Es geht um unsere Protagonistin, die sich für ihre Herkunft schämt. Sie verliert sich in Drogen in Berliner Techno Bunkern und verliebt sich in einen älteren Mann der ihr absolut nicht gut tut. Der Tod ihrer Mutter prägt sie sehr und sie fühlt sich zerrissen in ihrem ganzen Sein.
Das Buch tut weh und ist absolut toxisch. Drogen, Missbrauch, eine toxische Beziehung und andere schlimme Themen ziehen sich durch das Buch.
Die innere Zerrissenheit hat schon irgendwie was mit mir gemacht und dennoch war es kein Buch für mich.
Ein sprachgewaltiger, düsterer Coming-of-Age-Roman über Identität, Verlust und das verzweifelte Suchen nach einem Platz.
"Good Girl" ist für mich ein Roman, der nicht unbedingt gefallen will und genau das macht ihn so stark. Aria Aber erzählt roh, intensiv und mit einer Sprache, die gleichzeitig hart zuschlägt und dann wieder fast poetisch schimmert. Schon nach wenigen Seiten war klar: Das wird keine leichte Geschichte, aber eine, die hängen bleibt. ⚡
Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die zwischen Herkunft, Erwartungen, Verlust und dem Wunsch nach Selbstbestimmung taumelt. Berlin wird dabei nicht nur zur Kulisse, sondern zu einem vibrierenden, düsteren Raum voller Reizüberflutung, Fluchtimpulse und innerer Zerrissenheit. Die Atmosphäre ist dicht, exzessiv und manchmal kaum auszuhalten, aber genau darin liegt auch die Wucht dieses Buches. 🌃
Besonders beeindruckt hat mich, wie eindringlich Themen wie Identität, Klassismus, Rassismus, Trauer und weibliche Verletzlichkeit verarbeitet werden. "Good Girl" zeigt, wie schmerzhaft es sein kann, sich selbst finden zu wollen, wenn man gleichzeitig vor so vielem davonläuft. Das ist unbequem, intensiv und emotional oft ziemlich schonungslos. 🖤
Sprachlich fand ich den Roman wirklich stark. Kraftvoll, bildhaft und mit vielen Sätzen, die sich festsetzen. Gleichzeitig muss man sagen, dass dieses Buch nichts für nebenbei ist. Die Geschichte bewegt sich durch toxische Dynamiken, Selbstzerstörung und emotionale Abgründe - das muss man aushalten wollen. ✍️
Für mich war "Good Girl" deshalb kein perfektes, aber ein sehr eindrucksvolles Leseerlebnis. Manche Passagen hätten für mich etwas straffer sein können, trotzdem überwiegt am Ende ganz klar der Eindruck eines mutigen, klugen und atmosphärisch starken Romans, der sich mit wichtigen Themen auseinandersetzt. ✨
Fazit:
Ein sprachgewaltiger, düsterer Coming-of-Age-Roman über Identität, Verlust und das verzweifelte Suchen nach einem Platz in der Welt. Intensiv, verstörend und definitiv nicht für jeden, aber absolut lesenswert. 💥
Puh das muss ich ersteinmal sacken lassen
Brutal, schonungslos und politisch
Nila sucht den Sinn des Lebens, gibt sich als Griechin aus, obwohl sie afghanisch ist. Das muss verschwiegen werden. Sie steckt in der Familie und Religion fest.
Sie geht in Clubs und ist zugedröhnt bis zum Anschlag.
Marlon viel älter als Sie lernt sie in einem Club kennen.
Dieser Typ ist absolut toxisch und nicht gut für Sie.
Der Schreibstil hat eine unheimliche Tiefe, das hat mir sehr gut gefallen. Ein Buch über Macht, Gewalt und Selbstzerstörung. Harte Kost aber das Buch bleibt hängen.
Das Buch hat mich gleich zu Anfang ergriffen. Man taucht in die Berliner Nacht Szene ein. Besser hätte man es nicht machen können. Hier geht es viel um Identität, Integration, Drogen, Partyszene und vor allem das aufeinandertreffen von liberalen Erziehungsstilen und kulturell geprägten Erziehungsstilen.
Dieses Buch hat meinen Horizont um einiges erweitert. Ich fand es sehr spannend, auch und auch unterhaltsam aber es hat sich hier etwas gezogen und das Ende war ausbaufähig.
Wahrscheinlich hätte mir das Buch besser gefallen, als das Hörbuch
Die Geschichte von Nila, einer Tochter eines afghanischen Paares, die in Berlin aufwächst. Die Geschichte einer Person, der ihre Herkunft so bewusst ist und so bewusst gemacht wird, dass sie sie zu vergessen versucht, im Nachtleben, in Drogen — und in einer verhängnisvollen Beziehung.
