich an, sagt „okay“. Bereits die frühe sexuelle Beziehung zu einer deutlich älteren Nachbarin setzt den Ton des Romans: keine Romantisierung, keine moralische Einordnung, keine psychologische Ausdeutung. Stattdessen ein nüchterner Blick auf Grenzüberschreitungen, Machtverhältnisse und Sprachlosigkeit. Diese Sprachlosigkeit bleibt das Leitmotiv des gesamten Romans. Szalay verweigert konsequent den Zugang zu Istváns Innenleben. Gedanken, Gefühle, Motive – all das bleibt ausgespart. Wir sehen nur Handlungen, hören Dialoge, oft banal, oft ausweichend. Und genau in diesen Leerstellen beginnt die eigentliche Arbeit des Romans. Die Erzählweise ist radikal reduziert: Präsens, kurze Sätze, viele Dialoge, abrupte Zeitsprünge. Dramatische Ereignisse – Tod, Gewalt, Krieg, sozialer Aufstieg – werden im selben Tonfall geschildert wie Alltäglichkeiten. Diese Gleichförmigkeit erzeugt eine beklemmende Wirkung. Man wartet als Leser*in ständig darauf, dass etwas „aufbricht“: ein Gefühlsausbruch, eine Reflexion, ein Nein. Doch es kommt nicht. Stattdessen bleibt da diese Leere, die sich langsam, aber unaufhaltsam ausbreitet. Besonders eindrucksvoll ist, wie sehr Istváns Leben von Frauen bestimmt wird – von Verführung, Erwartungen, Projektionen. Auch hier gibt es keine Kommentierung. Szalay beobachtet, statt zu erklären. Er zeichnet das Porträt einer Männlichkeit, die sich über Körperlichkeit, Anpassung und Schweigen definiert und emotional weitgehend verödet ist. Dass der Roman dabei nie plakativ oder thesenhaft wird, sondern seine Aussagen ausschließlich aus Form und Struktur gewinnt, ist eine große literarische Leistung. Der Titel ist dabei programmatisch: „Was nicht gesagt werden kann“ ist kein Roman über das Schweigen – er ist aus Schweigen gebaut. Das Ungesagte, das Verdrängte, das Nicht-Reflektierte trägt die Geschichte. Man verlässt dieses Buch nicht mit klaren Antworten, sondern mit einem Unbehagen, das lange nachwirkt. David Szalay hat mit diesem Roman ein beeindruckendes, verstörendes und hochpräzises Werk geschaffen. Ein Buch über Zufall und Fremdbestimmung, über soziale Mobilität ohne innere Bewegung, über den männlichen Körper als Träger von Erwartungen und Gewalt – und über die zerstörerische Kraft des permanenten „Okay“. Ein leiser Roman, der lange hallt und ganz zu Recht mit dem Booker Prize 2025 ausgezeichnet. Aus dem Englischen von Henning Ahrens.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
25. Dez.
Rating:3

David Szalays Roman dreht sich um das Leben des ungarischen Istvan, dessen Lebensweg wie begleiten von seinem 15. Lebensjahr bis in sein späten 50er (oder so). Wie das Leben so ist, gehen wir mit ihm durch verschiedene Lebensabschnitte, Liebschaften und allgemein das stetige Auf und Ab seines Lebens. Wobei es bei ihm tatsächlich ziemlich weit hoch, aber auch sehr weit abwärts geht. Auf den ersten 150 Seiten hat das Buch mich ziemlich gut reingezogen und ich habe ziemlich begeistert, wie im Sog, gelesen. Dann schlich sich leider nach und nach ein "warum-sollte- mich-diese-Geschichte-eigentlich-interessieren"- Gefühl ein. Es las sich weiterhin gut weg, aber der literarische oder geistige Mehrwert des Buches erschloss sich mir von Seite zu Seite weniger. Fazit: Kann man lesen, muss man nicht.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
19. Nov.
Rating:5

Große Leseempfehlung!

„Flesh“ von David Szalay ist ein eindringlicher Roman über das Mannsein in all seinen widersprüchlichen Facetten. Szalay schreibt bewusst nüchtern, fast distanziert, und gerade dadurch entfaltet der Text eine enorme Wirkung: Er zwingt dazu, das moderne Männerbild zu hinterfragen und die Zerbrechlichkeit männlicher Existenz neu zu betrachten. Das Buch wird mich noch eine Weile beschäftigen.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen
2. Aug.
Rating:4.5

Nüchtern aber spannend

In episodischen Kapiteln wird das Leben des Protagonisten Istvan beschrieben. Die Sprache ist hierbei sehr nüchtern und es werden wenig Emotionen und Details preisgegeben. Daher ereignen sich große Teile der Handlung zwischen den Zeilen, was bei mir einen erstaunlichen Sog ausgelöst hat. Der Roman behandelt Fragen von Macht, Ausbeutung, Klassismus und wie Menschen miteinander agieren. Mir hat das sehr gut gefallen.

Was nicht gesagt werden kann
Was nicht gesagt werden kannby David SzalayClaassen