9. Apr.
Rating:2

Ich weiß noch, dass ich das Buch als Teenager sehr gerne gelesen habe. Jetzt ein paar Jahre später wollte ich es nochmal lesen und ich war super enttäuscht. Ich hatte das Buch viel schöner in Erinnerung als es tatsächlich war. Zunächst sind die Charaktere unsympatisch und teilweise auch unglaubwürdig. Ich verstehe ja, dass Lara zu Beginn eingebildet und egozentrisch ist, aber dass sie überhaupt nicht versucht ihre Eltern zu verstehen fand ich sehr anstrengend. Außerdem ist sie unfassbar priviligiert und merkt es in ihrem Egoismus auch nicht. Sie wird sogar drauf hingewiesen, dass sie in einem super edlen Viertel wohnt, aber ich habe das Gefühl, sie nimmt das alles als gegeben hin. Kurz vor dem Ende des Buchs kommt es dann zur großen Wendung und sie erkennt plötzlich, wie falsch sie gehandelt hat. Sorry, aber das nehme ich ihr nicht ab. Vor allem handelt sie danach auch nur teilweise besser. Klar, sie strengt sich in der Schule mehr an, aber sobald es auch nur kleine Probleme mit Noyan gibt, macht sie wieder dicht und redet mit niemandem. Dabei sollte auch gesagt sein, dass das Problem, dass mit Noyan auftritt an den Haaren herbeigezogen wirkt und man direkt erkennt, dass hier noch einmal eine falsche Fährte gelegt werden sollte. Eher unglaubwürdig alles. Ich finde aber auch Noyan nicht nett. Klar, er wirkt wie der Traumfreund, aber sich heimlich Laras Manuskript schicken und dann auch noch einreichen geht gar nicht. Und das wird nicht mal thematisiert. Scheinbar sind alle okay damit, dass er einfach so in Laras Privatsphäre eingreift. Ich wäre das nicht. Aber auch die Fahrstuhl-Szene im ersten Drittel des Buchs. Ich finde die Message nicht sonderlich gut. Lara freundet sich mit ihrer neuen Frisur an und entwickelt langsam eine Art Selbstbewusstsein, aber nein. Das ist total falsch und er macht sich drüber lustig, wie selbstverliebt sie ist... Und um ehrlich zu sein, hat mich auch das Verhalten von Laras Eltern (insbesondere ihrer Mutter) mehrmals verärgert. "Jetzt beruhige dich bitte! Deine Freunde könnten jeden Moment hier sein, willst du, dass sie dich als Heulsuse in Erinnerung behalten?" Würde ich meiner Tochter nicht sagen und hilft bestimmt die Situation zu deeskalieren. Nicht. Aber auch wie sie Laras Verletzungen umgehen verwirrt mich. Ich kann sie einfach nicht verstehen. Und die Szene bei der Balletaufführung wirkt auch sehr gezwungen und leider nicht so locker, wie geplant. Ich weiß, dass es ein Jugendbuch ist und man vom Plot vielleicht nicht so viel erwarten sollte. Aber ich hatte das Gefühl, dass es so viele Chancen gab, so viele Momente, die man hätte ausschmücken oder ausbauen könnte. Aber leider wurden diese alle nicht genutzt. Und unglaubwürdig war es auch. Ich verstehe es nicht. Als Jugendliche habe ich das Buch geliebt, aber im Nachhinein sind die Charaktere blass und auch die Story kann dieses Buch nicht retten.

Ausgerechnet Istanbul
Ausgerechnet Istanbulby Sibel S TeomanPlanet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH