29. Apr.
Rating:2

Als "Indigo-Kinder" werden in diesem Roman von Clemens Setz Kinder bezeichnet, in deren Nähe Erwachsene unangenehme körperliche Symptome entwickeln, bspw. Schwindel, Übelkeit, starke Kopfschmerzen. Dies entwickelt sich oft mit der Pubertät, kann aber bereits auch schon im Kleinkindalter auftreten und u.a dafür sorgen, dass sich Mütter in die Kinderwägen erbrechen müssen. Der Roman wird aus 2 Perspektiven beschrieben und findet auf mehreren Zeitebenen statt: Zum einen gibt es den Protagonisten Clemens Setz, frisch aus dem Mathematikstudium an das Helianau-Institut kommend, ein Internat speziell für Indigo Kinder, und dem nun erwachsenen Indigo Robert Tätzel, der als freischaffender Künstler einen renommierten Preis für sein zuletzt geschaffenes Gemälde erhalten hat und als Jugendlicher auf diesem Internat war und dort von Clemens Setz unterrichtet wurde. Dem jungen Mathematiklehrer fällt auf, dass Jugendliche aus der Schule teilweise spurlos verschwinden, dies wird vom Schuldirektor als Relokation bezeichnet, aber nicht näher erläutert. Bei Setz' Recherchen verliert dieser zunehmend den Verstand und wird des Mordes angeklagt. Nach der Urteilverkündung nimmt Robert Tätzel Kontakt zu seinem früheren Lehrer auf und möchte mit ihm über seine Recherchen reden. Die Handlung selbst ist in keiner chronologischen Reihenfolge geschrieben, viel mehr wechseln sich der erwachsene Robert Tätzel und der junge Mathematiklehrer Clemens Setz kapitelweise ab, bis deren Handlungsstränge aufeinander treffen. Den Unterhaltungen, die Clemens Setz im Rahmen seiner Recherche führt, konnte ich schwer folgen - viele Sätze führen ins Leere, werden abgebrochen, gestammelt und leben von Andeutungen, die viel Interpretationsraum für den Leser lassen. Dieser Stil setzt sich dann auch mit zunehmend schlechter werdenden psychischen Gesundheitszustand in der Gedankenwelt von Clemens Setz fort. Es werden Assoziationen geschaffen, die immer düsterer und brutaler werden und irgendwann im Sande bzw. in drei Punkten verlaufen. Ebenso verhält es sich mit der Gefühlswelt von Robert Tätzel - seine Gedanken sind sehr verworren und düster und enden meist in brutalen Handlungen, was dazu führt, dass die Atmosphäre des Buches auch eher unangenehm und beklemmend ist. Beide Protagonisten sind schwer zu greifen und ein Beziehungsaufbau war für mich de facto nicht möglich, allerdings wird das auch nicht die Intention des Autors gewesen sein. Es gibt 2 Zitate im Buch, die für mich dieses Buch sehr gut charakterisieren: "Kunst ist fast immer grausam und widerlich" (Robert Tätzel), dies finde ich sehr passend, denn der Text ist schon sehr künstlerisch gehalten. Er lässt den Leser ebenso wie den Betrachter eines Gemäldes oder einer Skulptur über das Geschaffene nachdenken. "Es ist natürlich eine Mogelpackung, zusammengeklebte Teile, die nicht wirklich zusammengehören. Ein Durcheinander [...]" Dies beschreibt den Roman am besten. Der Text ist ein zusammengesetztes Fragment aus vielen Geschichten und Textbausteinen, die aus den Assoziationen hervorgerufen werden - sie passen nicht zusammen, gehören nicht zusammen, aber dadurch, dass sie einer Gedankenwelt entspringen, bilden sie doch Eins. Auch die Suchergebnisse, Zeitungsartikel, etc die im Rahmen der Recherche auftauchen, sind so gestaltet, dass es dem Leser in den Fingern juckt, deren Echtheit zu recherchieren und zu hinterfragen.

Indigo
Indigoby Clemens J. SetzSuhrkamp
28. Feb.
Rating:2

Unkonventionell…

…gut oder schlecht kann ich gar nicht genau sagen. Vor dem Lesen sollte man sich darüber informieren, worauf man sich bei Setz als Autor einlässt. Zum Sezieren für eine literaturwissenschaftliche Arbeit wäre es wahrscheinlich sehr ergiebig und interessant. Als reine Literatur für die Freizeit kaum auszuhalten. Man hat von Anfang bis Ende ein großes Fragezeichen im Gesicht. Unklar, wo wie wann und in welcher Reihenfolge etwas spielt, wird man die ganze Zeit von einem unguten Gefühl begleitet.