Das Buch ist so bildhaft, neuartig und poetisch geschrieben, dass es meiner Meinung nach nicht dafür geeignet ist, es als Hörbuch nebenbei zu hören, sondern dafür, Stellen zu markieren, zu wiederholen und wirken zu lassen. Vielleicht wäre meine Bewertung höher ausgefallen, hätte ich das Buch gelesen, statt es anzuhören. Mir gefiel auch nicht so sehr die Betonung mancher Wörter und Sätze der Sprecherin. Das ist am Ende aber Geschmacksache.
"Sie verließ mich, als ich in einem für sie unzugänglichen Alter war, verloren in einem jugendlichen Nebel. Ein Alter, in dem Kind und Eltern einander fremd sind, in dem Töchter entsetzt sind über das begrenzte Bewusstsein ihrer Erzeuger, und sie hat nie gesehen, wie ich zu einer Erwachsenen heranwuchs, zu jemanden, der ihre Hand berühren und sagen wollte: Jetzt verstehe ich."
Die Protagonistin Nila ist grade fertig mit der Schule und lebt nun zwischen den Stühlen - sie war auf einem Internat, will Fotografie in London studieren und versucht, über ihren deutlich älteren Schriftsteller-Freund Zugang zur Kulturszene zu finden. Doch Nila kommt aus einer armen Familie mit afghanischen Wurzeln, hat ihre Mutter früh verloren. Die Beziehung zu ihrem Vater und dem Rest der Familie ist maximal durch Vorwürfe, Misstrauen und Distanz geprägt - so sehr, dass sie vor ihren Freund:innen ihre Herkunft verleugnet. Nila ist immer inmitten von vielen Menschen, gleichzeitig ist sie sehr einsam und hat hohe Mauern um sich selbst gezogen.
Im Roman nehmen Drogen einen sehr großen Raum ein, ebenso wie die Berliner Techno-Clubkultur. Zudem wird man Zeug:in der rasanten Entwicklung einer manipulativen, gewaltvollen Beziehung, von der den Lesenden von Beginn an klar ist, dass es kein gutes Ende nimmt. Auf mich hat das Buch einen sehr destruktiven, gewaltvollen Eindruck gemacht. Hinzu kamen sich stets wiederholende Szenarien, in denen die Figuren in unterschiedlichen Konstellationen Drogen konsumieren und dabei aneinander vorbeilaufende, mehr oder weniger deepe Gespräche geführt haben.
Im Nachhinein kann ich die Komplexität der Figur von Nila anerkennen, doch während des Lesens habe ich mich sehr schwer getan mit dem Roman, trotz Buddyread. Sämtliche Charaktere kamen mir distanziert und Schablonenhaft vor, erst zum Ende hin hat sich das geändert.
CN: Alkoh0l, Dr0gen, Ras$ismus, Tod, Trauer, Z-Wort, Antis3mitismus, G3walt in der Partnerschaft & Familie, F3mizid, Kindesm1ssbrauch, Fehlgeburt, Homof3indlichkeit
Dieses Buch ist für mich kein gewöhnlicher Roman, sondern ein echtes Kunstwerk. Good Girl Aria hat mich tief berührt, gefordert und noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Es ist mit Abstand eines meiner neuen Lieblingsbücher.
Was dieses Werk so besonders macht, ist die enorme inhaltliche Tiefe. Die Geschichte funktioniert nicht nur auf der Handlungsebene — im Gegenteil: Zwischen den Zeilen entfaltet sich eine politische, gesellschaftskritische und psychologisch komplexe Dimension, die man aktiv mitdenken muss. Genau das macht das Buch so außergewöhnlich. Es verlangt Aufmerksamkeit, Sensibilität und die Bereitschaft, sich auf Mehrdeutigkeiten einzulassen.
Die Autorin schreibt unglaublich präzise, klug und gleichzeitig emotional eindringlich. Viele Themen, die angesprochen werden, sind unbequem, relevant und hochaktuell. Dabei wirkt nichts belehrend oder platt — vielmehr entsteht eine dichte Atmosphäre, die zum Nachdenken zwingt und eigene Perspektiven hinterfragt.
Kritik an dem Buch kann ich persönlich kaum nachvollziehen, da es meiner Meinung nach gar nicht primär darum geht, eine klassische, leicht konsumierbare Geschichte zu erzählen. Es ist ein politischer und intellektueller Text, der bewusst Raum für Interpretation lässt. Wer erwartet, einfach nur „unterhalten“ zu werden, verpasst möglicherweise die eigentliche Stärke dieses Romans.
Für mich ist Good Girl Aria ein tiefgründiges, mutiges und literarisch hochwertiges Werk, das zeigt, wie kraftvoll Literatur sein kann. Ein Buch, das man nicht nur liest, sondern erlebt — und das definitiv lange nachhallt.
Absolute Leseempfehlung.
