"Stern der Brüder" von Hans Bemmann wirkt auf den ersten Blick wie ein Geschwisterwerk zu "Stein und Flöte", doch der Schein trügt. Wer die märchenhafte Welt von Lauscher und die poetische Ruhe des ersten Romans schätzt, könnte hier enttäuscht werden. Zwar erzählt Bemmann wieder von einer epischen Reise und tiefgründigen Begegnungen, doch "Stern der Brüder" ist deutlich ernster und dunkler angelegt. Die Geschichte dreht sich um zwei Brüder, die gegensätzlicher kaum sein könnten, und ihre Suche nach ihrem Schicksal. Während in "Stein und Flöte" die Sprache leicht und fast magisch wirkt, ist der Ton hier eher nüchtern und die Handlung oft schwerfällig. Die Figuren wirken weniger lebendig und charmant, die symbolischen Elemente sind nicht so einladend märchenhaft, sondern eher philosophisch und oft düster. Auch die Erzählweise ist komplexer und fordert mehr Aufmerksamkeit, was die leichte Zugänglichkeit des Vorgängerwerks vermissen lässt. Insgesamt ist "Stern der Brüder" ein anspruchsvolles Werk mit Tiefgang, aber es verströmt nicht die märchenhafte Wärme und Verspieltheit von "Stein und Flöte." Wer das erste Buch liebt und auf eine ähnliche Leseerfahrung hofft, wird hier nicht das finden, was er erwartet.
12. Nov.Nov 12, 2024
Stern der Brüderby Hans BemmannThienemann-Esslinger Verlag GmbH
