
Leider konnte mich Unter Freunden von Hal Ebbott nicht recht überzeugen. Über weite Strecken dümpelt die Geschichte eher vor sich hin, und ich bin weder mit den beiden Familien bzw. den sechs Hauptfiguren wirklich warm geworden. Erst im letzten Drittel nimmt der Roman etwas an Fahrt auf. Bewegend war das Kapitel, als die 16-jährige Anna ihrem Vater Amos vom Übergriff seines besten Freundes Emerson berichtet. Stark auch der Teil als Amos diesen damit konfrontiert. "Ich ... Es ist etwas passiert. Als wir ... zu Besuch waren. Letzten Herbst. Sie sah ihn an. Er war verstummt. Sein Blick war ruhig und voller Angst." (S. 199) Grundsätzlich war es spannend zu beobachten, wie der Roman mit dem Thema eines Übergriffs umgeht und wie dadurch Beziehungen und langjährige Freundschaften auf die Probe gestellt werden. Gleichzeitig fand ich es gewöhnungsbedürftig (um nicht zu sagen problematisch), dass die Geschichte überwiegend aus der Perspektive der vier Erwachsenen erzählt wird und deutlich weniger aus der Sicht des betroffenen Mädchens. Für mich war das nicht passend. Interessant fand ich die Dynamik zwischen Anna und ihren Eltern. Dass sie ihrem Vater deutlich mehr vertraut als ihrer Mutter Claire und sich ihm gegenüber öffnet, verleiht der Geschichte durchaus Brisanz. Das behandelte Thema ist zweifellos wichtig, weshalb ich dem Buch 3 Sterne geben würde. Wirklich abgeholt hat es mich jedoch nicht.