Jede Familie hat einen Fluch, und der Fluch meiner Familie bin ich. Zitat
Aria Aber hat ein schmerzhaftes Buch mit dem Berliner Sound der 2000er Jahre geschrieben.
Wir begleiten die Protagonistin Nila dabei, wie sie sich in Partys, Drogen und der toxischen und gewalttätigen Beziehung zu einem viel älteren Mann verliert.
Nilas Eltern stammen aus Afghanistan, waren Ärzte und sind dort für Freiheit und Rechtstaatlichkeit auf die Straße gegangen. In Deutschland, in Berlin, in der Gropiusstadt waren sie nichts. Berufsabschlüsse wurden nicht anerkannt, Träume auf ein erfülltes Leben zerplatzten, was zählte war das Ansehen in der Familie und Nachbarschaft. Geld war kaum vorhanden und dennoch schafften sie es, Nila auf eine Schule in Niedersachsen zu schicken - in der Hoffnung, dass sie es einmal besser hat und Juristin oder Ärztin wird.
Dann stirbt Nilas Mutter plötzlich und mit dem Schulabschluss und der Rückkehr in die Gropiusstadt wird das Partyleben von Nila noch exzessiver. Der Konsum von Drogen nimmt überhand und man fragt sich, wie ein Körper das aushalten kann ohne bleibende Schäden.
Spannend geschildert fand ich den inneren Konflikt, den Nila mit sich aufträgt. Die Scham der eigenen Herkunft, die Angst, als Afghanin ständig mit den Anschlägen von 9/11 in Verbindung gebracht zu werden, die Scham über das arme Leben in der Gropiusstadt.
Aria Aber stellt auch immer wieder aktuelle politische Bezüge her, die am Ende die NSU-Morde thematisieren. Eine Leseempfehlung für ein Buch, dass weh tut, aber wichtig ist.
Berlin - Rausch - Kunst und die Suche nach sich selbst
Mir hat das Buch und sein Erzählstil sehr gefallen. Die Autorin erzählt in einem angenehm schnellen Tempo und sehr bildhaft vom rauschhaften Leben in Berlin und schlechten wie auch guten Entsheidungen im jungen Erwachsenenalter. Die Raveszenen und Festivalschilderungen lassen Erinnerungen aufkommen.
Was mich jedoch stört, ist die teilweise gewollt wirkende Verwendung von Fremdwörtern, die ich teilweise nachschlagen musste und die für mich auch nicht zur Protagonistin und der Geschichte passen.
Good Girl von Aria Aber hat mir sehr gut gefallen – vor allem wegen der Sprache. Die Wortwahl ist besonders, manchmal herausfordernd, aber genau dadurch lernt man beim Lesen fast nebenbei neue Nuancen und Bedeutungen kennen. Es liest sich intensiv und fließend zugleich – ein Buch, das definitiv nachhallt.
Thematisch geht es um Identität, Zugehörigkeit und Selbstfindung. Besonders spannend fand ich die Einblicke in die Berliner Technoszene, da mich diese Welt selbst interessiert – das hat mich dem Buch noch näher gebracht.
Teilweise waren die Passagen über die Beziehung zu ihrem deutlich älteren Partner schwer zu lesen. Die manipulative Dynamik und die Gewalt haben mich stellenweise belastet. Aber genau diese Schonungslosigkeit macht die Geschichte ehrlich und eindringlich.
Ein starkes, poetisches Buch, das im Kopf bleibt.
Auf der Rückseite des Buches steht: „Good Girl ist ein ekstatisch wummerndes Loblieb auf die verlorenen Intensitäten der Jugend.“
In mir weigert sich etwas, das so stehen zu lassen. Bestimmt 2/3 des Buches sind harter Tobak: es geht Drogenmissbrauch, es geht um eine krankhafte Beziehung einer 19-jährigen zu einem viel älteren Mann, es geht um Selbstverleugnung, es geht um verloren sein und die Lust an Abgründen und am Exzess. Es geht um Klassismus, antimuslimischen Rassismus und Scham über die eigene Herkunft. Es geht um den Wunsch auszubrechen und wer anders zu sein, sich weniger fremd und mehr beheimatet zu fühlen in Kunst, mit Büchern als mit Menschen oder der eigenen Familie.
Und dann schleichen sich versöhnliche Töne ein, die letzten Kapitel haben mich sehr berührt.
Ein grandioses Buch! Und absolut meisterhaft geschrieben.
