Brillanter Mix aus Biografie & Soziologie. Scharfe Analyse von Scham, Klasse & politischem Wandel!
Rückkehr nach Reims (Original: Retour à Reims, 2009) von Didier Eribon ist ein wegweisendes Werk der modernen soziologischen Autofiktion. Der französische Soziologe und Philosoph nutzt den Tod seines Vaters als Katalysator, um nach drei Jahrzehnten der Funkstille in seine Heimatstadt Reims zurückzukehren und seine Mutter zu besuchen. Ausgehend von dieser persönlichen Konfrontation mit seiner Vergangenheit entfaltet Eribon eine scharfsinnige Analyse über soziale Klassenschranken, Scham und den politischen Wandel der europäischen Arbeiterklasse. Das Buch verwebt dabei auf einzigartige Weise intime Autobiografie mit der Gesellschaftstheorie seines Mentors Pierre Bourdieu, dessen Konzepte Eribon am eigenen Leib verifiziert und spürbar macht. Der narrative Kern des Buches dreht sich um Eribons doppelten Identitätskonflikt. Als junger Mann floh er aus der Enge der provanziellen Arbeiterklasse nach Paris, um dort seine Homosexualität frei leben zu können und eine akademische Laufbahn einzuschlagen. In der Metropole angekommen, stellt er jedoch rückblickend fest, dass er eine paradoxe Form des Schweigens praktizierte: Während er seine sexuelle Identität offen und kämpferisch lebte, verschwieg und verleugnete er seine soziale Herkunft aus tiefer Scham vor dem bürgerlichen Bildungsbetrieb. Erst durch die Rückkehr und das Betrachten alter Familienfotos begreift er, dass sein intellektueller Aufstieg ein brutaler Akt der sozialen Exklusion war, der mit der vollständigen Entfremdung von seiner Familie – der Mutter, die als Putzfrau arbeitete, und dem Vater, einem Fabrikarbeiter – bezahlt werden musste. Ein zentraler, politisch hochaktueller Strang des Werkes widmet sich dem fundamentalen Wandel der Arbeiterklasse. Eribon stellt fest, dass seine Familie, die in seiner Jugend noch geschlossen kommunistisch wählte und sich stolz über das linke Kollektiv definierte, nun fast ausnahmslos den rechtspopulistischen Front National unterstützt. Seine soziologische Diagnose lautet hierbei, dass dieser Schwenk kein plötzlicher Ausbruc










