18. Jan.
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Navid Kermani hat ein Büchlein über den Altrocker Neil Young geschrieben, und gleichzeitig so viel mehr geschaffen. Er verquickt Musikalisches und Biographisches von Neil Young mit seinem eigenen Erlebten, zitiert Songtexte und erzählt auf poetische Weise, was diese ihm in seiner Jugend bedeuteten, kommt ins Philosophieren. Obwohl schon seit Jahrzehnten nicht mehr gehört, werden Stücke wie Cortez the Killer oder Down by the River wieder lebendig, Youngs ungeschliffener Gitarrensound und seine dünne, helle Stimme werden einem wieder präsent, und spätestens bei den letzten Seiten des kurzweiligen Essays legt man das alte Vinyl wieder auf. Es klingt noch immer phantastisch. Den Orientalisten Kermani entzückte die Musik Neil Youngs derart, dass er seinen Buchtitel frei nach einer alten Handschrift "Buch der vom Koran Getöteten" gewählt hat. Danach sollen islamische Mystiker den Koran gehört haben und darüber in Ekstase gestorben sein. Nach Kermanis Interpretation geht es um den "Versuch von Menschen seit jeher, eine ästhetische Grunderfahrung zu rationalisieren". Ein tolles Buch über Musik und das Leben.

Das Buch der von Neil Young Getöteten
Das Buch der von Neil Young Getötetenby Navid KermaniSuhrkamp