„Während das blaue Licht der Morgendämmerung mein Zimmer erkundete, kamen mir ein paar Zeilen von Kafka in den Sinn, als wären sie Teil eines Kindheitsgebets. Irgendwann im Jahre 1913 hatte er sie zwischen anderen Fragmenten in sein Tagebuch geschrieben, irgendwo in Prag, fast 100 Jahre, bevor ich auf meinem Bett saß und aus dem Fenster starrte. Ich schrieb das Zitat in mein Notizbuch, riss die Seite heraus und heftete es an meine Wand: die ungeheure Welt, die ich im Kopf habe. Aber wie mich befreien und sie befreien, ohne zu zerreißen. Und tausendmal lieber zerreißen, als sie in mir zurückhalten oder begraben.“
S 384
klassischer coming of age roman. viele themen werden behandelt, u. a. herkunftsscham, toxische beziehungen, rassismus, armut, drogen- und partysucht, die sehr vielschichtig aufeinander aufgebaut sind.
trotzdem hat es mich inhaltlich nicht sooo unfassbar gefesselt. ich habe nur in vielen kleinen etappen mit längeren pausen dazwischen das hörbuch gehört. was mich sehr beeindruckt hat, ist sie sprachliche stärke des romans. das war wirklich unfassbar gut!
"Good Girl" von Aria Aber (übrigens von der Autorin selbst aus dem Englischen ins Deutsche übertragen) ist ein sehr bewegender Roman über Scham, das Nichtzugehörigfühlen und die Techno-Szene in Berlin.
Seit 9/11 traut sich die 19-jährige Nila nicht mehr, anderen Menschen zu erzählen, dass sie aus Afghanistan kommt und verschweigt das "b" das eigentlich zu ihrem Namen Nilab dazugehört. Ihre Eltern, angesehene Ärzte, sind in den späten 80ern bzw frühen 90ern nach Deutschland geflohen, bekamen keine Arbeitserlaubnis, weshalb die Familie in Armut und Perspektivlosigkeit in Gropiusstadt lebt. Ihre Mutter ist inzwischen verstorben und Nila hat große Träume, viel Talent und noch mehr unverarbeitete Generationentraumata. Sie rebelliert gegen die strengen Regeln ihrer Familie und flüchtet sich in Techno-Clubs und Drogen. Sie ist voller Scham, Unsicherheit und Verzweiflung und trifft auf den älteren Schriftsteller Marlowe, mit dem sie eine toxische Beziehung eingeht und in emotionale Abhängigkeit gerät. Er offenbart ihr eine völlig neue Welt...
Nilas Geschichte geht unter die Haut! Sie war für mich sehr schwer und ich bin beim Lesen angesichts der Gewalt, die Nila widerfährt und der Drogen, die sie und ihre Freunde nehmen, irgendwann "abgestumpft", so wie Nila, für die all das alltäglich ist. Das Buch sollte man nur lesen, wenn man in der richtigen Verfassung dazu ist.
Aber dann ist es unfassbar gut! Von der Lebensrealität einer jungen afghanischen Frau im Deutschland der 2010er zu lesen, hat meinen Horizonz erweitert. Die Autorin lässt viel des damaligen Weltgeschehens in die Geschichte mit einfließen, nicht nur 9/11, sondern bspw auch die NSU-Morde. All das, um die Angst von migrantischen Personen spürbar zu machen. Daher lege ich "Good Girl" einigen Politikern (hust hust), die dringend mehr Empathie benötigen, sehr ans Herz.
Nila ist eine spannende Figur. Sie ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich habe mit ihr gelitten, auch wenn ich viele ihrer Handlungen nicht gutheißen, aber nachvollziehen konnte. Denn angesichts ihrer Lebensrealität, die meiner ziemlich fern ist, ist es Aria Aber gelungen, einen so tiefen Einblick in Nilas Leben zu geben, dass ich sie gut verstehen konnte. Nila macht eine große Entwicklung durch, die ich als authentisch empfinde und die mich berührt hat. Auch viele ihrer Freund*innen sind sehr vielschichtig und coole Charaktere (nicht immer unbedingt sympathisch, aber mit viel Tiefe). Nur Marlowe konnte ich nichts abgewinnen!
Nila träumt von einer besseren Welt und viele ihrer Gedanken haben mich sehr bewegt. Der Schreibstil ist gewaltig, wunderschön und zeugt von einem gewissen Weltschmerz und ich habe mir viele Stellen darin markiert. Nila ist Fotografin und beim Lesen dieses Buches habe ich oft Fotos der Szenen vor meinem inneren Auge gesehen, weil Nila ihre Welt durch die Kameralinse wahrnimmt, spiegelt sich das in der Erzählweise wider. Ein schönes Detail, was die harten Themen auflockert und Nila noch viel nahbarer wirken lässt.
"Good Girl" ist ein Roman, von dem ich nicht ganz sagen kann ob er ein Lieblingsbuch ist, weil er sehr wehtut, aber er wird noch lange in mir nachhallen und ich kann ganz pathetisch sagen, dass ich nach dem Lesen ein anderer Mensch bin! Da bleiben mir nur 5 Sterne übrig...
