Eindringlicher Kriegsroman mit mitreißender Wortwahl
"Als ob es die Kleidung noch gäbe, den Menschen aber nicht mehr." "Internat" von Serhij Zhadan ist ein beklemmender und poetischer Roman, welcher hautnah und teilweise überwältigend die Realität des Krieges zeigt. Hauptcharakter Pascha will seinen Neffen aus dem Internat abholen. Der Hinweg ist beschwerlich, der Rückweg gleicht einer Odyssee, denn die Grausamkeit scheint einfach nicht aufzuhören. Sobald sie einen Teil des Weges überwunden haben, scheint sich eine neue Hürde aufzutun. Die Stadt ist kalt, nass, zerbombt, hilflos und scheinbar hoffnungslos. Dieses ständige Umfeld belastet die Protagonisten sichtlich - aber das ist nicht nur reine Fiktion, denn in der Ukraine spielt(e) sich genau das und ähnliches jetzt gerade ab. Zhadan fängt die Atmosphäre dieses Krieges eindrucksvoll ein: das Chaos, die ständige Angst, das Ungewisse. Die Stimmung ist fast schon apokalyptisch. Durch die Authentizität des Romans, gelingt es dem Autor, den Krieg für alle Ausstehenden greifbarer, nachvollziehbarer zu machen. Jegliche Nachrichten oder Berichte könnten wohl kaum so berühren. Ich würde jedem pro-russisch eingestelltem Menschen dieses Werk nahelegen. Kurzum ist "Internat" also ein Buch, was man sich nicht entgehen lassen sollte, denn es ist sowohl aus poetischer, aber auch humanitärer Sicht ein Meisterwerk. ✭✭✭✭✭ (5/5)





