8. Sept.
Rating:3

“Jeder Lügner ist überzeugt, dass er der ganzen Welt etwas vormachen kann.tatsächlich aber macht er sich selbst am meisten vor” S.37 Joseph Shapiro emigriert 1945 aus Stalins Land in die USA. Dort lebt er mit seiner Frau und etabliert sich zu einem reichen Geschäftsmann. Doch Konsum und Lüstereien prägen sein Leben und er beschließt, alles hinter sich zu lassen: Seine Liebhaberin, seine Frau, seinen Job. In Israel möchte er sich ganz dem Leben unter jüdischer Tradition widmen. Doch auch hier scheinen sich die traditionellen Werte der modernen Welt zu beugen und eine kleine teuflische Stimme versucht immer wieder, Joseph von seinem neuen Weg abzuleiten.  Der Roman thematisiert den Versuch, den Wandel der Zeit von strenggläubiger Tradition hin zur kapitalistischen, materialistischen Moderne,  zu übergehen. Unser Protagonist brüskiert sich ununterbrochen über den modernen Lebensstil, über Frauen, über Lust und Konsum. Und nur die, die voll und ganz nach dem jüdischen Glauben Leben, sind frei von seinem strengen Urteil.  In Singers Text sind mir die homophoben und sexistischen Aussagen nicht entgangen und ich habe versucht herauszufinden, inwieweit diese Aussagen aus der Denkweise des Autors hervorgehen oder der Erschaffung des Charakterbilds dienen. Ich denke, in diesem Fall ist es tatsächlich die Ideologie des Protagonisten, nicht die des Autors. Im Vorwort distanziert sich Singer bereits von J. Shapiro Ansichten. Dennoch, es hinterlässt einen etwas bitteren Nachgeschmack. Es ist mein zweites Buch von Singer und auch hier bin ich wieder begeistert von seinem Sprachstil und der kraftvollen Erzählung. Doch ganz so begeistern wie seine Kurzgeschichtensammlung “Old Love” konnte mich “Der Büsser” nicht. Dies lag vor allem an der teils sehr philosophischen Auseinandersetzung mit dem Thema.

Der Büßer
Der Büßerby Isaac Bashevis SingerSuhrkamp