Das ist sicherlich kein schlechtes Buch, aber nicht meins.
Marlowe, der ältere super toxische amerikanische Schriftsteller, hat mich richtig wütend gemacht, die zum Teil (zu) langen Schilderungen von Drogenkonsum und Berliner Party- und Künstlerszene haben mich nicht wirklich abgeholt.
Dran geblieben bin ich allein für den Aspekt, in dem die Protagonisten Nila mit ihrer afghanischen Herkunft hadert und sie vor allen Freund*innen verheimlicht. Aber irgendwie hat das auch nicht so richtig zum Rest gepasst.
Nila ist Studentin, lebt in Berlin und ist hungrig nach Leben, Schönheit, Kunst und Rausch. Beim Feiern lernt sie den amerikanischen Schriftsteller Marlowe Woods kennen. Er zieht sie vom ersten Moment an in seinen Bann.
Nila ist nun Teil seiner Clique, Marlowe lässt sie in seine Welt, die aus Künstlern und Mäzenen besteht. Schnell ist klar, das hinter der Fassade des gehypten Schriftstellers ein kaputter Mann steckt, der Grenzen überschreitet und der das ungesunde Abhängigkeitsverhältnis seiner Beziehung für sich ausnutzt.
Ich konnte mich dem krassen Sog der Geschichte nicht entziehen. Es ist die Geschichte einer lebenshungrigen jungen Frau, die an einen zerstörerischen Mann gerät und sich ein Stück weit verliert.
Von einer jungen Frau mit afghanischen Wurzeln, deren Herkunft ihr Grenzen setzt, die sie mit aller Kraft sprengen will. Erzählt wird aus der ich-Perspektive und man kommt Nila dadurch sehr nahe.
Dieses Buch steckt voller Poesie. Mal rauh und abgründig und dann wieder leise, fast wie die Lyrics eines Songs- aber immer eindringlich.
Ich habe mich beim Lesen gefragt, warum der Hunger nach Leben so oft mit einer selbstzerstörerischen Komponente einhergeht. Denn: Wow wird in diesem Buch viel konsumiert. Ein Rausch jagt den nächsten und es wird tagelang gefeiert.
Und auch wenn ich beim lesen nur Kamillentee getrunken habe, frage ich mich, ob der Kater trotzdem folgt.
Große Empfehlung für Good Girl von Aria Aber 💚
Das Buch war für den Berliner Vibe cool, aber hat sich für mich schon etwas gezogen. Es gab nicht so richtig einen Plot. Die Beziehung fand ich irgendwann ganz schlimm bzw. einfach das Verhalten von Marlowe.
anfänglich hat mich dieses buch frustriert. die ersten hundert seiten haben sich gezogen, und ich hatte das gefühl, die handlung komme kaum voran. der klappentext hatte mich sehr angesprochen, aber meine naiven erwartungen an die geschichte wurden nicht sofort erfüllt. besonders die häufigen darstellungen der protagonistin beim drogenkonsum in heruntergekommenen toilettenkabinen auf fast jeder zweiten seite wirkten zunächst ermüdend. trotzdem entwickelte sich das buch im weiteren verlauf zu einer beeindruckenden, realistischen und intensiven geschichte. die darstellung des kreislaufs aus gefangensein - in beziehungen, in der eigenen haut, in lebenssituationen - ist unglaublich glaubwürdig und eindringlich. immer wieder zurückgeworfene schritte, das auf und ab im leben der protagonistin, machen die emotionale tiefe der geschichte spürbar. besonders hervorzuheben ist der rohe, ehrliche und ungefilterte schreibstil. aria aber gelingt es, die emotionen und gedanken der protagonistin direkt und unverblümt zu vermitteln, was das lesen intensiv und unmittelbar macht. die behandlung gesellschaftlicher, politischer, demografischer und familiärer themen - besonders die herausforderungen im zusammenhang mit afghanischer herkunft oder migrationshintergrund - ist sensibel und dennoch realistisch umgesetzt. auch die wut und verletzlichkeit der protagonistin werden klar und eindringlich transportiert, was die charakterdarstellung sehr authentisch macht. trotz einiger schwieriger anfangsseiten ist das buch am ende bewegend, nachdenklich stimmend und hinterlässt einen bleibenden eindruck. insgesamt ist good girl ein gelungenes buch, das durch seinen ehrlichen stil, die realistische darstellung von lebenssituationen und die tiefgehende charakterzeichnung überzeugt. es ist roh, unverblümt und emotional stark. ein buch, das man nicht so schnell vergisst.
