Ein russischer Zwangsrekrut und eine Französin stecken in derselben transsibirischen Eisenbahn. Sie auf der Flucht ihres russischen Freundes, er plant seine Desertation. Kurz, dicht und intensiv. Toll geschrieben und ideal für eine Mittagspause oder Bahnfahrt.
Kurzroman/Erzählung: sehr kurzweilig und streckenweise entsteht packende Spannung.
Kurzweilig, aber toll!
Sehr kurzweiliges, super geschriebene Novelle! Klare Empfehlung!
Es fühlt sich an, als wäre mit der Nacht der Waffenstillstand zu Ende, vorbei eine Zeit, in der Worte etwas anderes sind als Schreie,ein Ort, an dem man sich ohne Furcht zeigt, und als nähmen die beiden, aus dieser Parenthese heraus katapultiert, aus diesem Schutzraum verstoßen, wieder ihren Platz im Zyklus der menschlichen Gewalt ein. - Zitat, Seite 34 Dieser Kurzroman über zwei Fremde, die sich in der transsibirischen Eisenbahn begegnen und eine Verbindung schließen, ohne sich durch eine gemeinsame Sprache verständigen zu können, wurde im französischen Original bereits 2012 veröffentlicht. Jetzt steht er durch diese feine und fast federleichte Ausgabe des Suhrkamp Verlags auf 90 Seiten auch der Leserschaft hierzulande zur Verfügung. Was die beiden Protagonisten verbindet, ist der Gedanke an Flucht. Der zwanzigjährige Aljoscha, wurde zum Militär zwangsrekrutiert und möchte seinem Schicksal entgehen. Die wesentlich ältere Pariserin Helene ist ihrem russischen Geliebten in dessen Heimat gefolgt, doch spontan hat sie ein Zugticket 1. Klasse gelöst und fährt nach Osten, um ihrer Heimat im Westen näher zu kommen. Nach einer gemeinsamen Begegnung im Zug gibt Aljoscha der Passagierin der 1. Klasse verzweifelt zu verstehen, dass er nicht zu seinem Platz in der 3. Klasse, unter all den anderen Kahlgeschorenen im Drillich und zu dem sadistischen Vorgesetzen, zurückkehren wird, sondern ihr folgen möchte. "Er ist wie sie" - das denkt sich die Protagonistin, aber ist weglaufen wirklich alles? Der Schreibstil von Maylis de Kerangal ist sehr präzise, wie mit angespitzter Beistiftmine setzt sie gezielt Wort für Wort aufs Papier, wobei sie den Sinn der gewählten Sprachbilder voll auslotet. Die Situation einer Zugreise gibt der Handlung natürlich wirkende Grenzen zu und die Beengtheit der Räume trägt zur Spannung zwischen den Protagonisten, aber auch zur gespannten Atmosphäre der Geschichte bei. Aus dem französischen wurde übersetzt von Andrea Spingler. Die Übersetzung wirkt sehr stimmig, lediglich die Worte Albtraum und Alb hätten ohne "p" noch besser gewirkt, denn schließlich haben diese Begriffe nichts mit den Schweizer Bergen zu tun. FAZIT Eine berührende Geschichte, die spannend aufzeigt, wie flüchtige Begegnungen Möglichkeiten und Verbindungen schaffen, mit denen wir nicht im Traum rechnen. Auch wie die Autorin Sprache einsetzt, um Gedankenbilder in Worte zu kleiden, ist ein Vergnügen. Sehr lesenswert.
Ein intensives tiefgehendes Buch, welches Maylis de Kerangal hier vorlegt. Die Story, die schon 2012 erschienen ist, zeigt schon die Grausamkeit des russischen Militärs. Und dies nur anhand von Andeutungen. Eine ganz wunderbare Geschichte von zwei Menschen, die sich nicht verständigen können, da sie nicht die gleiche Sprache sprechen und sich dennoch verstehen. Eine kurze Story, die dennoch so klar und so präzise ist. Wunderbar.




