Kontrastprogramm und literarisches Neuland Ich hatte mir vorgenommen, Neuseeland auf literarischem Weg ein wenig näher zu kommen. Dabei ist mir dieses Buch aufgefallen, dass in Neuseeland mehrfach ausgezeichnet wurde. Aué bedeutet so etwas wie Verzweifelung oder Wehklagen. Was soll ich sagen, der Name ist Programm! Das Buch erzählt die Geschichte zweier Māori- Brüder, die mit den Altlasten ihrer Vorfahren zu kämpfen haben. Trauer, Gewalt, Drogenmissbrauch und Verkettung von unglücklichen Umständen sind zentrale Themen in diesem Roman. Es liest sich hart und schonungslos, aber ohne Schwermut. Die Sprache ist einerseits roh und voller Gewalt, aber andererseits feinsinnig, poetisch und hingebungsvoll. Gerade dieser Mix hat es zu einem besonderen Leseerlebnis für mich gemacht. Die verschiedenen Perspektiven und Zeitstränge sind anspruchsvoll, daher ist aufmerksames Lesen von Vorteil um die komplexen Zusammenhänge zu entwirren.Es bleibt spannend und undurchsichtig bis zum Schluss. Im Laufe der Geschichte finden die Brüder Zuflucht in Ihrer kulturellen Identität und es war mir eine Freude, diesen Weg zu verfolgen. Ein empfehlenswertes Buch für die, die menschliches Leid ertragen können, in eine andere Welt eintauchen möchten und zwischen roher Gewalt und schöner Poesie switchen können. Insgesamt wünsche ich mir noch mehr Einblicke in die Kultur der Māori und würde mich über eure Tipps freuen!
"Das Schlimmste war, dass ich nichtmal dachte, dass Tante Kat ein schlechter Mensch war, sie war nur das Gespenst eines Menschen, und ich wusste auch warum. Onkel Stu machte, dass die Leute daran zweifelten, dass sie existierten, und wenn man lange genug daran zweifelt, dass man existiert, fängt man an zu verschwinden." Tauk und sein kleiner Bruder Ari werden zu Vollwaisen, nachdem ihre Eltern bei einem Unfall umkommen. Während Ari bei Tante Kat und dem gewalttätigen Onkel Stu abgegeben wird, haut Tauk in die Großstadt ab und versucht, all den Schmerz und die Schuldgefühle hinter sich zu lassen. Tauk kommt mehr schlecht als recht klar und taucht tiefer in die dunkle Vergangenheit seiner Eltern ab, als ihm lieb ist. Ari hingegen findet Mut in einer neuen Freundschaft und gibt die Hoffnung nicht auf, seinen Bruder wiederzubekommen. Im Buch wird zwischen den Perspektiven der Brüder gewechselt, zusätzlich gibt es immer wieder Einschübe von Personen, die erst nach und nach vertraut werden. Es hat lange gedauert, bis ich durchdrungen habe, in welchen Beziehungen die zu Wort kommenden Figuren zueinander stehen. Doch die lange Ungewissheit hat mich nicht gestört, sondern noch neugieriger gemacht, auch aufgrund von einigen gut gesetzten Plot Twists. “Auē” ist ein Roman, der sehr in die Tiefe geht, er zeigt Gewalt und Abhängigkeiten in vielen Facetten und ist oft schwer zu ertragen. Gleichzeitig gibt es einige hoffnungsvolle und berührende Momente, oft im Zusammenhang mit starken, belastbaren Beziehungen, die den Glauben an ein Happy End tragen. Insbesondere Ari und seine beste Freundin Beth haben es mir angetan, eine tolle Freundschaft zwischen Außenseiter:innen. Becky Manawatu hat ein sehr facettenreiches, emotionales Buch geschrieben, das zudem einen Einblick in Sprache und Kultur der Māori gibt. Für mich war es mein erstes Buch aus Neuseeland, und dann gleich so ein Banger - danke an den Kröner Verlag für die Aktion #literaturvonwelt und das Rezensionsexemplar! Übersetzt von Jana Grohnert. CN: Tierle1d, T0d, Trauer, familiäre G3walt, Alkoh0l, N-Wort, Dr0gen, s3xualisierte G3walt, F3mizid, Ras$ismus, F3hlgeburt, Su1zid
Einfach nur wow! Der Roman trifft mitten ins Herz mit wahrlich starken Charakteren! Becky Manawatu bringt der Leserschaft Neuseeland und die Māori ein Stück näher anhand einer berührenden , aber auch tieftraurigen Familiengeschichte. Unbedingt lesen! 💖
Perfekte Balance aus treffender Schwere und feinsinniger/poetischer Leichtigkeit. Handlung und Figuren hinterlassen tiefe Spuren - STARK!