Worum gehts?🦢
In alten Kellerhallen, in denen der Techno die noch von der Gewalt des letzten Jahrhunderts gezeichneten Wände zum Beben bringt, trifft die 19-jährige Nila auf Gleichgesinnte. Man legt die Lines, während man den Sozialismus predigt, und für Nila ist dieser dunkle Massenkörper der Ausweg aus dem Berliner Plattenbau, in dem wie sie nur Geflüchtete leben, wo die Toiletten von Silberfischen befallen und die Wände mit Hakenkreuzen beschmiert sind.
Nur im Rausch entkommt sie der Erinnerung an die tote Mutter, einst große feministische Revolutionärin, heute nur noch ein letztes Aufblitzen in den Augen des lebensmüden Vaters. Für jeden, der sie fragt, ist ihre Familie griechisch, nicht afghanisch.
Und dann lernt Nila den amerikanischen Schriftsteller Marlowe Woods kennen, der ihr, die immer schreiben wollte, eine Welt von Mäzenen und Festivals eröffnet. Marlowe teilt großzügig, doch schon bald folgen Gegenforderungen und Ansprüche, die die Grenzen des Erträglichen für Nila weit überschreiten.
Meine Meinung 🧸
Ich kam gut in die Geschichte rein und konnte mich an vielen Stellen in der Erzählerin wiederfinden. In wunderschöner Sprache wird der Leser durch das Buch begleitet und findet sich zwischen Rausch, einer zerbrechenden Familie und den Sorgen und Träumen der Protagonistin wieder. Zur Mitte hat es sich ein wenig gezogen, vermutlich, weil Marlow, einer der Protagonisten, wahnsinnig anstrengend ist. Gegen Ende wurde es jedoch nochmal richtig spannend, gefühlvoll und meiner Empfindung nach traurig. Insgesamt ein gutes Buch, welches jeder einmal lesen sollte.
Good Girl von Aria Aber⭐️⭐️⭐️⭐️
ein fantastischer roman, der mich sehr berührt hat. das dichte, authentische nebeneinander der harten realität und der scheinwelt aus techno und drogen hat mich fasziniert. die protagonistin ist unfassbar vielschichtig, habe lang keine romanfigur so sehr gemocht.
Dieses Buch war heiß und kalt für mich. Manchmal war ich so gefesselt von der Sprache, dass ich meine U-Bahn-Station verpasste und dann wieder fast gelangweilt von Klischees. Also am Ende wie Berlin.
„Good Girl“ von Aria Aber hat starke Ansätze, konnte mich aber leider nicht ganz überzeugen. Die toxische Beziehung zwischen Nilab und Marlowe sowie die immer wiederkehrenden Drogenexzesse wirkten auf Dauer ermüdend und überzeichnet – irgendwann war es einfach zu viel.
Ich hätte mir mehr Raum für Nilabs Innenleben gewünscht. Ihre Entwicklung bleibt oft vage, und viele Entscheidungen wirkten auf mich eher impulsiv als nachvollziehbar. Dabei ist das Thema – Selbstsuche zwischen Begehren, Abhängigkeit und Identität – durchaus spannend, nur leider emotional oft schwer greifbar.
Ein stilistisch interessantes Buch, aber inhaltlich hat es mich nicht ganz abgeholt.
Ein Fiebertraum, jedoch nicht auf die gute Art und Weise. Die Protagonist:innen haben mich mit ihren Entscheidungen oft wütend gemacht und unzufrieden zurückgelassen. Die Berliner Technoszene, Kultur, Kunst und Musik haben mir als Themen gut gefallen. Der ständige Konsum wurde mir jedoch zu repetitiv und ausschweifend erzählt.
Hin und her gerissen zwischen den Empfindungen. Ein auf englisch geschriebenes Buch von einer Deutsch-Afghanin, die in den USA lebt. Das Buch wird super gehyped in den sozialen Medien, so dass ich neugierig wurde. Wann ist es schonmal cool deutsch zu sein?
»Jede Familie hat einen Fluch, und der Fluch meiner Familie bin ich« S. 387
Nila ist 19 und Tochter afghanischer Flüchtlinge. Sie gibt sich als Griechin aus, sehnt sich nach einem anderen Leben, nach Unabhängigkeit und gesellschaftlicher Zugehörigkeit - und findet Zuflucht im Berliner Nachtleben der 2000er. Sie streift durch Clubs, stürzt sich in Rausch, Ekstase und Selbstzerstörung. Dabei lernt sie den älteren amerikanischen Schriftsteller Marlowe kennen, der ihr zwar die Tür zur Kunstwelt öffnet, im Prinzip aber eine einzige wandelnde red flag ist 🚩 Nila verliert sich in einer toxischen Beziehung, die von Machtgefällen, Abhängigkeit und schließlich auch von Gewalt geprägt ist. Und so sehr sie es auch versucht - die innere Zerrissenheit, der Schmerz um die verstorbene Mutter und die Traumata ihrer Familie und holen sie doch immer wieder ein..