Indigo
Indigoby Clemens J. SetzSuhrkamp
3. Sept.
Rating:5

Die Überforderung des Mensch seins - der "Fehler in der Hardware" Einsamkeit sinnlose Brutalität Tierexperimente Kunst Uncanny Valley: Menschen mit abweichendem oder musterfremdem Ausdrucksverhalten erzeugen im Musterbeobachter Aversion Ist das Indigosyndrom die Aversionsreaktion der Menschen? Der Icherzähler hat interessanterweise keine Symptome in der Nähe der Kids. Die Suche nach Antworten und der pure Wahnsinn, keine zu erhalten: Dialoge die in die Leere führen, Sätze, die nicht zu Ende gesprochen werden. Keine Chronologische Erzählweise. Interferenzen Das Zonenspiel: Anordnung der Atome in einem Molekül? "Es gibt keine Happy Ends, nur Fair Ends"- ist Rache fair? Was ist Fair? Wer muss vor wem geschützt werden? Ethik und Moral was seid ihr? Wo seid ihr? Batman und Robin, Jedi Fandom, Star Trek, eine Ode an die gute alte Glühbirne, Ratten, Mandelbrots Fraktale, Bartelby der Schreiber, Pinchon's die Enden der Parabel, Am Gletscher von Haldor Laxness Oder am Ende nur Fanfiction auf Rambo 3 (es leuchtet blau)

Indigo
Indigoby Clemens J. SetzSuhrkamp
5. Feb.
Rating:3

Weird und gut

Man weiß nicht immer was gerade passiert und die Charaktere sind horrible. Trotzdem lesenswert. Meiner Meinung nach braucht das Buch aber dringend Triggerwarnungen. (Ableismus, Behindertenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Objektifizierung von Frauen, Angerissues, Tierquälerei, physische Gewalt, N-Wort ausgeschrieben, J****sau ausgeschrieben, behindert als Schimpfwort, schwul als Schimpfwort, Schw*chtel ausgeschrieben & als Beleidigung)

Indigo
Indigoby Clemens J. SetzSuhrkamp
6. Aug.
Rating:1

Ich hatte mir viel versprochen von diesem Buch. Ich wurde maßlos enttäuscht. Der Author verliert sich in Trivialitäten, gibt Hinweise, die nie eine Auflösung erfahren, lässt den Leser mit vielen Fragezweichen im Gesicht zurück. Damit hätte ich noch leben können, wenn das Buch stimmig gewesen wäre. Ist es aber nicht. Für mich reine Geld- und Zeitverschwendung.

Indigo
Indigoby Clemens J. SetzSuhrkamp
9. Mai
Rating:5

"Indigo" war mein erster Roman des Büchner-Preisträgers Clemens J. Setz und danach ist sofort der nächste bei mir eingezogen. Setz ist ein uuunglaublicher Erzähler und wartet in Indigo mit feinem, morbiden Humor, außergewöhnlicher Sprachkunst und einer wahnsinnigen Schöpfungskraft auf. Fokus des Romans sind die sogenannten Indigo-Kinder, die von einer gewissen Aura umgeben sind, der "Zone". Wer in die Zone tritt, wird in kürzester Zeit von Schwindel, Übelkeit und Ohnmacht befallen. Daher gibt es ein eigens für diese Kinder eingerichtetes Institut, die "Helianau", in der sie wohnen und unterrichtet werden. Immer wieder werden einzelne Kinder jedoch abtransportiert, ohne zu wissen warum und wohin. In zwei Handlungssträngen verfolgen wir einerseits den Journalisten Clemens J. Setz, der aufgrund einer vergangenen Erfahrung dem Geheimnis der Indigo-Kinder nachspüren will und andererseits Robert Tätzel, der früher selbst als Indigo-Kind im Helianau-Institut Zeit verbrachte. Das Buch ist wie eine lose Recherche-Mappe aufgebaut, eine Ansammlung von Materialien (Zeitungsausschnitten, "Kopien" aus Fachbüchern, Briefen, etc.), die der fiktive Clemens Setz mit Berichten über seine Recherche versieht. Dazwischen schlüpfen wir in Robert Tätzels Leben, in seinen entrückt wirkenden Alltag, seine Gewaltfantasien und grenzwahnsinnigen Gedanken. Das Ganze ist ein spannendes und - wenn man versucht die einzelnen Fakten zu recherchieren - auch wahnsinnig machendes Spiel mit Fiktion und Realität, eine Spurensuche, die aufgrund der Unverlässlichkeit der beiden Protagonisten gar nicht gelingen kann. Wer Antworten sucht, wird hier enttäuscht. Wer sich aber auf für Düsteres, Bedrückendes und Absurdes faszinieren kann, der wird es lieben. Im Foyer der Bank hingen eine Menge schlechter abstrakter Gemälde, an denen sich Robert festhielt, um nicht in Panik zu geraten. Sie waren die eigentlichen Bewohner dieser Räumlichkeiten. Die ganze Nacht über hingen sie hier, unförmige Gebilde, die niemand wollte. Er nippte ein paar Mal am Schaumwein, der nach verrückt gewordenen Trauben schmeckte, und machte sich daran, die Bilder im Geiste umzumalen. (S. 178-179)

Indigo
Indigoby Clemens J. SetzSuhrkamp