Roh und fordernd
Aue“ von Becky Manawatu war für mich ein sehr intensives, aufwühlendes und schwer verdauliches Buch. Es erzählt die Geschichte von Ari, einem achtjährigen Jungen, der nach dem Tod seiner Eltern von seinem älteren Bruder Taukiri zu Verwandten gebracht wird. Taukiri lässt ihn dort zurück und verschwindet. Man merkt sofort, dass Taukiri völlig überfordert ist mit dem, was passiert ist. Seine Flucht wirkt nicht herzlos, sondern wie ein verzweifelter Versuch, selbst irgendwie zu überleben und das was geschehen ist zu verarbeiten. Er glaubt, dass Ari bei Tante Kat und Onkel Stu in Sicherheit ist – was sich jedoch bald als Trugschluss herausstellt. Was mich sehr berührt hat, war, wie Ari mit alldem umgeht. Er ist noch so jung, vermisst seinen Bruder schrecklich, hofft auf Anrufe, erinnert sich an seine Nanny, sucht Halt – und gleichzeitig versucht er, irgendwie mit der neuen Situation klarzukommen. Seine Freundschaft zu Beth ist einer der wenigen Lichtblicke. Die beiden geben sich gegenseitig Halt. Das Buch wird nicht nur aus Aris Sicht erzählt, sondern auch aus Taukiris – und später auch aus anderen Perspektiven, zum Beispiel von Jade und Toko. Anfangs ist nicht ganz klar, wie alles zusammenhängt, aber nach und nach fügen sich die Puzzleteile zusammen, und man erkennt, dass hier viele Leben durch Schmerz und Trauma miteinander verbunden sind. Die Themen, die angesprochen werden, sind heftig. Wirklich heftig. Es geht um häusliche Gewalt, Missbrauch, Trauer, Drogenmissbrauch , familiäre Zerrüttung, - und das nicht nur in einer Generation, sondern über viele hinweg. Was ich an der Sprache besonders mochte, war, wie roh und kraftvoll sie sein konnte und gleichzeitig poetische Momente hatte. Der Stil ist kraftvoll, direkt, manchmal fast schon brutal, aber auch voller Gefühl. Es gibt Szenen, die sind schwer auszuhalten – nicht unbedingt explizit beschrieben, aber so, dass man sie deutlich spürt. Ich musste öfter Pausen machen, um das Gelesene zu verarbeiten. Zur Mitte hin habe ich mich manchmal gefragt, was die Autorin mir eigentlich sagen möchte, denn alles wirkte so hoffnungslos – ganz gleich, welches Schicksal man betrachtet. Glückliche Momente gibt es nur selten, und selbst diese scheinen unter einem Zeitlimit zu stehen. Zum Ende hin konnte es mich dann doch überzeugen und hat mich emotional vollkommen gepackt. Ich musste wirklich schlucken, besonders weil so viele dieser Schicksale unverschuldet sind. Es sind teilweise noch Kinder und Jugendliche, die in Situationen hineingeboren werden, für die sie nichts können – und das über Generationen hinweg. Es fühlt sich an wie ein Zirkel, aus dem kaum jemand ausbrechen kann. Es gibt kein wirkliches Happy End – und das hätte auch nicht gepasst. Das Ende war heftig und raubt den letzten Funken von Unschuld, der vielleicht noch zwischen den Zeilen zu finden war. Ich würde das Buch nicht uneingeschränkt jedem empfehlen. Man sollte wissen, dass es sehr schwere Themen behandelt und emotional sehr fordernd ist. Es hat mich tief berührt und wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen. Für mich ist Ari der eigentliche Held dieser Geschichte – ein Kind mit so viel Herz, so viel Mut. Das ging mir wirklich sehr nah. Ich glaube, das Ende werde ich so schnell nicht vergessen. Ich würde jeden empfehlen erst die Leseprobe zu lesen ( habe ich auch gemacht) um zu sehen ob man es aushalten kann. *Unbezahlte Werbung- Rezensionsexemplar