Sprachlich ist dieser Roman für mich ein ganz großes Highlight! Aria Aber schreibt mit einer schmerzhaften Intensität und brillanten Metaphern über Themen wie Identität, Rassismus, Klassismus und Coming of Age. Ihre Sprache ist eine Wucht und nahezu poetisch. Besonders begeistert hat mich natürlich Nilas Liebe zu Kafka, die sich auf grandiose Weise durch den Roman zieht 🪲💘
Ihr solltet vorab aber einen Blick auf die TW/CN werfen, da der Roman inhaltlich keine leichte Kost ist.
Für mich war’s ein Highlight und steht absolut zurecht auf der diesjährigen Shortlist des Women’s Prize for Fiction!
Aus dem Englischen von Aria Aber herself 🔥
TW/CN: heftiger Drogen- und Alkoholkonsum, häusliche Gewalt
»Jede Familie hat einen Fluch, und der Fluch meiner Familie bin ich.« (387)
Es sind die 2000er Jahre und die neunzehnjährige Nila lässt keine Party im Berliner Nachtleben aus, tanzt zu Techno auf’m Berghain und nimmt jede Droge, um Ekstase zu finden und ihrer Gefühls- und Gedankenwelt zu entkommen. Ihre Eltern sind jung aus Afghanistan geflohen, und haben in Gropiusstadt (Berlin-Neukölln) eine Zuflucht gefunden, in der sie nie ganz angekommen sind. 💔
»Sie waren Könige und Königinnen, verbannt aus einem Mythos, gestrandet am Ufer dieser deutschen Tristesse.« (50)
Dies spürt auch Nila, die sich aus Scham über ihre Herkunft, Familie und weil es gesellschaftlich so viel leichter sein kann (liest sich: Alltagsra§sismus) — als Griechin ausgibt und nach Unabhängigkeit und gesellschaftlicher Zugehörigkeit strebt.
»»Er sieht wirklich südländisch aus. Es ist leicht, diese Leute zu verwechseln.« Diese Leute. Meine ganze Existenz, penibel in ein Demonstrativpronomen verpackt.« (56)
Eigentlich will sie Künstlerin werden, und sieht die Welt schon seit ihrer Jungend lieber durch die Kameralinse. 📷 In der Partyszene lernt sie den deutlich älteren Schriftsteller Marlowe kennen, der eine einzige wandelnde Red-Flag ist. 🚩Trotz all der Warnsignale, stürzt sie sich in diese toxische On-Off-Beziehung und erhofft sich darüber Zugang zur Kunstszene. Zwischen Einsamkeit, familiären Erwartungen, Clubbing, Drogen-Exzessen, Machtgefälle, Abhängigkeiten, Beziehungsgewalt und Selbstzerstörung verliert Nila ihr Ziel und auch die Menschen, die ihr wirklich etwas bedeuten, aus den Augen. Wie schafft sie die Befreiung aus dieser toxischen Beziehung & Lifestyle? DAS nehme ich Euch mit meiner Rezi auf gar keinen Fall vorweg 🤝🏼
»Es bedeutet, dass es dir gut gehen wird und dass du nicht dem Klischee eines Künstlers nachjagen musst. Wir haben es alle gemacht, wir sind alle erwachsen geworden, es gibt ein Leben danach. Feiern? Techno? Drogen? Ja, es macht Spaß, aber der Scheiß ist nicht echt.« [Anna zu Nila] (239)
»GOOD GIRL« von Aria Aber (übersetzt aus dem Englischen by herself 👑) ist ein schonungsloses, feinfühliges und krasses Porträt dieser jungen Frau zwischen familiären Erwartungen, kultureller Identität & Identitätssuche, Rassismus, Klassismus, Coming of Age, Friendship, Liebe, Migration & familiären Traumata. 💚 Hier ist nichts zu viel (außer vielleicht der Drogen 🤡). Der Schreibstil macht diesen Roman zu einem Highlight für mich. Poetische Reflexionen der smarten Protagonistin werden von krassen Szenen abgelöst, und am meisten mochte ich, dass eine authentische Entwicklung stattfindet.
Das Buch war eine Zeit lang nahezu immer in meinem Feed. Und yes, the hype is real. 🥵 Große Leseempfehlung (aber bittet achtet auf die CN 🫂). BTW: Wie krass gut ist bitte diese Coverdesign? 🔥
[CN: exzessiver Drogen- & Alkoholkonsum, psychische / physische Gewalt]
Eine sehr unterhaltsame und intensive Reise durch das Berlin, wie man es aus Filmen und Büchern kennt. Ich war gefesselt und mochte den Schreibstil. Gleichzeitig ist der ganze Konsum so ermüdend und repetitiv, dass es mich zwischenzeitlich sehr abgeschreckt hat. Irgendwie habe ich das Gefühl, solche Romane schon zu oft gelesen zu haben. Letztendlich ist es ein guter Roman.
