Stell dir vor, etwas packt dich, lässt dich nicht mehr los, reißt dich einfach mit, ob du willst oder nicht. Und plötzlich bist du mittendrin in der Geschichte und lebst alles mit: du spürst die Kälte, den Hunger, die Wut auf die Mutter, die Gefühle über den verstorbenen Vater, das Zusammensein mit dem Bruder, die unbarmherzige Natur, die schwierigen Entscheidungen, und nicht zuletzt das rohe harte Leben, das gelebt und vor allem überlebt werden will. Genau das macht dieses Buch mit dir.
Ich mochte es. Es war dem Film Train Dream von der Tonalität ein bisschen ähnlich.
Es wird ruhig erzählt von zwei Brüdern und deren Heimat in Montana nördlich des yellowstone NP
Sie halten sich mit Holzfällen und etwas Wildern über Wasser, aber es reicht nie.
Immer mehr zerfällt das Blockhaus und sie sind irgendwie gefangen in Ihrer Trauer um den Vater.
Sie geraten in Versuchung von außen und alles kippt mehr aus dem Gleichgewicht. Dabei ohne den Ton des Lesens zu ändern. Wie sooft in Nature Writing Büchern bleibt es erstaunlich sachlich, wie ein Zuschauer welcher nur beobachtet ohne zu werten.
Für jeden der solche Bücher mag, ganz klare Empfehlung.
Thad (27) und sein Bruder Hazen (26) wohnen im Haus ihrer Familie im Hinterland von Montana und schlagen sich alleine durch seit ihr Vater gestorben ist. Sie fällen Bäume, verkaufen Feuerholz und gehen jagen und fischen. Doch die Rechnungen stapeln sich und ihr Haus zerfällt immer mehr. Ein reicher, gefährlicher Mann aus der Gegend will sie dazu überreden, Geweihe aus dem Yellowstone Nationalpark zu stehlen. Und dann passiert etwas, das die Beziehung der beiden Brüder auf die Probe stellt und nachhaltig verändert.
Callan Wink, der selbst als Guide im Yellowstone Nationalpark arbeitet, erzählt einerseits nüchtern und knallhart, andererseits aber auch nachdenklich und mitfühlend, jedenfalls ganz ohne zu urteilen. Obwohl die Brüder hart arbeiten und mehrtägige Jagdausflüge planen können, wirken sie so planlos und unbeholfen, wenn es darum geht, die Probleme des alltäglichen Lebens zu regeln. Es ist ein Buch über Familie, das Leben in der Abgeschiedenheit Montanas, über die Zerrissenheit zwischen einem einfachen Leben in der Natur und den Verpflichtungen des modernen Lebens. Für alle, die Nature Writing mögen. Extrem gut!
Hazen und Thad, zwei Brüder, die vor Kurzem ihren Vater verloren haben, leben allein im abgelegenen Hinterland Montanas. Tag für Tag kämpfen sie ums Überleben, indem sie Holz fällen und versuchen, über die Runden zu kommen. Ihr Alltag ist hart, einsam und geprägt von Kälte. Dann erhalten sie ein Angebot, das sie aus ihrer finanziellen Notlage holen könnte - aber auch gefährlich ist.
Als wäre das nicht genug, taucht plötzlich ihre Mutter auf. Die Frau, die sie in ihrer Kindheit immer wieder verlassen hat und seitdem wie eine Vagabundin durchs Land zieht.
Das Buch hat mehr Tiefe, als ich anfangs erwartet habe. Neben den starken Naturbeschreibungen steht vor allem die Beziehung der Brüder im Mittelpunkt. Thad, der Ältere, ist vorsichtig und misstrauisch. Hazen dagegen ist impulsiv und gutgläubig. Diese Gegensätze haben mich an Von Mäusen und Menschen erinnert. Auch die Familiengeschichte spielt eine Rolle, selbst wenn sie nicht im Vordergrund steht. Besonders Thads schwieriges Verhältnis zur Mutter hat mir gut gefallen, weil es der Geschichte emotionale Spannung gibt.
Sehr gelungen fand ich auch, wie das Verhältnis der Brüder beschrieben wird. Sie sind aufeinander angewiesen, geraten aber immer wieder aneinander. Thad will Hazen beschützen, wirkt dabei aber oft bevormundend. Irgendwann stellt sich die Frage, was passiert, wenn sich die Rollen umkehren. Gerade in der Einsamkeit der Wildnis zeigt sich, wie wichtig Zusammenhalt ist - und wie verloren man ohne ihn wäre.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Naturbeschreibungen sind bildhaft, ohne zu viel Raum einzunehmen. Auch die Länge des Buches fand ich genau richtig. Es zieht sich nicht und bleibt bis zum Ende spannend. Das offene Ende hat mir gefallen, weil es gut zur Geschichte passt und Raum für eigene Gedanken lässt.
Insgesamt ist es ein ruhig erzähltes, aber spannendes Buch über Familie, Verantwortung und das Überleben in einer rauen, unbarmherzigen Umgebung.
*Unbezahlte Werbung – Rezensionsexemplar