
Magisches Jadewald-Kino für Herz und Mut
Mit einem geheimnisvollen, sprechenden Vogel als Auftakt öffnet sich für Winona eine Welt, in die man am liebsten sofort hineinspringen möchte. Beim Lesen saß ich oft reglos da, weil Mina Teichert so sinnlich und zugleich leichtfüßig beschreibt, wie der Jadewald atmet: Blumen, die flüstern, Pilze, die schier über den Kopf wachsen, und eine Spiegelstadt, die zugleich magisch und hinterhältig wirkt. Beim gemütlichen BuddyRead mit meiner Tochter haben wir gelacht, uns gegruselt und uns über die kleinen Mutproben der Freundinnen Ophelia, Lilly und Grace ausgetauscht — es war Nähe und Abenteuer in einem. Man spürt auf jeder Seite die Liebe zur Weltenerfindung; die Autorin spinnt Ideen wie Feuerwerkskörper, die nacheinander zünden und am Himmel nachleuchten. Die Figuren sind sorgfältig gezeichnet: Winona hat eine zerbrechliche Tapferkeit, die nicht laut daherkommt, sondern durch kleine, berührende Entscheidungen wächst. Die Handlung hält genug Überraschungen bereit, um junge Leserinnen wie ältere Mitleser zu fesseln, ohne dabei die leisen, nachdenklichen Töne zu verlieren. Besonders schön: Der Ton begegnet den Lesenden respektvoll, mit Humor und einer Prise Melancholie. Als Vorleseerlebnis funktioniert das Buch wunderbar — es ist ein kleiner, aufregender Sprung in eine Welt, in der Freundschaft, Vertrauen und Mut die wahren Kräfte sind. Ein zauberhaftes Abenteuer für ab etwa zehn Jahren, das noch lange nach dem Zuklappen nachklingt.