Nila, die Protagonistin des Romans, ist eine junge Philosophiestudentin mit afghanischen Wurzeln, die versucht ihren Platz in der Welt, konkreter in Deutschland, zu finden und dabei in eine negative Abwärtsspirale aus Lügen, Alkohol, Drogen und sexualisierter Gewalt gerät. Der Roman greift dabei eine Vielzahl an Themen auf – von Klassismus über Rassismus bis hin zu toxischen Beziehungen ist alles dabei, wobei es leider manchmal ein wenig an Tiefgang fehlt. Spannend fand ich Nilas Bestreben ihre eigene Stimme als Künstlerin zu finden und die Exkurse zur Fotografie ebenso wie die Darstellung der Berliner Kunstszene in diesem Zusammenhang. Durch ihre Beziehung mit dem amerikanischen Schriftsteller Marlowe erhält sie Zugang zu "intellektuellen Kreisen", doch die Scham über die eigene Herkunft schmerzt in diesem von weißen, privilegierten Menschen dominierten Raum noch mehr ... Ausschweifende Drogen- und Partyszenen nehmen viel Platz ein, womit ich mir persönlich etwas schwer getan habe - das hätte einfach ein bisschen weniger ausführlich sein können. Während die Darstellung der Nebencharaktere recht oberflächlich bleibt, überzeugt Nila als Protagonistin mit einer komplexen, vielschichtigen Persönlichkeit; allerdings fand auch ihre - für eine Coming-of-age typische - Charakterentwicklung erst gegen Ende und dafür recht abrupt statt.
Ich gebe zu, dass ich zwischendurch überlegt habe, das Buch abzubrechen, da ich mich anfangs nicht wirklich in die Geschichte hineinfühlen konnte ... Schlussendlich bin ich aber froh, es nicht getan zu haben, da das Ende dann doch noch richtig stark ist und genau dem entspricht, was ich mir von dem Buch erwartet habe. Kein Roman, den man unbedingt gelesen haben muss, aber wenn man begonnen hat, lohnt es sich definitiv bis zum Ende durchzuhalten.
Mich hat Nilas Geschichte sehr bewegt. Ich bin wirklich sehr froh, dieses Buch gelesen zu haben, weil ich eine andere Perspektive kennenlernen durfte. Aria Aber hat mich mitfühlen lassen, sie hat mich in Nilas Welt, in ihr Aufwachsen katapultiert. Sie hat so tolle Worte gefunden, für Nilas Liebe zur Kunst, Literatur, aber auch für ihre Zerrissenheit zwischen dem Leben geprägt durch ihre Eltern/Familie und ihr Ausbrechen in ihr eigenes Leben. Ich kann es wirklich nur empfehlen.
Nach diesem Buch habe ich wirklich das Gefühl, dass ich auf einem ganz fiesen Trip war. 😅
Die Protagonistin handelt wirklich sehr widersprüchlich und dadurch konnte ich viele Entscheidungen nicht nachvollziehen bzw. mitfühlen.
Die Drogenszenen waren mir auch etwas zu viel und nahmen sehr viel Raum ein.
Dennoch wollte ich das Buch nicht abbrechen und wissen wie es ausgeht. Schon komisch 😅
Ein Loblied an die Jugend einer jungen Frau, die ihre Wurzeln nicht akzeptieren kann.
Die 19-jährige Nila ist aus Afghanistan und lebt mit ihrem Papa im Berliner Plattenbau, ihre Mama ist vor 3 Jahren verstorben. Nila flüchtet in die Technowelt, alte Kellerdiscos, Drogen und Alkohol. Das ist ihr Ausweg, ihr Ausweg aus einem Leben, was sie nie leben wollte. Ein Leben, aus dem sie nicht rauskommt. In einer Kellerdisco lernt sie den amerikanischen Schriftsteller Marlowe kennen und verliert sich in ihm und seiner Welt…
„Wir lernten, uns mit Präzision zu verachten.“
Wow - ein sehr heftiges, trauriges, aber auch super schön geschriebenes Buch. Selbst in einer absoluten Wohlstandsgesellschaft aufgewachsen, habe ich Nilas Leben mit teilweise Herzschmerz mitgefühlt. Man will auch kein Mitgefühl haben, aber ich durfte mir bewusst machen, wie privilegiert ich aufgewachsen bin und lebe. Das Buch ist ein Loblied auf die Jugend einer Frau, die versucht sich zu finden, aber in den Fesseln ihrer Familie und Religion steckt. Nila verliert sich in Freundschaft, Alkohol, Drogen, Sex und Trauer. Danke für die offenen und ehrlichen Worte 💫
Wir können niemals eine andere Person wirklich kennen. Das Einzige, worauf wir hoffen können, ist, uns selbst zu kennen.“