8. März
Eine Satire über Aufmerksamkeitsindustrie, Kapitalismus und Echokammern – ein Roman, der gerne länger sein dürfte
Rating:3.5

Eine Satire über Aufmerksamkeitsindustrie, Kapitalismus und Echokammern – ein Roman, der gerne länger sein dürfte

💳 Ein Antikapitalist schlägt einen anderen Antikapitalisten im Haus eines Bankers mit einem Goldbarren fast zu Tode. Diese bizarre Handlung bietet den Auftakt in Natasha Browns Roman. In fünf Abschnitten wird diese Situation aus unterschiedlichen Perspektiven bewertet, wobei der Schreibstil jeweils fundamental anders ist. Es geht nicht um die Aufklärung, sondern jeder Charakter projiziert etwas anderes in den Kriminalfall: Worauf können wir uns als Gesellschaft noch einigen? Natasha Brown spielt hier einerseits mit der Rolle von Journalismus und sozialen Medien, aber auch stark mit der Erwartungshaltung der Leser:innen. [Ab hier Spoiler zu übergeordneten Themen, aber nicht zur Handlung} So ist das erste Kapitel provokant schlecht geschrieben – bewusst, denn es handelt sich um eine Reportage der Journalistin Hannah, die effekthascherisch über den Goldbarren-Fall berichten will. Im weiteren Verlauf wird die dort präsentierte Wahrheit immer mehr verwässert, und plötzlich driftet der Roman immer weiter von dieser Handlung weg - und auch von Hannah, die uns im Klappentext als scheinbarer Hauptcharakter präsentiert wird. Stattdessen folgen wir plötzlich einer anti-woke Autorin, die Diversität als Verrat an der Bevölkerung und Weiße in der Minderheit sieht. Eine bewusst irritierende Entscheidung von Natasha Brown, der man als POC eigentlich einen anderen Fokus unterstellen würde. Was ist also von allgemeiner Gültigkeit, wenn wir als Leser:innen noch nicht einmal auf unsere Vorerwartungen an den Roman vertrauen können? Brown zeichnet eine Gesellschaft, die von den Wirren des Kapitalismus und Klassismus aufgerieben ist. Das einzige Ziel aller Charaktere ist es, Aufmerksamkeit und Deutungshoheit gegenüber anderen zu erreichen. Alle handeln nur für sich, eine allgemeine Gültigkeit kann es nicht mehr geben. Trotz dieser spannenden Gedankenspiele der Autorin ist das Buch leider insgesamt zu kurz und man kommt aufgrund der häufigen Stilwechsel nicht wirklich in den Fluss. Somit reicht es für mich nur als Gedankenanstoß und abwechslungsreiche Satire. Für eine intensive Auseinandersetzung mit einer spannenden Thematik reicht es aber nicht.

Von allgemeiner Gültigkeit
Von allgemeiner Gültigkeitby Natasha BrownSuhrkamp
15. Aug.
Rating:5

Medien und Gesellschaft auf der Metaebene

Beginnend als fiktiver Magazinartikel geht dieses Buch immer weiter auf die Metaebene der Medien und auch teilweise der Gesellschaft in England. Viele Leute nutzen sich gegenseitig aus, manche werden zurecht oder zu Unrecht niedergemacht. Das Buch hat bei mir den Gedanken weiter vertieft, dass bei vielen eine Agenda verfolgt wird, die man nicht unbedingt immer direkt wahrnehmen kann. Insofern regt mich dieses Buch weiter zu bewussten medialen Konsum an und ist aus meiner Sicht absolut lesenswert.

Von allgemeiner Gültigkeit
Von allgemeiner Gültigkeitby Natasha BrownSuhrkamp
8. Aug.
Rating:3.5

Ziemlich technisch

Grundsätzlich ist der Text gut gemacht, hat eine halbwegs spannende Story und einen interessanten Aufbau. Mir persönlich fiel es jedoch schwer zu den Figuren eine Beziehung aufzubauen. Insgesamt beinhaltete der Text viele eher langatmige und theoretische Gespräche über Medien, Politik und Gesellschaft. Das hat mich persönlich nicht so abgeholt, vielleicht aber auch weil es auf Englisch als Nicht-Muttersprachlerin schwer verständlich war.

Von allgemeiner Gültigkeit
Von allgemeiner Gültigkeitby Natasha BrownSuhrkamp
24. Juli
Rating:4

Ich habe dieses Buch aus den falschen Gründen zu lesen begonnen. Gekauft habe ich Natasha Browns Universality in der Annahme, einen Krimi zu bekommen – und erhielt stattdessen eine schwarzhumorige Gesellschaftskritik. Bereut habe ich das kein bisschen. Das erste Drittel präsentiert sich als fiktionale Artikelreihe über einen illegalen Rave, einen gestohlenen Goldbarren und eine idealistische Kommune. Ein träger Einstieg, der mir jedoch den Boden unter den Füßen wegriss, als Brown plötzlich den Erzählstil wechselt: Die Perspektive springt zur Reporterin, die diese Artikel geschrieben hat, und eröffnet eine völlig neue Sicht auf die Ereignisse. Was zuvor so klar schien, entpuppt sich als maximal halbe Wahrheit – und wir blicken plötzlich hinter die Kulissen einer Geschichte, die wir zu kennen glaubten. All das ist kein Selbstzweck, sondern eine Allegorie auf eine nach Aufmerksamkeit gierende Medienlandschaft, stets auf der Jagd nach der nächsten Schlagzeile. So wird aus einer vermeintlich banalen Kriminalgeschichte innerhalb weniger Seiten eine tiefschwarze Gesellschaftssatire mit ambivalenten, erschreckend realistischen Figuren. Browns Fähigkeit, die Gedankengänge ihrer Charaktere nachzuzeichnen, macht es schwer, klar Position oder Gegenposition zu beziehen. Am Ende hinterlässt mich Universality mit vielen Gedankenanstößen, dem Wunsch, es hätte noch länger gedauert – und vor allem: mit offener Kinnlade.

Von allgemeiner Gültigkeit
Von allgemeiner Gültigkeitby Natasha BrownSuhrkamp