Robert Menasse schreibt an gegen den Nationalismus, der die EU zerstört, und wagt das heutzutage Verpönte: sich neue Lösungsansätze vorzustellen.
Großartige Identifikation des Problems, gerade auch durch die unschlagbar treffende Analyse der historischen Genese der Union – und erfrischend utopisch in seinen Vorschlägen. Diese scheinen trotz der in ihnen vorgeschlagenen Utopie grundsätzlich auch realistisch. Allerdings realistisch aus einer Position der EU in den frühen 2000ern – der Zug ist jetzt aber wohl schon abgefahren. Das ist (in seinem Schreibstil implizit erkennbar) sogar Menasse selbst klar, dennnoch bemüht er sich oberflächlich, das Gegenteil zu schreiben, und bleibt hoffnungsvoll. Fazit: Tolles Buch, aber ist es kein Buch für einen regnerischen Herbsttag, denn man verliert ein bisschen seinen Optimismus. Ein halber Stern Abzug für die fehlende Struktur, es liest sich etwas wie ein Gedankenstrom – wenn auch einer Person mit sehr geordneten Gedanken.
