14. Mai
Rating:3.5

Abschluss einer großartigen Reihe 

Eine berühmte Persönlichkeit ist als solche zu erkennen, dass es in vielen Werken Querverweise auf sie gibt. Ist sie einem selbst nicht bekannt so fällt das vielleicht gar nicht auf. Maya Angelou begegnet mir momentan in sehr vielen Büchern und jedes Mal breitet sich ein Lächeln in meinem Gesicht aus. Es ist, als wenn man eine gute Freundin wieder trifft. In diesem abschließenden Band (auf Englisch gibt es einen weiteren, der aber glaube ich, nur eine zusammenfasse Funktion hat), geht es Schlag auf Schlag auf das Ende der 60er zu. Maya reist wieder in die Staaten zurück. Ghana hat ihr viel gegeben, aber das war nicht ausreichend um sie für immer dort zu halten. Wir feiern ein Wiedersehen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Bailey, begegnen Martin Luther King und James Baldwin und werden hin und her geschüttelt, zwischen den sich überschlagenden Ereignissen und Mayas Gemütszustand. Nachdem die Rassenunruhen in Watts von ihr wie ein Albtraum wahrgenommen werden, findet sie ein neues Zuhause in New York. Wir haben zwar wieder kleinere Ausflüge in die Musik und auch ins Schauspiel, doch ihr Ziel ist es, als schreibende Person Fuß zu fassen. Sie ist Mitglied in der Harlem Writers Guild, einer Vereinigung, die afroamerikanischen Schriftstellern eine Plattform bietet und ihre Talente fördert. Maya wirkt in diesem Buch sehr zerrissen. Sie trauert ihrem Sohn nach, der in Ghana zurückgeblieben ist, weiß aber auch, dass er ihre Fürsorge nicht mehr braucht. Sie freut sich als ihre große Liebe sie in den Staaten besucht und ihr deutlich macht, dass er sie wieder mitnehmen möchte, weiß aber, dass sie dem Wunsch auf keinen Fall nachkommen wird. Diese Ambivalenz macht sich in vielen Sätzen bemerkbar, die in die eine Richtung beginnen und in der anderen enden. Oft wirkt der Text wie eine Aneinanderreihung von Notizen, die in eine schöne Form gebracht wurden. Auch wird wieder mal deutlich das Angelou eine Frau ist, die manchmal wie eingeklemmt scheint, zwischen den Gewohnheiten des Patriarchats und ihrem eigenen Drang nach Freiheit. Handwerklich ist das sicherlich nicht Ihr bestes Werk. Ein ums andere Mal bin ich über Stellen gestolpert, die irgendwie nicht zueinander passten. Inhaltlich ereilen sie Schicksalsschläge, mit denen sie stark zu kämpfen hat. Der Tod von Malcolm X und Martin Luther King scheinen sie aus der Bahn zu werfen. Glücklicherweise hat sie immer einen Kreis von Menschen, um sich, die für sie sorgen und Dolly, die sie eigentlich gar nicht kennen dürfte, wird zu einer guten Freundin. Ich bin glücklich, diese Reihe nun abgeschlossen zu haben. Ich habe das Gefühl, einem wichtigen Menschen sehr nah gekommen zu sein. Auch wenn mir dieser Teil stilistisch am wenigsten von allen gefallen hat, konnte mich jedes einzelne Buch inhaltlich für sich einnehmen. Eine großartige Frau, die das afroamerikanische Leben der USA wesentlich geprägt hat, die eine Zeitzeugin vieler wichtiger Ereignisse war und deren erstes Buch in vielen Bibliotheken mittlerweile verboten ist. Umso wichtiger ist es, dass wir das lesen und weiterempfehlen.

Mit jedem Schlag unserer Flügel
Mit jedem Schlag unserer Flügelby Maya AngelouSuhrkamp