7. Jan.
Blauwal gewordener Manufactum-Katalog
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Blauwal gewordener Manufactum-Katalog

Der 900-Seiten-Wälzer ist eine Herausforderung, die mich verwirrt aber angeregt zurück lässt. Ein Schlüsselroman, zu dem mir viele Schlüssel fehlen. Eine lineare Handlung gibt es quasi gar nicht, der Roman setzt immer wieder ein und aus, aber nachdem man sich darauf einlässt und einsieht, dass es gar nicht nötig ist, den Überblick über die unzähligen Figuren zu behalten, findet man eine durchaus mitreißende Geschichte von Verrat und den vergeblichen Versuchen von richtigen Leben im Falschen. Die Teile aus DDR- und Wendezeit haben mir größtenteils besser gefallen als die Gegenwärtigen, was natürlich die Frage aufwirft, ob ich mich bei dem, was ich nicht selbst erlebt habe, zu sehr vom Autor an die Hand nehmen lasse - aber vielleicht schreibt Tellkamp auch einfach besser mit mehr Abstand. Treva, Deutschland und zugleich Berlin und Hamburg, unterwandert von einer fortbestandenen Stasi die zugleich eine Art Perversion eines Verlags ist, erlaubt zwar stellenweise brillant witzige und scharf beobachte Szenen, blieb mir aber doch verschwommen. Ich hätte mir auch für die gegenwärtigen Teile den Mut gewünscht, näher an der Realität und den echten Namen zu bleiben. Deutschland ist dafür frei genug, Tellkamp sollte das Wissen. Es hätte der Lesbarkeit gut getan.

Der Schlaf in den Uhren
Der Schlaf in den Uhrenby Uwe TellkampSuhrkamp