
»Ich habe mir so sehr gewünscht, dich das sagen zu hören. Und gleichzeitig habe ich mich davor gefürchtet.«
Ich glaube mittlerweile, Asuka Lionera würfelt nicht einfach Tropes zusammen. Nein. Sie setzt sich vermutlich hin und überlegt ganz gezielt: „Wie kann ich meinen Lesern diesmal emotional möglichst elegant gegen das Schienbein treten?“ Und die Antwort darauf lautet anscheinend: Frozen Crowns. Die Geschichte beginnt bereits ziemlich dramatisch. Nach dem Überfall auf die Eskorte der Prinzessin befindet sich Davina auf der Flucht vor den Kriegern der Erdländer und landet prompt in einer Situation, die ziemlich schlecht für die Lebenserwartung aussieht. Glücklicherweise taucht Leander auf, der Erste Ritter der Feuerlande. Unglücklicherweise hat dieser absolut keine Lust, plötzlich eine fremde Dienerin im Schlepptau zu haben. Am liebsten würde er Davina vermutlich einfach wieder dort abstellen, wo er sie gefunden hat, und so tun, als wäre das alles nicht sein Problem. Funktioniert nur leider nicht, weil Davina erstaunlich hartnäckig ist. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach der verschwundenen Prinzessin und genau hier beginnt dieser wunderschön schmerzhafte Slow Burn. Während Leander Davina beibringt, wie sie sich verteidigen kann, kommen sich die beiden immer näher. Natürlich erstmal ganz unschuldig. Ganz professionell. Absolut keine emotional gefährliche Situation. Wirklich gar nicht. Bis Davinas Kräfte erwachen. Denn ihre Eismagie kann nur durch ihre wahre Liebe entfesselt werden und selbstverständlich ist diese Person ausgerechnet Leander. Weil Fantasy-Romance ohne emotionalen Untergang offenbar gesetzlich verboten ist. Besonders gelungen fand ich, dass das Buch sich Zeit nimmt. Die gemeinsamen Szenen zwischen Davina und Leander wirken ruhig, fast schon cozy, wodurch man irgendwann beginnt zu glauben, dass vielleicht doch alles gut werden könnte. Davina träumt davon, nicht nach Fryske zurückzukehren, sondern endlich frei zu sein. Leander bietet ihr sogar an, bei ihm in seinem Dorf zu bleiben, und selbst die Bewohner begegnen ihr und ihren Kräften ohne Angst. Man sitzt also da und denkt sich: „Das ist eigentlich viel zu schön gerade. Wo ist die Katastrophe?“ Und die Antwort lautet: Sie kommt. Schnell. Und mit voller Wucht. Denn wie sich herausstellt, ist Davina natürlich nicht einfach nur die Dienerin. Sie IST die verschwundene Prinzessin von Fryske und soll König Esmond heiraten. Um dieser Zukunft zu entkommen, hat sie mit ihrer Zofe Linnet die Plätze getauscht. Dummerweise hat Linnet sich ungefähr so unauffällig angestellt wie ein brennender Schneemann, weshalb die Täuschung ziemlich schnell auffliegt. Ab diesem Punkt verwandelt sich die Geschichte endgültig in emotionales Leid mit Winterästhetik. Davina und Leander müssen an den Hof zurückkehren und gleichzeitig so tun, als hätte König Esmond Davinas Kräfte erweckt. Und obwohl man als Leser eigentlich längst weiß, dass diese Hochzeit stattfinden wird, klammert man sich gemeinsam mit den Figuren an jede noch so kleine Hoffnung, dass es vielleicht doch noch irgendeinen Ausweg gibt. Was das Ganze so intensiv macht, ist weniger große Action oder epische Schlachten, sondern die pure emotionale Spannung. Man leidet mit jeder einzelnen Begegnung zwischen Davina und Leander mit, weil beide genau wissen, dass ihre Gefühle sie irgendwann zerstören könnten. Gerade diese Aussichtslosigkeit macht die Romance so stark. Tragisch, schmerzhaft und gleichzeitig wunderschön. Und dann wäre da noch König Esmond. Ein Mann, der behauptet Davina zu lieben, aber offenbar nie auf die Idee gekommen ist, ihr vielleicht mal einen Brief zu schreiben oder sie überhaupt kennenzulernen. Stattdessen präsentiert er ihr lieber seine Mätressen und Kinder wie eine besonders unangenehme Führung durchs Privatleben. Ganz ehrlich: Die größte Fantasy-Komponente des Buches ist nicht die Magie, sondern dass dieser Mann ernsthaft glaubt, irgendjemand würde freiwillig mit ihm glücklich werden wollen. Der Schreibstil von Asuka Lionera war wie gewohnt flüssig, atmosphärisch und unglaublich gefühlvoll. Die Seiten fliegen nur so dahin und obwohl das Buch vergleichsweise wenig klassische Action besitzt, bleibt die Spannung konstant hoch. Vor allem, weil sämtliche Nebenfiguren so lebendig geschrieben sind, dass man sie entweder sofort ins Herz schließt oder mit Leidenschaft verabscheut. Für mich war Frozen Crowns – Ein Kuss aus Eis und Schnee eine wunderschöne, tragische und emotional schmerzhafte Romantasy, die einen langsam einfriert und einem anschließend das Herz aus der Brust reißt. Und obwohl mich dieses Buch emotional misshandelt hat, würde ich es jederzeit wieder lesen. Offenbar bin ich inzwischen hervorragend darauf trainiert worden. ❄️😭


























































